"Bilanz der Vorsicht, aber auch der Stärke": Neuer Chef der BayernLB verdoppelt Risikovorsorge

"Bilanz der Vorsicht, aber auch der Stärke"
Neuer Chef der BayernLB verdoppelt Risikovorsorge

Im ersten Jahr unter dem neuen Vorstandschef Werner Schmidt hat die Bayerische Landesbank ihre Risikovorsorge auf fast 1,2 Mrd. ? mehr als verdoppelt und deshalb operativ 60 % weniger verdient. Finanzvorstand Peter Kahn bezeichnete die Aufstockung als Ausdruck von extremer Vorsicht: "Ein neuer Mann räumt erst einmal auf. Und das geht aus einer Position der Stärke auch", sagte er am Mittwochabend in München.

Reuters MÜNCHEN. Das Betriebsergebnis des halbstaatlichen Instituts brach 2001 auf 287 (Vorjahr: 723) Mill. ? ein. 2002 soll das Ergebnis gehalten werden. Schmidt kündigte an, Beteiligungen und Geschäftsfelder auf den Prüfstand zu stellen. Am Nürnberger Direktbroker Consors sei die Bank nicht interessiert.

"Das ist eine Bilanz der Vorsicht, aber auch eine Bilanz der Stärke", sagte Kahn. Auf Krisen wie in Argentinien habe man mit der maximalen Abschreibung der Risiken reagiert. Kürzlich hatte die Bank mitgeteilt, mit 100 Mill. ? von der Pleite des US-Energieriesen Enron betroffen zu sein. Ob auch die Unsicherheit um die Liquidität der Kirch-Gruppe zu den Vorsorgemaßnahmen beigetragen habe, wollte Schmidt nicht sagen. Die Kredite im Volumen von 1,9 Mrd. ? seien banküblich besichert, sagte er. Ein Teil davon laufe am 30. Juni aus. Eine Gefahr für die Bank, die damit größter Geldgeber von Kirch ist, bedeuteten sie nicht. Die stillen Reserven überträfen die Summe bei weitem. Die Diskussion darüber belaste aber.

Besserung sei auch 2002 Jahr nicht in Sicht, sagte Schmidt. Dennoch wolle die Bank auf Einstellungsstopps oder gar Entlassungen verzichten. Die Kosten, die mit der Einstellung 500 neuer Mitarbeiter 2001 um 23 % gestiegen waren, dürften nur noch um 5 % steigen. Damit wolle er den Ertrag nach Risikovorsorge in einem erneut als schwierig zu erwartenden Jahr halten, erklärte der Vorstandschef.

Bis Ende des Jahres will Schmidt zudem die gesamte Strategie der Bank überprüfen. Dazu zähle die Frage, welche Beteiligungen unter strategischen oder Rendite-Erwägungen noch sinnvoll seien, aber auch die Untersuchung unrentabler Geschäftsfelder. Zusammen stünden die Banken-Beteiligungen mit 5,42 Mrd. ? in den Büchern. An die Hypovereinsbank verkauft worden sei zuletzt der 7,38 %-Anteil an der HVB Real Estate. Die Zusammenarbeit mit der Helaba könnte dagegen möglicherweise auf die Bausparkassen (LBS) ausgedehnt werden. Mit dem Partner CDC/GCE, der drittgrößten Bank Frankreichs, will die Landesbank bis Mitte des Jahres eine Überkreuzbeteiligung von bis zu 5 % prüfen.

Insgesamt hat die BayernLB 2001 vorläufigen Zahlen zufolge 1,189 Mrd. ? auf Kredite abgeschrieben. 2000 waren es noch 568 Mill. ?. Die Beteiligungen seien um 66 Mill. ? abgewertet worden. Das Betriebsergebnis vor Vorsorge stieg wegen des um über 15 % gestiegenen Zinsergebnisses und des mehr als doppelt so hohen Gewinns aus Finanzgeschäften um 31 % auf 1,54 Mrd. ?. Vom auf 359 (550) Mill. ? geschrumpften Jahresüberschuss fließen 260 (478) Mill. ? in die Rücklagen, 82 Mill. ? werden als Dividende an die Gesellschafter, den bayerischen Staat und den Sparkassenverband, ausgeschüttet.

Schmidt verteidigte das Engagement der BayernLB zur Rettung der Hofer Schmidt-Bank. In Nordbayern hätten die Sparkassen mit der Regionalbank zahlreiche gemeinsame Kreditengagements gehabt, für die so Schadensminimierung betrieben worden sei. Die Bank ist an der Auffanggesellschaft mit 21 % beteiligt. Mit 75 Mill. ? stehe der öffentlich-rechtliche Sektor (BayernLB, Sparkassen und LfA) aber erst nach einer Ausfallbürgschaft der privaten Banken von 225 Mill. ? gerade, sagte Schmidt.

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