Billig-Angebote setzt Ferienflieger unter Druck
Air Berlin in der Defensive

Für etablierte Ferienflieger wie Air Berlin ist die plötzliche Gründungswelle deutscher Billig-Airlines eine akute Bedrohung. Selbst Ryanair gerät in Deutschland zusehends in die Defensive.

BERLIN/DÜSSELDORF. Der Hype im umkämpften Billigflugmarkt Deutschland geht weiter. Nach Ryanair, Deutsche BA, Buzz, Virgin Express, Hapag Lloyd-Express sowie Germanwings will künftig auch Air Berlin Flüge zwischen deutschen und europäischen Metropolen günstiger anbieten. Der Urlaubsflieger kündigte gestern an, sein Liniennetz zu erweitern und ab Anfang Oktober Flüge von sieben deutschen Airports nach London, Mailand, Barcelona und Wien anzubieten. Der günstigste Preis für eine Strecke von Berlin nach London-Stansted soll bei 49 Euro liegen.

Anders als viele der neuen Wettbewerber konzentriert sich Air Berlin nicht auf einen einzigen Abflughafen, sondern bleibt bei seinem Konzept, mehrere kleine Airports zu bedienen. Der "City Shuttle" verkehrt künftig ab Dortmund, Münster, Paderborn, Düsseldorf, Hamburg, Nürnberg und Berlin. Wichtigstes Flugziel wird London sein.

"Im Gegensatz zu Billigflieger-Konzepten werden wir unseren Service zu niedrigen Preisen beibehalten", sagte Joachim Hunold, Geschäftsführer von Air Berlin. Mit dem neuen Angebot soll laut Hunold das Umsatzziel 2002 von 664 Mill. Euro übertroffen werden. Im ersten Halbjahr verzeichnete die Fluglinie nach eigenen Angaben ein Umsatzwachstum von 20 %.

Durch das breitere Angebot will Air Berlin die Sogwirkung in die neuen deutschen Billigflugzentren Köln/Bonn und Hahn/Hunsrück abschwächen. Ferienfluggesellschaften wie Air Berlin bekommen den Angriff der Low-Cost-Airlines voll zu spüren. Bisher machte die Fluglinie am Standort Köln/Bonn, etwa auf der Route nach Malaga, gutes Geschäft. Diese Strecke fliegt fortan aber auch die Eurowings-Tochter Germanwings, die am heutigen Freitag Kampfpreise ab 29 Euro inklusive Steuern und Gebühren verkünden will.

"Im Vergleich der Durchschnittspreise kann es unsere Fluggesellschaft mit jeder anderen Airline aufnehmen", sagt Hunold zuversichtlich. Doch die Konkurrenz kommt derzeit in Scharen - und teilweise mit dickem Portemonnaie: Hinter Germanwings steht die Deutsche Lufthansa, die ihre Eurowings-Beteiligung bald auf 49 % erhöhen könnte. Der neue Wettbewerber Hapag Lloyd-Express ist eine 100 %ige Tochtergesellschaft von Europas größtem Reisekonzern TUI. "Charterfluggesellschaften, hinter denen kein großer Konzern steht, werden es künftig ungemein schwer haben", prophezeit Dieter Schneiderbauer, Luftfahrtexperte bei Mercer Management Consulting.

Bei all den Neustarts, die im Billigflugmarkt Deutschland anstehen, gerät selbst die bisher so angriffslustige Ryanair zusehends in die Defensive. Die irische Low-Cost-Airline kündigte gestern zwar ebenfalls eine neue Destination für den deutschen Markt an. Allerdings liegt der Flughafen nicht in Deutschland, sondern im elsässischen Entzheim in der Nähe von Straßburg. Ab dem 31. Oktober wird Ryanair zwei tägliche Verbindungen aus dem Elsass nach London-Stansted zu Preisen ab 90 Euro anbieten.

Die neue Strecke sei auch für die Einwohner Baden-Württembergs von Interesse, heißt es bei Ryanair. "Der Flughafen Straßburg ist genauso weit von Stuttgart entfernt wie der Flughafen Karlsruhe. Von Freiburg verkürzt sich die Anfahrt gar um die Hälfte", sagte Ryanair-Managerin Caroline Baldwin. Kritiker indes sehen darin eine Verlegenheitslösung, nachdem Verhandlungen mit dem Karlsruher Airport ergebnislos abgebrochen worden waren. "Ryanair bekommt sichtbar Schwierigkeiten, seine Expansion in Deutschland umzusetzen", sagte der Sprecher eines deutschen Flughafens. Bisher fliegen die Iren nur auf den Neben-Airports Hahn, Lübeck und Friedrichshafen.

Quelle: Handelsblatt

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