„Bild“-Zeitung und Weltbild starten am Donnerstag Bestseller-Bibliothek – Börsenverein rechnet mit „schwarzer Null“
Billigbücher bringen Branche in Zugzwang

Die Buchbranche hat die Hoffnung auf einen Wachstumssprung für dieses Geschäftsjahr aufgegeben. Bis zum Jahresende rechnet Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, gerade einmal mit einer "schwarzen Null".

HB FRANKFURT/M. Nimmt man die Vorjahreszahlen zum Vergleich, dürfte die Branche am Ende rund neun Mrd. Euro umsetzen. "Es gibt keine Buchkrise", sagte Schormann gestern zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Allerdings hatte er noch im März im Gespräch mit dem Handelsblatt ein Wachstum zwischen zwei und vier Prozent bis zum Jahresende angekündigt. Seine optimistische Haltung trug ihm Kritik auch aus den eigenen Reihen ein.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vertritt die Interessen von rund 6 400 Verlagen, Buchhandlungen, Antiquariaten, Zwischenbuchhändlern und Verlagsvertretern. Im vergangenen Jahr mussten die Anbieter bereits zum dritten Mal in Folge sinkende Umsätze verkraften. Und auch in den ersten acht Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz nur mäßig um 0,7 Prozent und damit deutlich geringer als erwartet. Als Grund für die enttäuschenden Zahlen nannte Schormann die allgemeine Kaufzurückhaltung, die auch die Buchbranche nicht verschone.

Tatsächlich steht der deutsche Buchmarkt vor einer grundlegenden Neuordnung. Am Donnerstag wird die "Bild"-Zeitung gemeinsam mit dem Weltbild-Verlag eine Bestseller-Bibliothek auf den Markt werfen. Zu einem Preis von 4,99 Euro soll eine ganze Serie von Bänden angeboten werden.

Das Modell ist kühl kalkuliert. Häufig werden die Lizenzen für derartige Bücher nur vorübergehend vergeben und wurden auch vorher schon mehrfach genutzt. Damit können die Verlage die in Deutschland geltende Buchpreisbindung umgehen. Weitere Anbieter stehen in den Startlöchern. So plant etwa die Wochenzeitung "Die Zeit", mit einem günstigen mehrbändigen Lexikon auf den Markt zu kommen.

Vorreiter für solche Projekte ist die "Süddeutsche Zeitung". Sie bietet seit dem Frühjahr Woche für Woche Bücher für 4,90 Euro an. Insgesamt verlegt der SZ-Verlag 50 Buchklassiker und will mit diesem Modell insgesamt zehn Millionen Exemplare verkaufen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass bislang rund fünf Millionen Bände verkauft wurden. Die Buchverlage registrieren sehr genau, wie sensibel die Käufer mittlerweile auf Buchpreise reagieren. Die Folge: Sie bieten ebenfalls immer früher erfolgreiche Hardcover-Bücher als Taschenbuchausgabe an.

Der Druck wird in den kommenden Wochen weiter zunehmen, weil Weltbild sich selbst noch einmal unterbieten will. In seinem aktuellen Katalog wirbt Weltbild für eine Edition unter dem Namen "Klassiker der Weltliteratur". Fünfzig Bände umfasst die Sammlung, die insgesamt 99,90 Euro kosten soll. Jedes Buch ist also für zwei Euro und damit noch billiger zu haben als die Bücher, die Weltbild mit der "Bild"-Zeitung zusammen anbietet. "Das sind keine Marktpreise mehr, das sind Marketinginstrumente", schimpfte Schormann gestern.

Der Preiskampf dürfte die Konzentration im deutschen Buchhandel weiter beschleunigen. Die zehn größten Unternehmen erwirtschaften bereits heute mehr als ein Viertel des gesamten Buchhandels-Umsatzes, wie der Branchendienst Langendorf ausgerechnet hat. Noch 1997 habe der Anteil der "Top Ten" nur zehn Prozent betragen.

Größter Sortiments-Buchhändler ist die Buchhandelsgruppe Thalia. Das Unternehmen, das zum Hagener Handelskonzern Douglas gehört, steuert einen strammen Wachstumskurs. Im September übernahm Thalia die Mehrheit an der Mannheimer Buchhandelsfirma Kober-Löffler. Bereits im Juli kaufte die Gruppe das 175 Jahre alte Bonner Familienunternehmen Bouvier-Gonski.

Thalia betreibt knapp 120 Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und viele regionale Marktführer sind zum Verkauf bereit. Kleinere Läden haben nach eigenen Angaben kaum noch Möglichkeiten, attraktive Rabatte bei den Verlagen durchzusetzen. Außerdem setzen ihnen Discounter, Online-Händler und Antiquariate zu, die vor allem die notorisch sparsame Kundschaft anlocken.

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