Bilanz 2001
Consors macht klar Schiff

Der Discountbroker hat sich im operativen Geschäft besser entwickelt als erwartet. Einige Analysten lassen sich bereits wieder zu Kaufempfehlungen hinreißen.

Reuters NÜRNBERG. Der zum Verkauf stehende Discountbroker Consors ist im vergangenen Jahr wegen hoher Sonderabschreibungen tief in die roten Zahlen gerutscht, hat sich im operativen Geschäft aber besser als von Analysten erwartet entwickelt.

"Consors hat mit den Sonderabschreibungen klar Schiff gemacht für 2002. Damit verbessern sich auch die Chancen für einen Verkauf", kommentierte WestLB-Analyst Johannes Thormann die am Montagabend veröffentlichten Zahlen am Dienstag. Der Nürnberger Onlinebroker, der wegen finanzieller Schwierigkeiten der Muttergesellschaft SchmidtBank veräußert werden soll, verbuchte 2001 einen Fehlbetrag von 125,5 Millionen Euro nach einem Gewinn von 17 Millionen Euro im Vorjahr. Am Neuen Markt fielen die Consors-Aktien am Dienstag um knapp ein Prozent auf 13,76 Euro.

Der Konzernabschluss 2001 sei auch durch die schwache Börsenentwicklung und die dadurch stark rückläufigen Transaktionszahlen belastet worden, erläuterte Consors weiter. So brachen die operativen Erträge auf 179,6 (333,7) Millionen Euro ein. Die Kosten sanken aber auf 243,9 (266,2) Millionen Euro. Der operative Verlust nach Steuern und Anteilen Dritter lag bei 62,8 Millionen Euro nach einem Gewinn von 26,5 Millionen Euro im Jahr zuvor. Abschreibungen auf Beteiligungen und Firmenwerte sowie Kosten der Restrukturieren verringerten das Ergebnis nochmals um 99,1 Millionen Euro.

Operatives Ergebnis besser als von Analysten erwartet

Dass das vergangene Jahr mit den Kurseinbrüchen an den internationalen Aktienmärkten schlecht für die Direktbroker gelaufen sei, sei schon lange klar gewesen, hieß es bei Analysten. Die Commerzbank-Tochter Comdirect hatte in der vergangenen Woche für 2001 einen Verlust vor Steuern von 203,3 Millionen Euro veröffentlicht. Das operative Ergebnis von Consors - mit 565.700 Kunden die zweitgrößte Direktbank in Europa - habe jedoch über den Erwartungen gelegen, sagte WestLB-Analyst Thormann: "Ich hatte mit neun Millionen Euro weniger auf der Ertragsseite und vier Millionen Euro mehr auf Kostenseite gerechnet." Er empfiehlt die Aktie zum Kauf.

Auch Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim bezeichnete das operative Ergebnis als leicht über seinen Erwartungen. Mit den Sonderabschreibungen habe Consors alle schlechten Einflüsse in die Bilanz 2001 gepackt. "Das kann man schon als Großreinemachen bezeichnen."

Frage nach einem Käufer weiter offen

Die Frage nach einem möglichen Käufer für Consors bleibt weiter offen. Der neue SchmidtBank-Chef Paul Wieandt, der den Verkauf der von der Hofer Privatbank gehaltenen 65 Prozent an Consors bis Ende März angekündigt hatte, will am Mittwoch in Nürnberg über das Sanierungskonzept für die SchmidtBank informieren. Öffentlich haben bisher die französischen Banken BNP Paribas und Societe Generale sowie die Commerzbank erklärt, für Consors geboten zu haben. Als weitere Interessenten gelten die US-Onlinebanken E*Trade und Charles Schwab. "Ein Käufer wird einen Aufschlag zahlen müssen. Consors wird ja nicht verkauft, weil Consors ein Sanierungsfall ist, sondern die Schmidtbank", sagte Thormann.

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