Bilanzkontrolleure
Enron-Skandal: Härtere Strafen für Prüfer gefordert

Nach dem Enron-Skandal werden die Forderungen nach einer schärferen Kontrolle der Wirtschaftsprüfer lauter. Wie diese aussehen soll, darüber sind sich die Experten aber nicht einig. Ein Teil von ihnen fordert direkte Sanktionsmöglichkeiten nach dem Vorbild der US-Börsenaufsicht SEC.

DÜSSELDORF. Der Skandal um gefälschten Bilanzen beim US-Energiekonzern Enron wird nicht nur bei der Prüfungsgesellschaft Andersen arge Blessuren hinterlassen. Auch der Druck auf die deutschen Wirtschaftsprüfer verstärkt sich. Sie sollen enger an die Kandare genommen werden, fordern Experten wie Karlheinz Küting, Chef des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes, und der Würzburger Betriebswirtschaftler Hansrudi Lenz .

Auch große deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind inzwischen der Ansicht, das mehr Kontrolle notwendig ist. "Es geht um unsere Glaubwürdigkeit. Unser Berufsstand ist ohne Glaubwürdigkeit gar nichts", sagt Christian Dyckerhoff, Vorstandssprecher der Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand Aktiengesellschaft. Mit Enron sei zu einer Reihe von unrühmlichen Fällen "ein neuer gewaltiger Skandal" hinzugekommen. "Da muss man einfach reagieren".

Auch Rolf Windmöller, Vorstandssprecher der PwC Deutsche Revision Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hält eine Kontrollinstanz für notwendig. Ob es viel helfen werde, sei allerdings fraglich. "Wir werden diese Entwicklung zu mehr Kontrolle aber nicht aufhalten können". Wenn es sich schon nicht vermeiden lasse, dann sollten "vernünftige Überwachungsfunktionen" her, etwa nach britischem Muster.

Der renommierte Bilanzexperte Küting fordert dagegen eine Prüfungsinstanz für Wirtschaftsprüfer, die der US-Börsenaufsicht SEC ähnelt. "Diese Institution muss berufsunabhängig sein und über Sanktionen verfügen, die wirklich auch ans Eingemachte gehen", sagte er dem Handelsblatt. Auch Lenz plädiert für einen übergeordneten Prüfer in Form einer staatlichen Institution.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat in Sachen Kontrolle bereits etwas unternommen. Vor dem Hintergrund des Enron-Skandals kündigte sie vergangenen Donnerstag an, die Kontrollen für Wirtschaftsprüfer zu verschärfen.

Unterschiedliche Vorstellungen von Kontrollinstanz

In Deutschland wird die Frage nach einer entsprechenden Kontrollinstanz bereits seit längerer Zeit diskutiert. Allerdings sind die Meinungen, wie eine solche Kontrollinstanz aussehen soll, unterschiedlich. So schlägt das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) ein so genanntes Review Panel nach britischem Muster vor. Es besteht aus einer Kommission, die mit Experten aus Wissenschaft und Praxis besetzt ist. Tätig werden soll das Panel auf "begründeten Antrag" von jedermann oder infolge einer öffentlichen Spekulation über Fehler in einem Abschluss. Wenn Mängel festgestellt werden, fordert die Kommission das betroffene Unternehmen zur Änderung des Abschlusses auf und kann eine Änderung auch gerichtlich erzwingen. Die Ergebnisse werden veröffentlicht. Dieses Modell zieht auch die Regierungskommission Corporate Governace vor.

Für den Bilanzexperten Küting ist so eine Regelung nicht schlagkräftig genug: "Die Sanktionen müssen schnell erfolgen, und sie müssen weh tun". Erfolgversprechend agieren könne nur eine Institution, die mit Kompetenzen ausgestattet sei, die mit denen der SEC vergleichbar seien. Die US-Börsenaufsicht hat weit reichende Befugnisse für die Verfolgung von Verstößen und die zivilrechtliche Bestrafung der Täter.

IDW-Chef Klaus-Peter Naumann macht sich für ein Review Panel nach britischem Vorbild stark, da es eine präventivere Wirkung habe und damit die Jahres- und Konzernabschlüsse tendenziell von vornherein ordnungsgemäß seien. Küting hält dagegen. "Wir brauchen eine Kontrollinstanz wie die SEC. Das Review Panel ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, geht aber nicht weit genug."

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