Bildung muss überprüfbarer werden
Kommentar: klügere Köpfe

Der Aufschrei wird nicht lange auf sich warten lassen: Die Idee, dass künftig auch Lehrer leistungsbezogen bezahlt werden sollen, wird die Gewerkschaften mobilisieren. Bundesbildungsministerin Edenlgard Bulmahn hat damit in ein Wespennest gestochen. Aber um es gleich zu sagen: Ihr Vorstoss ist richtig, auch wenn sie sich einige politische Stiche einfangen wird. Aber eine Umsetzung der Idee wäre gut für gute Lehrer, gut für Schüler - und gut für Deutschland. Denn was für Professoren gelten soll, ist für den gesamten öffentlichen Dienst richtig: Bezahlung und Beförderung sollte sich nicht am Alter, sondern an der tatsächlich erbrachten Leistung und der ausgeübten Funktion orientieren.

Nun lautet der Einwand, dass dafür ein möglichst solides Bewertungssystem nötig ist, will man eine willkürliche Bezahlung nach Gusto und Neigung des Direktors verhindern. Tatsächlich muss Leistung also vergleichbarer werden - übrigens nicht nur die der einzelnen Lehrer, sondern auch die der Schulen insgesamt. Genau hier hat Deutschland enormen Nachholbedarf. Es fehlt gerade im schulischen Bereich an Transparenz. Jahrzehntelang wurde diese durch bildungspolitische Kleinstaaterei und ideologische Grabenkämpfe verhindert.

Jetzt jedoch bewegt sich die Politik, weil sie Druck aus gleich drei Richtungen verspürt. Zum einen fordern nicht nur Betriebe, sondern auch die "Bildungskonsumenten", also Eltern und Schüler zunehmend das Recht auf vergleichbare Abschlüsse ein. Weil der Staat dieses Bedürfnis bisher nicht befriedigte, schossen mehr oder wenig seriöse, aber verkaufsträchtige "Rankings" aus dem Boden. Nun scheinen die Kultusminister endlich zu merken, dass es dann doch sinnvoller ist, eine wissenschaftlich fundierte Datenbasis zu ermöglichen.

Der zweite Druck kommt aus dem Ausland. Andere Länder sind bei Leistungsvergleichen weiter. Und das höchstens mittelmässige Abschneiden deutscher Schüler bei internationalen Bildungsvergleichen hat das Selbstbewußtsein erschüttert, am deutschen Bildungssystem könnte die ganze Welt genesen. Andere Staaten mögen das Duale System kopieren. Aber in der allgemeinen schulischen Ausbildung können wir von anderen lernen. Erstmals waren deshalb jetzt alle Bundesländer bereit, für die im Dezember erwartete Vorstellung der PISA-Studie der OECD auch einen innerdeutschen Leistungsvergleich zuzulassen.

Der dritte Impuls kommt aus der Wirtschaft. Auch den Kultusministern ist mittlerweile klargeworden, dass sich Deutschland die bisherige Schulpolitik einfach nicht länger leisten kann. Nicht weil sie zu teuer, sondern weil sie ineffizient ist. Ganz offensichtlich gelingt es in Deutschland nicht, den wachsenden Bedarf an höherqualifizierten Fachkräften zu befriedigen. Dies liegt nicht primär daran, dass zu wenige Kinder die Schulbank drücken, sondern dass in einem beträchtlichen Maße Begabung vergeudet wird. Anderern Ländern gelingt es besser, mehr Schüler zu höheren Abschlüssen zu führen, weil Kinder aus benachteiligten Familien stärker und früher gefördert werden.

Mehr Transparenz und Leistungsanreize haben nichts damit zu tun, Bildung nun auf die ökonomische Verwertbarkeit der Schulabsolventen zu reduzieren. Es geht vielmehr darum, endlich einmal klare Bildungsziele zu formulieren und dann das Erreichen dieser Ziele auch zu überprüfen. Die leistungsbezogene Bezahlung von Lehrern ist dabei nur ein Punkt - aber einer, der Dynamik in Debatte bringen dürfte.

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