Billig-Airlines haben vor allem in Krisenzeiten Erfolg
JetBlue will an der Börse zum Überflieger werden

NEW YORK. Krise bei den Fluggesellschaften? Nicht überall. Der Chef der US-Billig-Airline JetBlue, David Neeleman, wagt in diesen Tagen sogar den Gang an die Börse. Mit günstigen Tickets und Kultstatus lockte er zuletzt immer mehr Kunden in seine Flieger.

Das Business-Modell der New Yorker Airline ist ein wenig anders als das der aufstrebenden Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet: An Bord erwarten die Reisenden in der Einheitsklasse Ledersitze mit 81,3 cm Beinfreiheit, 24 Fernsehkanäle und blaue Kartoffelchips - passend zur Uniform der Flugbegleiter. Mahlzeiten gibt es nicht, nur Getränke zu den blauen Snacks. Zumindest in Krisenzeiten scheint das Modell perfekt zu funktionieren: Im vergangenen Jahr machte JetBlue aus einem Umsatz von 320,4 Mill. $ immerhin 38,5 Mill. $ Gewinn. Dabei flogen die US-Airlines in 2001 insgesamt mehr als 9 Mrd. $ Verluste ein.

"Das ist ein sehr interessantes Geschäftsmodell", sagt Andrew Watterson, Airline-Experte beim Unternehmensberater Mercer Management Consulting. JetBlue biete ähnlich niedrige Preise wie Southwest, der Vorreiter aller Billig-Airlines, fliege aber längere Strecken und sei vor allem beim Design überaus trendbewusst: Genau das Richtige für Yuppies, denen in schlechten Börsenzeiten das Bargeld fehlt.

Gespart wird an vielen Stellen, etwa im Vertrieb: Wie bei Ryanair gibt es nur elektronische Tickets - um die Provisionen für Reisebüros einzusparen. "Kein Essen zu servieren spart Zeit auf dem Boden und beim Beladen. So können die Flieger schneller wieder in die Luft", erklärt Watterson. Zudem nutzt JetBlue hauptsächlich kleinere Flughäfen, bei denen die Landegebühren niedriger sind. Die gesamte JetBlue-Flotte besteht aus Airbus 320-Maschinen mit je 162 Sitzen. Piloten und Techniker müssen also nur auf einem Modell geschult werden. "Bisher sind neue Airlines, die mit einer gemischten Flotte gestartet sind, gescheitert", sagt Watterson. Zur Zeit fliegen insgesamt 24 Jets unter der blauen JetBlue-Flagge. Bis 2002 sollen weitere zehn hinzu kommen. In fünf Jahren will JetBlue dann schon 83 Maschinen in der Luft haben.

"Flugzeuge sind derzeit preiswert. Es ist ein guter Zeitpunkt um zu expandieren", urteilt Watterson. Statt sich bei den Banken weiter zu verschulden, zapft JetBlue, dessen zweitgrößter Aktionär derzeit Investment-Guru George Soros ist, nun den Kapitalmarkt an. Analysten erwarten einen Run auf die Aktien: "Die Leute werden einen großen Appetit für JetBlue haben", prophezeit Raymond Neidl von ABN Amro. In Krisenzeiten liefen Billig-Flieger besonders gut. Morningstar-Analyst Jonathan Schrader sieht die Sache weniger euphorisch: Langfristig müsse JetBlue mit höheren Kosten rechnen, wenn die Flotte älter werde. Außerdem sei auch ein Billigflieger vor steigenden Kerosin- und Sicherheitskosten nicht gefeit.

JetBlue zeigt sich indes optimistisch und erhöhte gestern die Preisspanne für den Börsengang: Statt 22 bis 24 $ sollen die Aktien nun 25 bis 26 $ kosten. Der Gang an die Börse kann der Airline bis zu 143 Mill. $ für 13,6 % der Aktien bringen.

Quelle: Handelsblatt

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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