Bilanzvorstellung
Gerling sucht Partner für Rückversicherung

Kölner Versicherungskonzern will Rücksparte aber weiter kontrollieren. Ernste Schieflage des Traditionsunternehmens kostete 700 Millionen Euro.

ali/rl KÖLN. Der Kölner Gerling-Konzern, nach der Allianz wichtigster Industrieversicherer in Deutschland, sucht für seine angeschlagene Rückversicherungsgruppe einen strategischen Partner. Das gab Konzernchef Heinrich Focke am Mittwochabend bei der Bilanzvorstellung in Köln bekannt. Auf Grund der Probleme in der Rückversicherung (Verlust: 583 Mill. Euro) schloss der Gesamtkonzern das Jahr 2001 mit einem Minus von 563 Mill Euro ab. Die beiden Aktionäre Rolf Gerling (65,5 %) und Deutsche Bank (34,5 %) mussten insgesamt über 700 Mill. Euro nachschießen, um eine ernste Schieflage des Traditionsunternehmens abzuwenden. Auf Druck der Deutschen Bank wird nun seit Anfang des Jahres ein neuer Großaktionär für den Gerling-Konzern gesucht.

"Der Konzern soll nicht zerschlagen werden", beteuert Gerling-Chef Heinrich Focke. Dem gegenüber heißt es aus Finanzkreisen, dass die Deutsche Bank sich alle Optionen offen halten will, also einen Teilverkauf etwa des Rückversicherungsgeschäfts nicht ausschließt. Die Deutsche Bank wollte zu dem Komplex keine Stellung nehmen.

Ohne eine schnelle Lösung des Rückversicherungsproblems dürfte sich indes kein neuer Großaktionär finden. Focke: "Derzeit ist keiner in Sicht, der einen Konzern mit einem so exponierten Anteil in der Rückversicherung haben will."

Während der Gerling-Chef gleich mehrfach betonte, dass er bei der Aktionärssuche nicht unter Zeitdruck stünde, drängt ihn die Zeit um so mehr bei der Suche nach dem Partner für die Rückversicherung. Der Grund: In dieser Branche beginnt die neue Saison regelmäßig im September. Dann wird das schwere Geschäft mit der Versicherung der Versicherungsgesellschaften weltweit verteilt. Und die Konditionen waren selten so günstig wie heute - eine Gelegenheit, welche die Kölner sich nicht entgehen lassen dürfen. Um die Wachstumschancen zu nutzen, fehlt ihnen aber das nötige Eigenkapital. Und Rückversicherungskunden achten extrem auf gute Bonität, also eine starke Kapitalbasis.

Gerling stellt sich die Lösung seines Kapitalproblems in der Rückversicherung wie eine Art Darlehen vor: Ein Investor gibt die nötigen Mittel und bekommt im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung an der Rückversicherungsgruppe. Zusätzlich erhält der Kapitalgeber die Möglichkeit, mit Gerling Rück ins Geschäft zu kommen: Demzufolge soll sich Gerling Rück langfristig bei seinem Kapitalgeber Versicherungsschutz einkaufen (die so genannte Retrozession). Die Preise dafür sind nach dem 11. September extrem angestiegen. Auf diese Weise könnte der Investor doppelt verdienen: Am Gewinn-Anteil aus dem Geschäft der Gerling Rück mit seinen Kunden und zusätzlich aus dem direkten Geschäft mit Gerling Rück.

Derzeit ist die Rück-Sparte vor allem bei der Swiss Re und der Münchener Rück sowie General-Cologne Re abgesichert. Zu den Plänen wollte sich keiner der drei konkret äußern. In Rückversicherungskreisen wird aber bezweifelt, dass diese Rechnung aufgeht. "Ohne die Kontrolle übernehmen zu können, dürfte sich kaum ein Wettbewerber für eine Beteiligung interessieren", sagte ein Rückversicherer.

"Wir haben ein Problem in der Rückversicherung, nicht in der Erstversicherung", fasste Gerling-Chef Focke die Lage des Hauses für 2001 zusammen. Die Prämieneinahmen stiegen insgesamt um 10 % auf 10,3 Mrd. Euro. Der Verlust nach Steuern und erneutem Zuschuss von Rolf Gerling von 102 Mill. Euro beläuft sich auf 563 Mill. Euro (Vj.: 169 Mill. Euro Gewinn). Verantwortlich für den Verlust ist das Rückversicherungsgeschäft, dass vor allem in den USA miserabel lief. Ursachen sind neben dem Schaden am World Trade Center (205 Mill. Euro nach Steuern) schadenlastige Altverträge vor allem des 1998 erworbenen US-Rückversicherers Constitution Re. "Der Kauf der Constitution Re war ein Fehler", sagte Focke. Bereits in diesem Jahr soll die Rück-Sparte aber wieder profitabel arbeiten.

Dank frühzeitiger Sanierung des Industriegeschäfts schloss dieses Segment 2001 mit einem Gewinn von 9 Mill. Euro ab (Vj.: minus 28 Mill. Euro). Das Firmen-/Privatkundengeschäft hat aus 880 Mill. Euro Umsatz einen Gewinn von 27 Mill. Euro (54 Mill. Euro) erwirtschaftet. Bei der Lebensversicherung stiegen die Beiträge um 1,9 % auf 1,8 Mrd. Euro, der Gewinn nach Steuern verringerte sich wegen der schwachen Kapitalmärkte von 72 auf 37 Mill. Euro. Die Kreditversicherungssparte litt unter der Rekordzahl von Insolvenzen und rutschte in die roten Zahlen: 2 Mill. Euro Verlust nach 40 Mill. Euro Gewinn im Jahr zuvor. Das Beitragsvolumen stieg um 11 % auf 654 Mill. Euro. Eine konkrete Konzern-Prognose für das Jahr 2002 wollten die Vorstände nicht wagen.

Quelle: Handelsblatt

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