Bilanzierungs-Skandal
Börsenaufsicht untersucht Vivendi-Berichte

Die französische Börsenaufsicht COP hat am Dienstag eine Prüfung der Bilanzen bei Vivendi Universal eingeleitet. Am selben Tag hieß es aus verhandlungsnahen Kreisen, der mit Liquiditätsproblemen kämpfende Medienkonzern habe sich mit Banken über einen vorläufigen Kredit von einer Milliarde Euro geeinigt.

Reuters PARIS. Die COB teilte in Paris mit, ihre Mitarbeiter hätten mit der Prüfung der Bücher von Vivendi ab Januar 2001 begonnen. Die Tageszeitung "Le Monde" hatte Anfang Juli unter Berufung auf vertrauliche Informationen von französischen Regulierungsbehörden berichtet, Vivendi habe versucht, die Bilanz 2001 um 1,5 Milliarden Euro zu verschönern. Die französische Börsenaufsicht COB hatte damals den Bericht insofern bestätigt, als dass sie gegen die zunächst von Vivendi geplante Bilanzierung des Verkaufs eines BSkyB-Anteils interveniert hatte. Vivendi selbst hatte mitgeteilt, sich beim Verkauf eines Aktienanteils des britischen Fernsehsenders BSkyB strikt an die Bilanzierungsregeln gehalten zu haben.

Der vorläufige Kredit über eine Milliarde Euro wird nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen von den Banken BNP Paribas, Societe Generale , Deutsche Bank , Credit Lyonnais , Citigroup und CSFB gewährt. "Der endgültige Betrag wird beschlossen, wenn das Management eine klarere Vorstellung über seine strategischen Pläne bekannt gibt", hieß es in den Kreisen. Früheren Angaben aus den Kreisen zufolge benötigt Vivendi zwei bis drei Milliarden Euro, um seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten nachkommen zu können. In der vergangenen Woche hatte Vivendi mitgeteilt, über 1,8 Milliarden Euro Bargeld und freie Kreditlinien über 600 Millionen Euro zu verfügen.

Demgegenüber würden im Juli Zahlungen in der Höhe von 1,8 Milliarden Dollar fällig, hatte es geheißen. Der aktuelle Schuldenberg des Unternehmens belief sich den damaligen Angaben zufolge auf rund 19 Milliarden Euro. Vivendi hatte betont, dass sich die Vermögenswerte des Konzerns höher als seine Schulden beliefen.

Der Verwaltungsrat von Vivendi hatte Anfang Juli nach einem Kurssturz der Aktie und Verschärfung der Liquiditätsprobleme den damaligen Unternehmenschef Jean-Marie Messier abgelöst und zum neuen Firmenchef den mit Unternehmenssanierung erfahrenen Manager Jean-Rene Fourtou ernannt.

Die Vivendi-Aktie hatte sich nach dieser Entscheidung erholt. Am Dienstag stieg der Vivendi-Aktienkurs an der Pariser Börse in einem schwachen Gesamtmarkt um 1,72 Prozent auf 18,31 Euro.

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