Bilanzierung der Telekom-Immobilien
Telekom: Kein "Kuhhandel" mit Justiz wegen Immobilien

Die Deutsche Telekom AG, Bonn, hat Berichte über Absprachen mit der Justiz in Zusammenhang mit der umstrittenen Bewertung ihres Immobilienbestandes zurückgewiesen.

vwd DÜSSELDORF. "Es gibt keinen Kuhhandel zwischen der Telekom und der Bonner Staatsanwaltschaft", sagte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch zu vwd. Im Auftrag der Telekom erstellte Gutachten zur Bewertungsfrage seien in keiner Form auf Grund staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen zustande gekommen. Das Magazin "Capital" hatte gemeldet, einer der Gutachter habe der Telekom in einem vertraulichen Schreiben eine "demonstrative Friedengeste gegenüber den Staatsanwälten" empfohlen.

Die Ermittler prüfen seit vergangenem Jahr auf Anzeige des Würzburger Wirtschaftsprofessors Ekkehard Wenger, ob die Telekom ihre Immobilien zu Buchwerten korrekt bilanziert hatte. Der Vorwurf lautet, die Liegenschaften stünden seit Jahren zu hoch in den Büchern. Die Ermittlungen richten sich gegen den früheren Telekom-Finanzvorstand Joachim Kröske. Die Telekom hat dem Sprecher zufolge zwei Gutachten zu dem Komplex erstellen lassen. Eines von der Immobilienfirma Jones Lang Lasalle hatte sich der Frage der Bewertung bei vorgesehener Nutzungsänderung, also dem jetzt offensiv geplanten Verkauf der Liegenschaften, gewidmet und die Notwendigkeit der Abwertung um zwei Mrd Euro konstatiert, welche die Telekom unlängst begleitet von massiver öffentlicher Kritik verkündet hatte.

Ein zweites Gutachten der Kanzlei Küting und Weber ist dem Sprecher zufolge der Frage nachgegangen, inwieweit vom bilanztechnischen Ansatz her korrekt verfahren wurde. In Bezug auf diese Expertise meldete "Capital", Bilanzexperte Karlheinz Küting habe der Telekom geraten, den von Lasalle ermittelten Korrekturbedarf rückwirkend für 2000 vorzunehmen. Er befürchte einen "eklatanten methodischen Fehler", falls die von Lasalle genutzte Bewertung anhand von Bodenrichtwerten zur "alleinigen Basis" künftiger Schätzungen werde.

In einem Schreiben empfehle Küting, die Abwertung sofort mit dem Abschlussprüfer abzusprechen, "bevor das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht wird". Daraus schlussfolgert das Magazin, die offizielle Begründung der Telekom, die Neubewertung der Immmobilien sei vorrangig nötig gewesen, um sie schneller verkaufen zu können, beschönige die Lage. Zu Kröskes Vorgehen schreibe Küting, dieses sei trotz Zweifeln als zulässig anzuerkennen, wenngleich "bessere Verfahren vorstellbar" seien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%