Bill Gates erntet Kritik für seine neue Informations-Software
Microsoft verknüpft Infos im Netz

In den nächsten Tagen soll die sechste Generation des Internet-Explorers im World Wide Web zum Download bereitstehen. Noch ist Microsofts Browser mit den umstrittenen Smart Tags ausgestattet. Nach heftigen Protesten wird die endgültige Fassung aber wohl von ihnen frei sein.

REDMOND. Eigentlich hatte Microsoft fest vor, die neue Smart-Tag-Technologie als Element der jetzt erscheinenden neuen Version des Internet-Explorers anzubieten. Auch Windows XP, der Nachfolger von Windows Me und Windows 2000, der am 25. Oktober auf den Markt kommen soll, wollte Microsoft ursprünglich serienmäßig mit Smart Tags ausrüsten. Doch nun hat sich der Software-Gigant aus Redmond nach einigem Hin und Her entschlossen, dass Internet-Explorer und Windows XP künftig ohne die in Fachkreisen heftig umstrittene Technologie auskommen müssen. "Wir haben mehr negatives Feedback bekommen, als wir uns das jemals vorstellen konnten", gibt Chefentwickler Jim Allchin zu.

Dabei ist die Grundidee hinter den "Smart Tags" (wörtlich: schlaue Schilder) eigentlich ganz überzeugend. Denn Smart Tags erleichtern das Recherchieren im Internet. Sie bieten auf Knopfdruck nützliche Zusatzinformationen. Enthält eine im Browser aufgerufene Webseite beispielsweise den Namen einer börsennotierten Firma oder das entsprechende Börsenkürzel, markieren Smart Tags den Firmennamen dezent mit einer gepunkteten Linie.

Mausklick für Zusatzinfos

Die Spezialmarkierung signalisiert dem Datensurfer: Im Web stehen weitere Informationen zur Verfügung. Doch nur, wer das beim Überfahren der Textstelle erscheinende Kästchen anklickt, bekommt die gesammelten Extrainformationen zu sehen. Ein Mausklick, und ein Auswahlmenü mit verschiedenen Optionen erscheint auf dem Bildschirm. Nun kann der Benutzer wählen, ob er den aktuellen Börsenkurs, Ad-hoc-Meldungen oder Hintergrundinformationen über das Unternehmen haben will.

"Smart Tags kann man sich wie nützliche Informationsbutler vorstellen", erklärt Alfons Stärk, Produktmanager Windows bei Microsoft Deutschland. "Sie suchen im Hintergrund nach zusätzlichen Informationen im Web, die von Interesse sein könnten."

Benutzer weist Smart Tags Aufgaben zu

Wonach die Smart Tags konkret suchen sollen, bleibt dem Benutzer überlassen. Ein auf Flugreisen spezialisierter Smart Tag reagiert beispielsweise auf die Namen von Fluggesellschaften, Flugnummern oder die Namen von Airports. Taucht auf einer Webseite eine Flugnummer auf, ermittelt der Smart Tag nützliche Zusatzinformationen und bietet sie an. Ein Mausklick, und der Benutzer erfährt den günstigsten Flugpreis oder die aktuelle Buchungssituation.

Jeder kann Smart Tags entwickeln und als Zusatzmodul zum Herunterladen im Netz anbieten. Smart Tags sind in der Programmiersprache XML geschrieben, eine Art universale Programmiersprache des Internets, die es erlaubt, Informationen miteinander zu verknüpfen. Der Benutzer muss sich damit nicht beschäftigen: Er lädt die gewünschten Smart Tags aus dem Netz und integriert sie mit wenigen Handgriffen in seinen Browser.

Microsoft-Smart-Tags haben einen Haken

Allerdings gibt es bei Smart Tags einen Haken: Die von Microsoft zu Demonstrationszwecken entwickelten Smart Tags verweisen ausschließlich auf Informationsangebote im hauseigenen Onlinedienst MSN. "Microsoft nutzt seine Marktmacht im Bereich Betriebssysteme und Browser aus, um seinen Onlinedienst MSN zu fördern", bemängelt Mirko Müller, Vorstand der Duisburger Valudo AG. Das US-Unternehmen kanalisiere den Surferstrom ungeniert auf eigene Angebote. "Da die Mehrzahl der Internetnutzer heute den Explorer benutzt, hätten Smart Tags für uns fatale Folgen", sagt Müller. Der Erfinder von Webangeboten wie "kostenlos.de" und "gewinner.de" macht sich wohl begründete Sorgen. Denn die Smart Tags entscheiden gewissermaßen selbst, welche Schlagwörter zusätzlich markiert und mit Querverweisen ausgestattet werden. "Weniger erfahrene Internetbenutzer können den Unterschied zwischen einem vom Betreiber der Webseite vorgesehen Link und einen automatisch durch einen Smart Tag erzeugten Link kaum auseinander halten", beklagt sich Müller.

Kritiker argumentieren deshalb, die Smart Tags seien letztlich nur ein erneuter Versuch von Microsoft, seine Vormachtstellung bei Betriebssystemen und Browsern auszunutzen. In erster Linie solle nur der MSN-Dienst gefördert werden. Tatsächlich gibt es bislang keine von Dritten entwickelten Smart Tags. Auch nicht für das neue Büropaket Office XP, wo die Smart Tags bereits serienmäßig eingebaut sind.

Noch ist übrigens umstritten, ob es überhaupt legal ist, dass eine Technologie Inhalte einer Webseite eigenmächtig ändert.

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