Billig – aber für wen?

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Billig – aber für wen?

Konditionen sind nicht alles. Aber wer kein Pfennigfuchser (oder Centfuchser) ist, dürfte an einem Direktbroker ohnehin wenig Gefallen finden. Daher lohnt es sich schon, die Gebühren eingehend zu vergleichen. Denn es gibt nicht den billigsten Anbieter schlechthin - sie sind je nach Kundenprofil unterschiedlich günstig.

Auffällig ist das Angebot der Postbank. Sie berechnet bei Aktienkäufen keinen Prozentsatz von der Summe, sondern feste Sätze für drei Größenordnungen: bis 2 600 Euro-Volumen 9,95 Euro, darüber bis 5 200 Euro-Volumen eine Gebühr von 12,95 Euro und darüber fest 18,95 Euro - egal, wie hoch das Volumen ist. Diese Bank ist also ideal für Anleger, die hohe Orders geben.

Es gibt freilich auch Kunden, die zwar selten handeln, aber ein relativ hohes Depotvolumen haben. Für sie sind alle Broker interessant, die keinerlei Gebühr für die Depotverwaltung verlangen, also die Citibank, DAB (Direkt Anlage Bank), Entrium und Maxblue (Deutsche Bank). Aber die Postbank ist mit 18,95 Euro Festgebühr, unabhängig vom Volumen, auch in diesem Bereich nicht schlecht. Anleger, die eher kleine Orders von 5 000 Euro aufgeben, finden bei der Comdirect besonders günstige Konditionen.

Im Fondsbereich fällt die Advance Bank positiv auf. Sie hat nicht nur ein großes Angebot an Fonds mit reduziertem Ausgabeaufschlag, sondern der Kunde findet auch sehr schnell eine Übersicht zu diesem Thema auf der Web-Site. Bei anderen Anbietern ist es weitaus komplizierter zu erfahren, wofür es welche Rabatte gibt. Wer gezielt nach Fondssparplänen zu günstigen Konditionen sucht, wird schnell bei Consors fündig. Viele Direktbanken verkaufen aber vorzugsweise die Fonds ihrer Mutterkonzerne, wie der Blick auf die Internetseiten offenbart. Wichtig für Fondsanleger: Rabatte gibt es nicht nur bei Direktbanken, sondern zum Teil auch bei kleineren Fondsshops. Andererseits ist es in der Regel nicht billiger, direkt bei der Fondsgesellschaft zu ordern. Denn diese Gesellschaften wollen ihren Vertrieb nicht verärgern und geben daher selbst in der Regel keine Rabatte.

Wer umfassende Vergleiche zum Thema Direktbroker sucht, kann sich auch auf der Website www.diskountbroker.de umsehen. Dort werden Testdepots für verschiedene Anlegertypen gerechnet, wobei unter anderem Fimatex, Netbank und W:O Trading gute Noten bekommen. Außerdem bietet die Website kurze Porträts der einzelnen Anbieter und umfangreiche Zusatzinformationen an.

Es gibt auch Kosten, die in der offiziellen Konditionentabelle gar nicht auftauchen. Zum Beispiel Telefonkosten. E-Trade, ein großer US-Direktbroker, der in Deutschland gerade gestartet ist, geht in dem Punkt zweigleisig vor: Wer noch nicht Kunde ist, kann kostenlos anrufen und sich informieren, die Kunden müssen hingegen neun Cent pro Minute bezahlen. Man kann übrigens den Telefonnummern ansehen, was zu zahlen ist: Wenn sie mit den Ziffern 0800 beginnen, sind sie für den Anrufer kostenfrei. Bei 1801 zahlt der Anrufer bis zu 4,6 Cent pro Minute, bei 1802 dagegen 6 Cent pro Gespräch, bei 1803 dann 9 Cent pro Minute, bei 1804 24 Cent pro Gespräch und bei 1805 12 Cent pro Minute - diese Sätze weist die Deutsche Telekom aus.

Wer sich für einen Direktbroker entscheidet, muss bei diesem Anbieter nicht unbedingt auch sein Konto führen. Doch gibt es auch in diesem Punkt Besonderheiten. 1822direkt hat zum Beispiel für reine Depotkunden ("direkt-brokerage") andere Konditionen als für solche, die auch das Girokonto besitzen ("direkt-giro-brokerage"). Und die Postbank verpflichtet jeden Kunden (auch solche mit Postgirokonto), ein eigenes Verrechnungskonto zu eröffnen, das neun Euro im Jahr kostet.

Ob es sinnvoll ist, immer gleich zum günstigsten Anbieter zu wechseln, sei dahingestellt, schließlich ist ein gewisser Arbeitsaufwand damit verbunden, möglicherweise ist zeitweise die Beweglichkeit des Depots eingeschränkt. Außerdem können die Konditionen sich jederzeit ändern. Denn die meisten Anbieter arbeiten nicht profitabel. Einige werden vielleicht wieder vom Markt verschwinden, andere sich zusammenschließen, und schließlich wird die Branche, um aus den roten Zahlen zu kommen, auf mittlere Sicht wohl teurer für den Kunden.

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