Billig-Anbieter machen großen amerikanischen Fluggesellschaften immer mehr Konkurrenz
US-Airlines schreiben Verluste

Amerikanische Airlines sind unter Druck: Hohe Benzinpreise, Streiks und eine schwache Konjunktur machen den Firmen zu schaffen. Eine Kehrtwende wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte erwartet.

NEW YORK. "Viel rote Tinte" - so beschreibt Raymond Neidl, Analyst der Investmentbank ING Barings, das schwache erste Quartal der amerikanischen Fluggesellschaften. Wie schon im Vorquartal schrieben die Airlines auch in den ersten drei Monaten 2001 Verluste. UAL, die Mutter-Holding von United Airlines, Delta Air Lines und US Airways enttäuschten mit ihren Verlusten die ohnehin bereits niedrigen Erwartungen der Analysten. Northwest Airlines lag dagegen mit dem Ergebnis leicht über den Prognosen. Auch diese Gesellschaft schrieb allerdings erneut rote Zahlen.

Für die gesamte Branche rechnet Sal Colak, Analyst der Investmentbank CIBC World Markets, mit einem Quartalsverlust von einer halben Milliarde Dollar. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2000 hatten die Fluggesellschaften noch 400 Millionen Dollar Gewinn gemacht.

Die einzigen Ausnahmen unter den großen amerikanischen Fluggesellschaften sind Continental Airlines und Southwest Airlines, die Nummern fünf und sieben der Branche: Continental hatte Anfang der Woche Gewinne vorgelegt. Bei Southwest Airlines werden am heutigen Donnerstag ebenfalls Gewinne erwartet.

Das erste Quartal ist bei Airlines traditionell das schwächste, doch in diesem Jahr kamen mehrere Minusfaktoren zusammen: Neben einem extrem harten Winter machten den Fluggesellschaften vor allem die hohen Benzinpreise zu schaffen. Die konnten die Anbieter nicht einfach auf die Ticketpreise schlagen, da der Preisdruck in der Branche zu hoch ist. Hinzu kommt, dass Streiks die US-Airlines häufig lahm legten. Auch in diesem Jahr bereiten sie sich auf schwierige Tarifverhandlungen vor.

Vor allem United Airlines hatte unter Pilotenstreiks gelitten. Verspätete oder gestrichene Flüge und unzufriedene Kunden waren die Folge. Nach Ansicht von Sal Colak von CIBC World Markets werden die anstehenden Tarifabschlüsse die Kosten der Airlines weiter nach oben treiben. "Wenn zu dem Ganzen noch die schlechte Konjunktur kommt, dann sieht es wirklich düster aus", sagt Colak über die Lage der Branche.

Unternehmen schrauben ihre Ausgaben für Reisen zurück und lassen ihre Mitarbeiter häufiger in der Economy-Class reisen oder nach Schnäppchen suchen. "Der Flugverkehr bleibt stark, aber die Buchungen in der Business-Class gehen deutlich zurück", stellt Neidl von ING Barings fest. Für die Anbieter ist das ein schwerer Rückschlag, denn die Business Class macht mit nur 35 bis 40 Prozent der Passagiere immerhin 60 Prozent des Umsatzes aus.

Trendwende frühestens in der zweiten Jahreshälfte

Eine Trendwende erwarten Analysten frühestens für die zweite Jahreshälfte. Die hohen Benzinpreise und die steigenden Gehälter lassen den Fluggesellschaften nur wenig Handlungsspielraum. "Sie könnten ihre Strategie für den Heimatmarkt überdenken", sagt Colak. Hier machen vor allem kleine Billiganbieter den Großen Konkurrenz - und arbeiten dabei profitabel.

So konnte der Regionalflieger Air Tran Airways die Erwartungen der Analysten mit einem Gewinn von 8,8 Millionen Dollar übertreffen. Auch Southwest Airlines arbeitet in dieser regionalen Nische. Statt wie andere Anbieter über große Drehkreuze (Hubs) zu gehen, fliegen die Maschinen der Gesellschaft aus Dallas direkt zwischen Regional-Flughäfen hin und her.

Bei Continental ist das Erfolgsrezept vor allem der funktionierende Service. "Sie haben von den Problemen der anderen profitiert", sagt Colak über die positiven Zahlen. "Während die Passagiere bei United Airlines, Delta und US Airways häufig nicht wussten, wann und ob sie fliegen, waren sie bei Continental sicher", sagt er.

Continental Airlines mit Sitz in Houston will sich nach eigenen Angaben nicht an der Welle von Übernahmen und Fusionen in der Branche beteiligen. American Airlines hatte erst kürzlich die bankrotte Trans World Airlines gekauft und war damit zur weltgrößten Fluggesellschaft aufgestiegen. Die Übernahme der US Airways Group durch die United-Airlines-Mutter UAL muss dagegen noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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