Bilanzfälschungen
Justiz fordert Haft für Trichet

Der Staatsanwalt sieht eine Mittäterschaft des französischen Notenbankchefs im Skandal um Crédit Lyonnais. Damit sinken seine Chancen auf den Chefsessel der EZB.

abo PARIS. Frankreichs Notenbankchef Jean-Claude Trichet, droht eine Verurteilung im Crédit-Lyonnais-Prozess - und damit das Aus für seine Pläne, im Juli Nachfolger von EZB-Präsident Wim Duisenberg zu werden. Im Prozess um Bilanzfälschungen bei der ehemaligen staatlichen Bank vor zehn Jahren forderte Staatsanwalt Jean-Pierre Bernard gestern in Paris, Trichet wegen Mittäterschaft zu mindestens zehn Monaten Gefängnis mit Bewährung zu verurteilen. "Wir haben es schließlich nicht mit Amateuren oder Anfängern zu tun", sagte Bernard. Trichet leitete damals das französische Schatzamt und war Vertreter des Aktionärs Staat bei dem Crédit Lyonnais. Die Ergebnisrechnung der Bank sei "wirtschaftlich und buchhalterisch unredlich" gewesen, sagte Bernard. Niemand könne behaupten, das Schatzamt habe davon nichts gewusst und keine Anhaltspunkte dafür gehabt, wie die Bilanzen aufgestellt wurden. Die Vorwürfe gegen Trichet nannte Bernhard "vollständig begründet".

Die Plädoyers der Verteidigung folgen vom 10. bis zum 12. Februar. Ein Urteil ist nicht vor April zu erwarten. In Notenbankkreisen sowie in den Regierungen mehrerer Euro-Länder gilt die absolute Untadeligkeit als notwendige Voraussetzung für den Posten des Chefs der Europäischen Zentralbank. Trichet braucht also einen glatten Freispruch. "Trichet kann nur Kandidat sein, wenn klargestellt ist, dass es keine kriminellen Handlungen in der Vergangenheit gab", sagte etwa Österreichs Finanzminister Karl- Heinz Grasser. "Über den Ruf Trichets muss absolute Klarheit herrschen."

Dass überraschende Plädoyer der Staatsanwaltschaft erhöht jetzt wieder die Chancen des früheren EZB-Vizepräsidenten Christian Noyer, Duisenbergs Nachfolger zu werden. Der Franzose hat die geforderte Notenbankerfahrung und wird schon lange als schärfster Konkurrent Trichets gehandelt.

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