Bilaterale Gespräche gewünscht
Indien stellt Bedingungen für Gespräche mit Pakistan

Der indische Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee hat am Mittwoch ein Ende des "grenzüberschreitenden Terrorismus" zur Bedingung für Gespräche mit Pakistan über den Kaschmir-Konflikt gemacht.

rtr ALMATY. "Wir wollen alle Fragen durch bilaterale Gespräche lösen, auch das Thema Kaschmir", sagte Vajpayee im kasachischen Almaty, wo er an einer Sicherheitskonferenz asiatischer Staaten teilgenommen hatte. "Aber solange der Terrorismus weiter geht, gibt es kein günstiges Klima für einen Dialog." Indien wirft Pakistan vor, moslemische Separatisten zu unterstützen, die den Bundesstaat Jammu und Kaschmir von Indien abspalten wollen. Die Spannungen zwischen Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, haben sich seit Dezember verschärft. Eine Lösung des Konflikts wurde trotz russischer Vermittlung bei der Konferenz in Almaty nicht erzielt.

Pakistans Präsident General Pervez Musharraf hatte erklärt, Pakistan werde es nicht erlauben, dass sein Territorium für Terrorakte innerhalb und außerhalb seiner Grenzen genutzt werde. Indiens Vorwurf, das überwiegend moslemische Pakistan unterstütze die Separatisten, wies Musharraf zurück.

Nun müsse geprüft werden, ob Pakistan seine Versprechen erfülle, sagte Vajpayee. Pakistan müsse das Einsickern von Extremisten über die Waffenstillstandslinie, die Kaschmir zwischen Indien und Pakistan teilt, unterbinden. "Lager von Terroristen" auf pakistanischer Seite müssten aufgegeben werden. "Dann können wir über andere Schritte nachdenken."

Vajpayee erwägt gemeinsame Patroullen in Kaschmir

Er lehne gemeinsame Patrouillen mit Pakistan an der Grenze in Kaschmir nicht ab, sollte Pakistan seine Versprechen erfüllt haben, fuhr Vajpayee fort. "Wenn Pakistan sich entscheidet, die Infiltration nicht zu unterstützen, können beide Länder einen Mechanismus für gemeinsame Grenzpatrouillen ausarbeiten." Darüber sei in der Vergangenheit gesprochen worden. Bei der Sicherheitskonferenz, an der Staats- und Regierungschefs von 16 Staaten teilnahmen, war es zu keinem direkten Treffen zwischen Vajpayee und Musharraf gekommen. Musharraf und der russische Präsident Wladimir Putin reisten bereits am Dienstag aus Almaty ab. "Nein, ich habe ihn (Vajpayee) nicht getroffen", sagte Musharraf. "Und, nein, ich habe ihm nicht die Hand geschüttelt."

Indien und Pakistan haben eine Million Soldaten an ihrer Grenze zusammengezogen. Auslöser für die Eskalation der Lage waren Anschläge vermutlich moslemischer Extremisten auf das indische Bundesparlament im Dezember und auf ein Militärlager im indischen Teil Kaschmirs im Mai mit Dutzenden Toten. Seit Wochen kommt es an der Grenze immer wieder zu Gefechten zwischen Soldaten beider Länder. Auch in der Nacht zu Mittwoch beschossen sich die Truppen nach indischen Angaben mit Maschinengewehren und sporadisch auch mit Granatenwerfern. Auf indischer Seite habe es keine Verletzten oder Schäden gegeben. Nach pakistanischen Angaben wurden am Morgen bei Sialkot an der Grenze zwischen der pakistanischen Provinz Punjab und dem indischen Jammu und Kaschmir zwei Menschen verletzt worden.

Zu Indien gehören 45 % der Himalaya-Region Kaschmir, rund ein Drittel zu Pakistan. Der Rest steht unter chinesischer Herrschaft. Indien und Pakistan haben bereits zwei Mal um die Region Krieg geführt.

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