"Bild als Einpackpapier geeignet"
Beschwerden gegen „Bild“ wegen Meilen abgewiesen

Der "Bild"-Zeitung ist nach Einschätzung des Deutschen Presserats in der Berichterstattung zur Bonusmeilen-Affäre kein Vorwurf zu machen. Rot-Grün hatte der Zeitung Parteinahme zu Gunsten der CDU/CSU vorgeworfen.

Reuters BERLIN. "Es gab keine Belege für die selektive Veröffentlichung von Namen", teilte das Kontrollorgan der deutschen Medien am Mittwoch mit. Auch folge das Gremium nicht der Auffassung, dass die Zeitung die Liste aller Namen von Bonusmeilen-Sündern des Bundestags sofort hätte veröffentlichen müssen. Es sei richtig gewesen, die Liste zu prüfen und "die Ergebnisse dieser Recherche dann der Öffentlichkeit mitzuteilen". Die sieben Beschwerden in dieser Sache seien damit abgewiesen worden.

Chefredakteur äußert "große Genugtuung"

"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann begrüßte die Entscheidung "mit großer Genugtuung" als Bestätigung, dass seine Zeitung "sauber recherchiert" und sich an die Regeln des Pressekodex gehalten habe. "Durch die Entscheidung des Presserates ist der von politischer Seite gegen "Bild' erhobene Kampagnenvorwurf in sich zusammen gefallen", erklärte er.

Im Zuge der Meilen-Affäre hatte der Grünen-Politiker Cem Özdemir seinen Rückzug aus dem Bundestag angekündigt. Der Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi, früher PDS-Bundestagsabgeordneter, trat zurück. Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch hatte eingeräumt, mit dienstlich erworbenen Bonusmeilen privat nach Thailand geflogen zu sein. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer (Grüne), hatte seinen Sohn einmal mit seinen dienstlichen Bonusmeilen fliegen lassen.

SPD-Generalsekretär hatte "Bild" sogar angezeigt

SPD und Grüne hatten der "Bild"-Zeitung scharfe Vorwürfe gemacht und die Berichterstattung zur Meilenaffäre und über Umfragen als Beleg für Wahlkampfhilfe zu Gunsten der CDU/CSU gewertet. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering hatte eine Strafanzeige gegen "Bild" gestellt, diese aber später wieder zurückgezogen. Jüngst sagte er unter Bezug auf einen Artikel über eine Umfrage: "Die Bild-Zeitung von heute ist als Einpackpapier geeignet, aber nicht als Information." Auch Kanzler Gerhard Schröder und seine Frau Doris Schröder-Köpf, einst selbst "Bild"-Journalistin, hatten sich kritisch gezeigt.

Die "Bild"-Zeitung ist die mit Abstand auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland. Nach Verbandsangaben verkaufte sie im zweiten Quartal 2002 im Durchschnitt 4,2 Millionen Exemplare pro Tag.

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