Bilanzpressekonferenz
Holzmann trotz überplanmäßigen Verlusten optimistisch

Die nur knapp dem Zusammenbruch entgangene Philipp Holzmann AG hat im ersten Halbjahr 2000 schlechter abgeschnitten als erwartet

Reuters FRANKFURT. Die nur knapp dem Zusammenbruch entgangene Philipp hat im ersten Halbjahr 2000 schlechter abgeschnitten als erwartet, sich für das Gesamtjahr aber weiter optimistisch gezeigt. Er sei mit dem bisher Erreichten noch nicht zufrieden, sagte Vorstandschef Konrad Hinrichs am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. So sei im Halbjahr der Fehlbetrag im operativen Geschäft um 54 Mill. DM höher ausgefallen als geplant. Die Gesamthöhe wollte Hinrichs aber nicht nennen. Insgesamt befinde sich Holzmann jedoch auf dem richtigen Kurs, im Monat Juni sei erstmals ein positives Ergebnis erzielt worden. Konzernleistung und Auftragseingang hätten im Halbjahr zugelegt.

Hinrichs zufolge haben die in dem Sanierungsplan für Holzmann vorgesehenen Restrukturierungsmaßnahmen noch nicht voll gegriffen. Dies betreffe unter anderem Tochtergesellschaften, deren Schwäche nicht in vollem Umfang erkannt worden sei. In einigen Bereichen hätten tiefere Einschnitte vorgenommen werden müssen. Ebenfalls bisher nicht ganz nach Plan verlaufen sei der Verkauf von Grundstücken. Auch im Auslandsgeschäft seien die Vorgaben des Businessplans leicht unterschritten worden. Insgesamt handele es sich zwar nur um "marginale Rückschläge".

Dennoch werde Holzmann das Tempo bei der Restrukturierung in den kommenden Monaten erhöhen und zusätzliche Maßnahmen ergreifen, sagte Hinrichs. Er verwies zugleich darauf, dass die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Hilfsmittel über rund 275 Mill. DM noch nicht bereitgestellt worden seien. Im Plan liege dagegen der Stellenabbau, der sich in den ersten sechs Monaten auf knapp 3800 Mitarbeiter zuzüglich weiterer 1600 Beschäftigter bei verkauften Beteiligungen belaufen habe.

Trotz des bisherigen Zurückbleibens hinter den Planzahlen hält Hinrichs weiter an dem Ziel fest, im Gesamtjahr einen Konzernüberschuss von 52 Mill. DM zu erwirtschaften. Allerdings werde dieser Betrag in voller Höhe aus dem Ausland kommen, im Inland strebe Holzmann ein "Null"-Ergebnis" an. In den ersten sechs Monaten sei die Konzernleistung um acht Prozent auf sechs Mrd. DM gestiegen. Die Auftragseingänge hätten um zwei Prozent auf 6,7 Mrd. DM und der Auftragsbestand um acht Prozent auf 14,5 Mrd. DM zugelegt.

Diese Zuwachsraten erzielte Holzmann den Angaben zufolge jedoch in allen drei Fällen ausschließlich im Ausland, vor allem in den USA. Die Geschäfte in Deutschland waren rückläufig. Mit Blick auf das Halbjahresergebnis ließ Hinrichs nur durchblicken, dass mit einem Verlust gerechnet worden sei, der jedoch um 54 Mill. DM höher ausgefallen sei.

Hinrichs bestätigte auch, dass im Krisenjahr 1999 im Konzern ein Verlust von 2,71 Mrd. DM angefallen sei, den er nunmehr als endgültig ansehe. 616 Mill. DM des Fehlbetrages stammten aus dem operativen Geschäft, sagte der Vorstandschef. Ein Loch von weiteren rund 1,5 Mrd. DM in die Bücher gerissen hätten Risiken aus der Vergangenheit wie etwa die Abwertung von Buchwerten und eine Neueinschätzung von Mietgarantien. Hinzu gekommen seien Restrukturierungs- und Einmalaufwendungen.

Der seit Dezember 1999 amtierende Hinrichs rollte auch nochmals die in der Vergangenheit bei Holzmann gemachten Fehler auf. So habe der Konzern in den vergangenen Jahren um jeden Preis wachsen wollen. Bei dieser Steigerung der Volumen seien jedoch die Ergebnisse nicht mitgekommen. Zu riskant sei auch der Einstieg in das Projektentwicklungs- und-Betreibergeschäft gewesen. Auch sei ein nur schwer überschaubares Konglomerat aus Beteiligungen im In- und Ausland aufgebaut worden. Einige Tochtergesellschaften hätten hohe Verluste eingefahren. Dem Aufsichtsrat treffe bei der Misere keine Schuld, sagte Hinrichs. So sei dem Gremium vom Vorstand stets versichert worden, dass alle Risiken unter Kontrolle und gesichert seien.

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