Bilanz leidet unter negativen Medienberichten
Turbulenzen um MLP hinterlassen Kratzer

Der Finanzdienstleister MLP hat seine Gewinnerwartungen für 2002 drastisch nach unten korrigiert und auch seine mittelfristigen Ertragsziele zurückgenommen.

dpa/HB HEIDELBERG/FRANKFURT. Der Vorsteuergewinn werde in diesem Jahr mit voraussichtlich 100 Millionen Euro deutlich unter den 150 Mill. ? des Vorjahres liegen, prognostizierte Vorstandschef Bernhard Termühlen heute in Frankfurt.

MLP sei von den Medienberichten über angebliche Bilanzmanipulationen "unerwartet heftig getroffen worden". Darunter habe vor allem das Neukundengeschäft gelitten. Termühlen versicherte erneut, die Bilanzen von MLP seien "rechtlich und wirtschaftlich einwandfrei". Durch die Angriffe seien dem Unternehmen direkte Kosten im zweistelligen Millionenbereich entstanden. "Der Imageschaden ist schwer zu messen", sagte Termühlen. "Das, was uns widerfahren ist, wird uns ein bis anderthalb Jahre seitwärts laufen lassen."

Mittel- bis langfristig werde MLP zu jährlichen Wachstumsraten von mehr als 20 % zurückkehren. Im zweiten Quartal gewann der auf Akademiker spezialisierte Finanzkonzern nur 9000 neue Kunden; in vergangnen Jahr waren es durchschnittlich mehr als 20 000 Neukunden. Termühlen geht davon aus, dass das verlangsamte Kundenwachstum auch im zweiten Halbjahr anhalten werde. Derzeit betreut MLP 486 000 Kunden. In den nächsten fünf Jahren soll die Zahl dennoch auf deutlich mehr als eine Million steigen.

Der Überschuss ging im 2. Quartal auf 17,5 Mill. ? zurück gegenüber 21,5 Mill. ? vor Jahresfrist. Beim Umsatz legte der Konzern hingegen um elf Prozent auf 263 Mill. ? zu. Im 1. Halbjahr stieg der Umsatz um 15 % auf 506 Mill. ?, der Nettogewinn lag mit 32,4 Mill. ? ein Prozent unter Vorjahr.

Das jüngste Mitglied in der Börsen-Bundesliga der 30 Dax-Werte hat einen rasanten Kursverfall hinter sich. Seit dem Höchststand von rund 172 ? 2000 war der Wert der MLP-Aktie auf bis zu 8 ? Anfang August abgestürzt. Vor diesem Hintergrund war MLP auch immer wieder als möglicher Abstiegskandidat aus dem Dax ins Gespräch gekommen. Zuletzt hat sich der Kurs allerdings wieder erholt. Heute konnte sich das Papier bis zum Nachmittag mit einem Plus von gut 7 % auf mehr als 15 ? an die Dax-Spitze setzen.

MLP will das in die Kritik geratene Rückversicherungsgeschäft reduzieren. Dazu sollen 85 Mill. ? eingesetzt werden, die MLP aus dem Verkauf der 50-Prozent-Beteiligung an der österreichischen MLP Lebensversicherung erwartet. MLP war unter anderem vorgeworfen worden, über das Rückversicherungsgeschäft Schulden außerhalb der Bilanz aufgebaut zu haben; MLP hatte sich stets damit verteidigt, dass die Finanzierung der Provisionen über Rückversicherer üblich sei - und damit bei den meisten Experten Unterstützung gefunden.

Außerdem tritt MLP nach Worten Termühlens nicht mehr künftige Provisionseinnahmen an andere Gesellschaften ab. Auch dies war in die Kritik geraten. Termühlen betonte jedoch, dass das neue Tarifsystem schon vor der öffentlichen Diskussion eingeführt worden sei.

Termühlen erwartet dennoch offenbar weitere Angriffe gegen das Unternehmen: "Ich rechne damit, dass auch in den nächsten Wochen noch die eine oder andere Sau durchs Unternehmen getrieben wird. Ich bin gestern zum Beispiel in meiner Dienstzeit zum Frisör gegangen."

Termühlen bestätigte erstmals, dass in seinem Büro Abhöreinrichtungen entdeckt worden seien. Auf eine Anzeige habe MLP jedoch verzichtet, um nicht in den Verdacht zu kommen, von dem Vorwürfen gegen das Unternehmen ablenken zu wollen. Termühlen, dem zusammen mit Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger knapp die Hälfte der MLP-Anteile gehören, ging auch auf die wiederholten Gerüchte über eine mögliche Übernahme von MLP durch eine Bank oder Versicherung ein: "Man kann uns nicht in Versuchung bringen."

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