Bilanz-Testat ohne Beanstandungen
MLP bestreitet Bilanz-Tricks

Ein Artikel im Anleger-Magazin "Börse Online" sorgt für Verunsicherungen. Der Finanzdienstleister Marschollek, Lautenschläger und Partner AG (MLP) soll seine Bilanzen geschönt haben. Doch MLP weist die Anschuldigungen entschieden zurück.

dpa FRANKFURT. Der Finanzdienstleister MLP bestreitet Tricksereien in seiner Bilanz 2001 und hält sein Zahlenwerk für rechtlich einwandfrei. "Wir haben unseren testierten Jahresabschluss nach den geltenden Bestimmungen erstellt", sagte Vorstandschef Bernhard Termühlen am Donnerstag in Frankfurt. Zudem gebe es keinen Schuldenberg, keine Rückzahlungsverpflichtung oder ein Zukunftsrisiko. Termühlen bezeichnete einen entsprechenden Bericht des Anlegermagazins "Börse Online" als "schlecht recherchiert" und völlig haltlos.

Das Magazin hatte berichtet, dass MLP mit Hilfe von Tricks seine Bilanz geschönt habe. Dies habe die Gewinne künstlich erhöht und zugleich hohe Schulden außerhalb der Bücher aufgebaut. Die Aktie von MLP brach am Donnerstag zunächst um mehr als 18 Prozent ein und stand am Nachmittag gut zwölf Prozent im Minus bei 52,60 Euro.

"Börse Online" zufolge hat das Heidelberger Unternehmen einen Teil seiner neu abgeschlossenen Versicherungen an Rückversicherer weitergegeben. Mit derartigen Transaktionen ließen sich junge, schnell wachsende Lebensversicherungen die hohen Abschlussprovisionen an ihre Vermittler finanzieren. Im Gegenzug würden sie den Rückversicherungen einen Anteil an den künftigen Prämieneinnahmen abtreten. Nach Ansicht des Anlegermagazins handelt es sich dabei im Grunde um "Darlehen" der Rückversicherer.

"Unsere Form der Provisionsgestaltung ist für die Kunden besser, da von Anfang an Gelder investiert werden", hielt Termühlen den Vorwürfen entgegen. MLP berechne den Kunden nicht sofort die maximal mögliche Provisionssumme, sondern verteile sie über mehrere Jahre. "Die Frage ist vielmehr - welche Absicht steckt hinter den schwerwiegenden und widersprüchlichen Behauptungen von Börse Online", sagte Termühlen.

"Das Ausmaß, mit dem MLP dieses Modell nutzt, ist ungewöhnlich hoch", hatte das Magazin geschrieben. Im Jahresabschluss 2001 seien von dem Konzernergebnis vor Steuern in Höhe von 150,7 Millionen Euro rund 58,8 Millionen Euro aus den Rückversicherungs-Transaktionen gekommen. Durch die Geschäfte müssten sich nach Berechnungen des Magazins nicht ausgewiesene Verpflichtungen gegenüber den Rückversicherern von mehr als 150 Millionen Euro aufgetürmt haben.

Auf die Frage, ob MLP rechtliche Schritte gegen "Börse Online" einleiten werde, antwortete Termühlen, das könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht entscheiden. Der Finanzdienstleister habe bereits "Personen lokalisieren können". Da der Geschäftsabschluss des zurückliegenden Jahres ordnungsgemäß von der Prüfungsgesellschaft Rölfs WP Partner testiert worden sei, erwäge MLP auch keine Sonderprüfung. Dies hatten Aktionärsschützer nach Erscheinen des Magazinberichts gefordert.

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