Bilanzbetrug und Insolvenz
Moorhuhn in der Klemme

Das Moorhuhn-Unternehmen Phenomedia steht vor dem Aus. Zugegebene Bilanzfälschung, ein Insolvenzantrag und möglicherweise verbotener Insiderhandel haben das Moorhuhn und seine Bochumer Väter am Mittwoch in schwere Turbulenzen gebracht.

dpa BOCHUM. Nachdem der frühere Vorstandschef Markus Scheer und Finanzvorstand Björn Denhard Bilanzfälschungen im Wert von 10 Mill. ? gestanden haben, musste die Phenomedia AG auch noch Insolvenzantrag stellen. Dazu droht den Spieleentwicklern eine förmliche Untersuchung der deutschen Wertpapieraufsicht wegen Insiderhandels.

Kurz bevor im April der Vorstand auf Druck des Aufsichtsrats hin den Verdacht von Bilanzmanipulationen und die Entlassung der beiden Vorstände bekannt gab, hatte es auffällig viele Aktienbewegungen gegeben. Der Kurs sank drastisch. Jetzt wird nachgeforscht, ob noch schnell Aktien verkauft wurden, bevor die schlechten Nachrichten veröffentlicht wurden. Am Dienstag war der erneute Absturz der Aktie vorprogrammiert. Nach dem Insolvenzantrag ließ das Moorhuhn am Mittwoch erneut Federn. Die Aktie fiel um fast zwei Drittel ihres Wertes auf 42 Cent. Vor der "Affäre Phenomedia" war das Papier noch rund 14 ? wert.

"Ich gehe aber nach wie vor davon aus, dass das Unternehmen nicht überschuldet ist", sagte Phenomedia-Sprecher Ulf Hausmanns, während in den Geschäftsräumen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter verhandelt wurde. "Es gibt nur eine Phenomedia, die in Deutschland witzige Computerspiele entwickelt", betonte Hausmanns. "Wir haben keine Konkurrenz."

Bestätigt wurde vom Unternehmen, dass die Ehefrau von Ex-Chef Scheer beurlaubt wurde. Sie ist Leiterin des Rechnungswesens bei Phenomedia.

Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum überprüft derzeit die Geständnisse von Scheer und Denhard. "Beide sind sehr kooperativ", sagte Oberstaatsanwalt Norbert Salamon. Sie hätten Luftrechnungen über nicht existente Forderungen in die Buchhaltung eingebracht. Dabei hätten sie betont, nicht selbst durch die Fälschungen profitiert zu haben. Ob die Ermittlungen auf die Ex- Vorstände beschränkt sind, wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

In der Bilanz 2001 wies die Software-Schmiede mit ihren über 100 kreativ Beschäftigten eine Umsatzsteigerung um 58 Prozent auf 25,8 Millionen Euro aus. Das Ergebnis sei mit 1,6 Mill. ? allerdings hinter den Erwartungen zurück geblieben, hieß es am 27. März. Jetzt müssen wohl mindestens 10 Mill. ? Umsatz wieder rausgerechnet werden.

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