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Bilderkennung per Computer soll vor Terroristen schützen

Elektronische Gesichtserkennung könnte das Fliegen sicherer machen. Beim Einchecken werden die Fluggäste von einer Kamera erfasst und das Foto per Computer mit Bildern einer Fahndungskartei verglichen.

HB BERLIN. Absolute Sicherheit vor Terroranschlägen gibt es nicht. Nirgendwo. Das gilt insbesonders für Flugzeuge und Flughäfen. Mit Systemen zur Gesichtserkennung ließe sich aber die Gefahr verkleinern, dass sich Terroristen unbemerkt unter die Passagiere mischen, sagen die Hersteller von Computersystemen zur Gesichtserkennung. Die Kasseler Firma Cobion hat zusammen mit dem Berliner Unternehmen BioID ein Gesichtserkennungs-Verfahren entwickelt, mit dem es möglich sein soll, eine Vielzahl von Personen in Sekunden zu analysieren. "So lassen sich Menschenansammlungen überwachen: in Flughäfen, Kaufhäusern oder auf öffentlichen Plätzen", sagt Cobion-Mitbegründer Jörg Lamprecht.

Die Aufnahmen von Videokameras werden mit einer speziellen Software analysiert. Die Gesichter werden in Sekundenbruchteilen mit Fotodatenbanken verglichen, beispielsweise mit Terroristen- und Verbrecherdateien. Stellt das System eine hohe Übereinstimmung zwischen dem aufgenommenen Bild und einem Foto aus einer Datenbank fest, reicht ein Hinweis an das Wachpersonal, und die betreffende Person kann sofort überprüft werden.

Auch das Bochumer Unternehmen ZN Vision, eine Ausgründung der Ruhr-Universität, bietet ein solches System an. "Es ist technisch jedoch äußerst schwierig, aus Live-Bildern Gesichter herauszufiltern", sagt Norbert Wendt, Vertriebsleiter bei ZN Vision. Die Systeme funktionieren gut, wenn die Personen frontal aufgenommen werden können, beispielsweise auf einer Rolltreppe. Ein Test an einem internationalen Airport sei recht erfolgreich gewesen: Die Erkennungsrate von Flughafenmitarbeitern, die auf einer Rolltreppe standen, lag bei etwa 80 %, berichtet Wendt.

Noch besser für die automatische Gesichtserkennung eignen sich nach Ansicht von Experten bestehende Sicherheitsschleusen. Vorteil: Der Aufnahmewinkel wäre stets der gleiche, und die Gesichter könnten zusätzlich ausgeleuchtet werden. Damit könnten Erkennungsprobleme durch Alterung, veränderte Bart- und Haartracht, Kopfhaltung sowie Lichtverhältnisse und Kameraauflösung verringert werden.

"Im Prinzip leisten diese Systeme das, was auch Menschen können", sagt Prof. Michael Behrens vom Institut für angewandte Biometrie an der Fachhochschule Gießen/Friedberg. "Vorteil des Computers: Er ermüdet nicht." Behrens hat bei einem vergleichbaren Test eine Erkennungsrate vom 80 % ermittelt. Auch Fachleute beim Bundesamt für Sicherheit- und Informationstechnik (BSI) halten die Gesichtserkennungsverfahren für nützlich. "Im Umfeld von Flughäfen gibt es ernste Bestrebungen, diese Technik einzusetzen", bestätigt Axel Munde, Biometrie-Spezialist beim BSI.

Die Systeme eigneten sich zum einen, um per Videokamera aufgenommene Personen mit Fahndungslisten abzugleichen, und zum anderen, um eine automatisierte Grenzkontrolle und damit schnellere Abfertigungszeiten zu ermöglichen. Es gebe schon mehrere Pilotprojekte, allerdings nicht an deutschen Airports. "Um Gesichter zuverlässig aus einer bewegten Menge filtern zu können, muss die Technik jedoch noch optimiert werden", sagt Munde. "Bis die Systeme das leisten, dauert es wohl noch zwei bis drei Jahre."

Doch nicht nur auf Flughäfen können solche Gesichtserkennungssysteme eingesetzt werden. Schon seit Jahren nutzen Banken oder Betreiber von Kernkraftwerken diese Technik beispielsweise bei der Zutrittskontrolle zu Hochsicherheitsbereichen. Dort wird nicht nur der Ausweis kontrolliert, sondern zusätzlich überprüft, ob es sich auch tatsächlich um die richtige Person handelt.

In den USA hoffen auch die Veranstalter von Sportereignissen auf die Erkennung per Computer. Führend auf dem Gebiet der so genannten Face-Finder-Techniken sind dort die beiden amerikanischen Firmen Visionics und Viisage. Tests zeigten, dass die Systeme durchaus funktionieren. Mit Hilfe einer Gesichtserkennungs-Software hatten Behörden Anfang des Jahres alle Besucher des Football-Endspiels "Super Bowl" in Tampa (Florida) überprüft. Dabei entdeckte die Polizei mehrere gesuchte Personen.

Trotz dieses Erfolgs weisen amerikanische Sicherheitsexperten darauf hin, dass die heutigen Systeme noch zuverlässiger werden müssen. Doch eine Schwachstelle lässt sich auch mit noch so ausgeklügelter Technik nicht lösen: Die Randalierer und Terroristen müssen bereits aufgefallen sein - sprich es muss Fotos von ihnen geben. Attentäter wie die Studenten, die an den Anschlägen in New York und Washington beteiligt waren und in Hamburg gelebt haben ohne aufzufallen, werden von den Systemen nicht erkannt.

Für viele Datenschützer ist die Gesichtserkennung ohnehin kein Thema. "Nicht die Überwachung, sondern Konzentration auf die Aufklärung der Verbrechen ist gefordert", warnt denn auch Thilo Weichert, stellvertretender Landesbeauftragte für den Datenschutz in Schleswig-Holstein, vor einer "massiven Überwachung durch aufgerüstete Sicherheitsbehörden".

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