Bilanz vorgelegt
Daimler-Chrysler erwartet weniger Umsatz

Die Daimler-Chrysler AG rechnet wegen der anhaltend schwachen Autokonjunktur für 2002 nun auch mit einem deutlich sinkenden Umsatz.

rtr SINDELFINGEN. Der größte deutsche Industriekonzern bekräftigte bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Sindelfingen zugleich seine kürzlich deutlich gesenkte Gewinnprognose für das laufende Jahr.

Nach einem Nettoverlust von fast 700 Mill. ? im vergangenen Jahr erwarte das Unternehmen für 2002 jedoch unter dem Strich wieder schwarze Zahlen. Der weltweit fünftgrößte Autohersteller nannte Schwierigkeiten vor allem auf dem US-Markt und die Abkühlung der Konjunktur nach den Anschlägen vom 11. September als Gründe für die Geschäftsentwicklung. Einen detaillierten Ausblick für das laufende Jahr legte das Unternehmen nicht vor.

Der Umsatz werde voraussichtlich um sieben Prozent auf 142 Mrd. ? sinken, sagte Vorstandschef Jürgen Schrempp. "Niemand geht davon aus, dass die signifikante Verschlechterung der Wirtschaftslage spurlos an diesem Haus vorübergehen kann." Wegen des Abschwungs in den USA erwartet der Konzern vor allem bei der US-Tochter Chrysler, die 2001 Milliardenverluste angehäuft hatte, einen Umsatzrückgang. An seinem Ziel, bei Chrysler und dem ebenfalls verlustträchtigen US-Lkw-Hersteller Freightliner in diesem Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen, hielt Daimler-Chrysler fest. Die Strategie des Konzerns sei nach wie vor richtig, sagte Schrempp.

Der um die Sanierungskosten für Chrysler bereinigte Gewinn des Konzerns werde 2002 das Doppelte des Vorjahreswerts von 1,3 Mrd. ? "sehr deutlich" übertreffen, bekräftigte der Konzernchef. Ursprünglich hatte Daimler-Chrysler für 2002 einen operativen Gewinn zwischen 5,5 und 6,5 Mrd. ? erwartet.

Eine genaue Gewinnprognose legte Daimler-Chrysler nicht vor. Wenn jemand verlässlich sagen könne, wie sich die Weltwirtschaft im laufenden Jahr entwickeln werde, wäre er bereit, die Vorhersage zu präzisieren, sagte Schrempp. "Aber das kann niemand." Der Umsatz von Chrysler werde auf 56 (Vorjahr 63,5) Mrd. ? schrumpfen, bei Mercedes und Smart rechnet Daimler-Chryler mit einem Rückgang auf 46 (47,7) Mrd. ?.

Sanierung der US-Töchter im Plan

2001 hatte Chrysler operativ einen Verlust von 2,18 Mrd. ? ausgewiesen, der damit etwas niedriger ausfiel als ursprünglich erwartet. Allerdings mussten zusätzlich rund drei Mrd. ? an Restrukturierungskosten für Chrysler aufgewendet werden. Gleichzeitig seien durch die Fortschritte bei der Sanierung 3,3 Mrd. Dollar gespart worden, 200 Mill. Dollar mehr als angepeilt. "2001 haben wir die Grundlage für die Erfolge in den nächsten Jahren gelegt", sagte Schrempp. Plangemäß verlaufe auch der Umbau der ebenfalls in den USA ansässigen Nutzfahrzeugtochter Freightliner. Nach einem Absatzeinbruch um mehr als ein Drittel im vergangenen Jahr soll sie Ende des Jahres die Gewinnschwelle erreichen.

Auch ohne die Restrukturierungskosten drückten Freightliner und Chrysler den Gewinn von Daimler-Chrysler 2001 deutlich. Der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn fiel auf 1,35 von 5,21 Mrd. ? im Jahr zuvor. Unter dem Strich verbuchte der Konzern sogar 662 Mill. ? Verlust nach einem Gewinn von 7,89 Mrd. ? im Jahr 2000. Der Umsatz sank bereinigt um Firmenzu- und Verkäufe um ein Prozent auf 152,87 Mrd. ?. "Wir sind mit diesem Ergebnis natürlich nicht zufrieden", sagte Schrempp. Die Netto-Eigenkapitalrendite sank auf 2,5 von 7,4 % und entfernte sich weit vom Ziel von 9,5 %.

Schrempp hält auch an Problemsparten fest

In der Nutzfahrzeug-Sparte schrumpfte 2001 der Gewinn ohne Einmaleffekte vor allem wegen der Verluste bei Freightliner auf 51 Mill. ?. Ein Jahr zuvor hatte die Sparte noch 1,253 Mrd. ? verdient. Dagegen verbuchten Mercedes und Smart mit 2,95 Mrd. ? einen Rekordgewinn.

An der Struktur des Konzerns soll sich in diesem Jahr nichts ändern. Im Geschäft mit automobilfremden Finanzdienstleistungen seien keine Desinvestitionen geplant, sagte Schrempp. Auch an der 30-prozentigen Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will Daimler festhalten. Jeder Bereich des Konzerns habe irgendwann Schwierigkeiten gehabt. Wenn jedesmal desinvestiert worden wäre, gäbe es heute nicht den Weltkonzern Daimler-Chrysler, argumentierte er.

Analysten geteilter Meinung über vage Prognose

Unbeantwortet sehen Analysten die Frage, warum DaimlerChrysler den Gewinn langsamer steigern wird als ursprünglich geplant, obwohl Chrysler wie vorgesehen die Gewinnschwelle erreichen soll. "Die Fragen, die ich mir bereits seit zwei Wochen stelle, sind immer noch nicht beantwortet", sagte Analyst Michael Raab von Sal. Oppenheim. Der Daimler-Chef verteidigte die zurückhaltende Aussage und sagte, der Konzern sei angesichts der Unsicherheit über die Konjunktur einer der wenigen, der sich überhaupt Prognosen zutraue. Andere Analysten begrüßten den konservativen Kurs. "Die Prognosen lassen Spielraum nach oben. DaimlerChrysler hat offenbar aus der Fusionszeit gelernt", sagte Georg Stürzer von der HypoVereinsbank.

An der Börse legte der zuletzt unter Druck geratene Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie bis zum Nachmittag um 1,3 % auf 41,29 ? zu. Der europäische DJ-Stoxx-Autoindex lag zum gleichen Zeitpunkt mit 0,25 % im Plus.

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