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Bilanzexperten kritisieren neue US-Goodwill-Regeln

Unternehmen, die Jahresabschlüsse nach den Regeln der US-GAAP aufstellen, dürfen den Goodwill nicht mehr regelmäßig abschreiben. Stattdessen soll der Bilanzansatz jährlich überprüft (Imparementtest) und wenn notwendig in Form einer Sonderabschreibung korrigiert werden. Dies beschloss das Standard setzende Gremium FSAB.

DÜSSELDORF. Für Unternehmen, deren Rechnungslegung sich an HGB oder IAS ausrichtet, befürchten Experten, dass diese beim Gewinnausweis durch die neue Regelung in einen Wettbewerbsnachteil geraten können.

Analysten schauen, so kritisiert etwa Betriebswirtschaftsprofessor Bernhard Pellens von der Uni Bochum, nicht etwa auf den Cash-Flow, der sich nicht verändern würde, sondern primär auf Gewinnkennzahlen wie zum Beispiel den Gewinn je Aktie, der sich bei einem Wegfall der Goodwill-Abschreibungen bei nach US-GAAP bilanzierenden Unternehmen dramatisch nach oben bewegt.

Ein Goodwill entsteht, wenn der Kaufpreis einer Beteiligung über ihrem Markt- bzw. Substanzwert liegt (Beispiel: Kaufpreis 100, Substanzwert 30, ergibt einen Goodwill von 70). Da Goodwill-Abschreibungen als Aufwand in die Gewinn- und Verlustrechnung eingehen, belasten sie das Ergebnis. Umgekehrt führt der Wegfall zu einem Gewinnanstieg. Dies bedeutet, dass bei Unternehmen mit hohen Goodwill-Posten in der Bilanz (Beispiele: Deutsche Telekom, Vodafone, Fresenius Medical) bei einer Umstellung auf die US-Standards entsprechende Aufwendungen in Milliardenhöhe wegfallen und unter dem Strich der Gewinn entsprechend explodieren würde.

Zu dem veränderten Gewinnausweis kommt nach Auffassung Pellens noch hinzu, dass der geforderte jährliche Imparementtest "sehr aufwendig ist und für bilanzpolitische Zwecke genutzt werden kann".

Hans Havermann, Präsident des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committees (DRSC), sieht ein weiteres Problem in den Vorschriften der 4. und 7. EG-Richtlinie. Diese sehen eine planmäßige Abschreibung des Goodwills vor. Nach § 292a HGB dürfen Unternehmen aber nur einen Abschluss nach internationalen Normen stellen (IAS, US-GAAP), wenn er im Einklang mit den entsprechenden EG-Richtlinien steht. Hier stelle sich, so Havermann weiter, die Frage, "ob dieser Einklang noch gegeben ist, wenn nicht mehr abgeschrieben wird".

Auch Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes, ist strikt gegen eine Übernahmen der neuen US-Regelung. "Die Konzeption geht von der zweifelhaften Annahme aus, dass der Goodwill kein abnutzbarer Vermögenswert ist. Sie wirft schwierige Fragen der Umsetzung auf, erschwert die Bilanzierung, die Bilanzanalyse und die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen."

Ungeachtet der Expertenschelte wird beim IASB, dem Standard setzenden Gremium für die IAS, eine mögliche Übernahme der US-Standards geprüft. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Der deutsche Vertreter im IASB, Hans-Georg Bruns, jedenfalls plädiert für die neue Imparementabschreibung. Er kritisiert die Regelabschreibung: "Die Nutzungsdauer des Goodwills ist auf Grund seines heterogenen Charakters nicht bestimmbar. Die planmäßige Zuordnung von Aufwendungen ist somit wirtschaftlich nicht begründet und stellt eine reine Willkür dar."

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