Bilanzpressekonferenz am Donnerstag
MAN braucht neue Phantasie

Die Aktionäre von MAN hatten zuletzt wenig Grund zur Freude. Die Konjunkturflaute traf den letzten echten deutschen Mischkonzern hart. Anleger erhoffen sich nun von Beteiligungsverkäufen neue Kursphantasie.

DÜSSELDORF. Die normalerweise gewinnbringende Nutzfahrzeugsparte machte wegen der britischen Tochter ERF 49 Mill. Euro Verlust. Bereits im vergangenen Sommer war überraschend bekannt geworden, dass der traditionsreiche LKW-Bauer von der Insel seine Bilanz gefälscht hatte.

Auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch wird sich MAN-Chef Rudolf Rupprecht besonders Fragen zur künftigen Unternehmensausrichtung gefallen lassen müssen: "Interessant dürften Aussagen zur Strategie werden", sagt Erhard Schmitt, Analyst bei Helaba Trust. Es gebe Spekulationen, dass MAN Teile aus dem Maschinen- und Anlagenbau abspalten und so die anderen Geschäftsbereiche stärken wolle. In Frage käme etwa die SMS AG. Das Unternehmen ist in der Hütten- und Walzwerkstechnik tätig und erzielt im laufenden Jahr schwach positive Margen. Im vergangenen Jahr gab es in diesem Bereich erstmals einen Verlust. Auch die Unternehmen MAN Technologie AG, die unter anderem Systeme für die Ariane-Raketen herstellt, oder die Schwäbische Hüttenwerke GmbH seien Kandidaten für einen Verkauf.

Beteiligungsverkäufe wären gut für den Aktienkurs

Sollte es Aussagen zur Portfoliobereinigung geben, wäre dies positiv für den Kurs der Aktie, meint Schmitt. Dies sorge für Kursphantasie, nicht zuletzt wegen Befürchtungen, dass die steuerliche Freistellung von Beteiligungsverkäufen nach der Bundestagswahl wieder kippen könnte. Schmitt sieht die Aktie als "Kauf" und ein Kure von deutlich über 30 Euro. Auch Analyst Uwe Jech von der Bankgesellschaft Berlin sieht die Aktie zwischen 30 und 31 Euro als fair bewertet an. Dass der Titel momentan relativ schwach notiert, begründet er mit dem schwachen Marktumfeld, dem steigenden Ölpreis und den Tarifverhandlungen der IG Metall. "Diese drei Faktoren drücken auf den Kurs", sagt er.

"Mit dem größtenteils bereits umgesetzten Personalabbau wird MAN aber Einsparpotenziale von 300 Mill. Euro teilweise schon in 2002 ernten können", sagt Frank Wischmann, Analyst beim Bankhaus Metzler. Die von MAN prognostizierte zweistellige Ergebnissteigerung in 2002 werde daher deutlich ausfallen. Wischmann rechnet mit einer Steigerung des Vorsteuerergebnisses um über 50 %. Bei ERF sei die Bilanz bereinigt und die Produktion in Großbritannien inzwischen stillgelegt. "Es gibt nur noch 50 Mitarbeiter, die spezielle Kundenwünsche bei den LKWs bearbeiten. So verbleibt lediglich das Risiko, dass die auf der Burmingham Motorshow Ende April vorgestellte LKW-Serie bei den Kunden schlecht ankommt", sagt Wischmann. Er stuft die Aktie als "Kauf" ein und sieht bei einem Kursziel von 33 Euro ein Aufwärtspotenzial von 20 %.

Krista Kepler, Analystin bei Merck Finck & Co ist zurückhaltender und empfiehlt, das Papier zu halten: "Wir sehen momentan keinen Grund, die MAN-Aktie zu kaufen". Es sei noch nicht absehbar, ob das Unternehmen seine Prognosen erfüllen könne.

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