Bilanzvorlage Ende des Monats
Akquisitionen und Konjunkturflaute verhageln G+J-Ergebnis

Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr AG (G+J) musste im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 30. Juni) einen spürbaren Ertragsrückgang hinnehmen. Die erste vom neuen Vorstandsvorsitzenden Bernd Kundrun zu verantwortende Bilanz ist nach Informationen des Branchendienstes "Der Kontakter" weitaus schlechter ausgefallen als vermutet. Laut Kontakter setzte der Verlag rund 6 Mrd. DM um, "das Ergebnis" lag bei 185 Mill. DM.

pos DÜSSELDORF. Der Kontakter bezieht sich auf eine interne Hochrechnung bei G+J. Im Geschäftsjahr 99/00 erzielte G+J bei einem Umsatz von 5,77 Mrd. DM ein Ergebnis von 751 Mill. DM (Ebit, Ergebnis vor Steuern und Zinsen).

"Wir werden die Zahlen des Geschäftsjahres am 30.08.2001 präsentieren. Vorher nehmen wir im einzelnen zu Zahlen grundsätzlich keine Stellung", sagte G+J-Sprecher Kurt Otto auf Anfrage. Allerdings, so Otto weiter, könne man sagen, dass man die vom Kontakter veröffentlichten Zahlen, "beim besten Willen nicht nachvollziehen" könne. Insbesondere das "allgemein bezeichnete ?Ergebnis? von 185 Mill. DM" ist laut Otto "Unfug".

Deutlich geringeres Ergebnis erwartet

Beobachter erwarten seit längerem einen Ergebnisrückgang für das Geschäftsjahr 2000/2001 bei G+J, allgemein wird in Branchenkreisen mit einer Halbierung des Ebit gerechnet. Zum einen belastet die Schwäche bei Internet-Engagements (G+J-Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr laut Kontakter rund 200 Mill. DM) das Ergebnis. Zudem ist G+J von der branchenweiten Anzeigenflaute im Print-Geschäft massiv betroffen.

Auch Akquisitionen machen zu schaffen: Auf der Höhe des New Economy-Booms etwa übernahm der Verlag noch der US-Wirtschaftstitel "Fast Company" für umgerechnet rund 700 Mill. DM. New Economy-Magazine stecken heute weltweit in der Krise; der US-Statthalter der Magazine, David Carey, verließ das Unternehmen im Streit.

In der Hamburger G+J-Zentrale herrscht jetzt hektische Betriebsamkeit, um wenigstens das Deutschland-Geschäft wieder flott zu bekommen: In weniger als zwei Wochen wurden vier Chefredakteure ausgewechselt, um bei einbrechenden Auflagen das Ruder herum zu reißen. Der Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Martin E. Süskind, musste dem Schwaben Uwe Vorkötter, seit 1995 Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung", weichen. Laut Kontakter droht dem Berliner Verlag nun eine Entlassungswelle. Chefredakteur Ralf-Dieter Brunowski wurde beim Wirtschaftstitel "Capital" ausgewechselt. Die Auflage war im Zuge der Börsenflaute allein im 2. Quartal 2001 um 11,8 % auf 234 000 gesunken. Auch "Gala"-Chef Jörg Walberer und "TV Today"-Chefredakteur Karsten Flohr mussten gehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%