Billigflieger bestellt 100 fabrikneue Jets: Ryanair beflügelt Boeing

Billigflieger bestellt 100 fabrikneue Jets
Ryanair beflügelt Boeing

Hoffnungsschimmer für die krisengeschüttelte Luftfahrtbranche: Der Billigflieger Ryanair trotzt den Turbulenzen und vergibt einen der größten Aufträge der Luftfahrtgeschichte.

and/fs LONDON. Der irische Billigflieger Ryanair kauft mitten in der schweren Krise der Luftfahrt über 100 Boeing-Flugzeuge. Wie die aufstrebende Fluggesellschaft am Donnerstag in London bekannt gab, bestellt sie Flugzeuge des Boeing-Typs 737-800 zum Listenpreis von 9,1 Mrd. $ (10,3 Mrd. Euro). Damit handelt es sich um einen der größten Aufträge in der jüngeren Luftfahrtgeschichte. Boeing hat im Jahr 2001 insgesamt 272 Maschinen verkauft.

Ryanair, ein hochprofitabler Billigflieger, der mit Flugtickets zum Preis einer Kinokarte wirbt, hat sich zudem Optionen für 50 weitere Flugzeuge gesichert. Die ersten Maschinen sollen bereits im Dezember 2002 ausgeliefert werden.

Für Boeing kommt der Riesenauftrag zur rechten Zeit. Das Geschäft helfe seinem Konzern "in einer schwierigen Zeit", sagte der neue Boeing-Verkaufschef Toby Bright. Seit den Anschlägen des 11. Septembers 2001 haben Boeing und sein Rivale Airbus durch den Zusammenbruch von Fluglinien wie Swissair und Sabena und Stornierungen anderer etablierter Airlines Aufträge in Milliardenhöhe verloren. Billigflieger wie Ryanair oder auch Easyjet wollen die große Krise indes zum günstigen Einkauf nutzen.

Weder Boeing noch Ryanair machten Angaben über den Rabatt. Analysten schätzen, dass die Airline rund ein Drittel weniger zahlen muss, also rund 6,5 Mrd. Euro.

"Mit den neuen Maschinen wollen wir die größte Fluggesellschaft Europas werden", sagte der für sein aggressives Marketing bekannte Ryanair-Vorstandschef Michael O?Leary dem Handelsblatt. Bislang hat Ryanair lediglich 36 Flugzeuge.

Der Billigflieger, der sich gerade einen publicityträchtigen Werbestreit mit der Lufthansa liefert, will bereits nächste Woche sechs neue Flugziele bekannt geben. Wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr, soll dabei auch eine neue Verbindung von London nach Berlin eröffnet werden. O?Leary will zudem die Lufthansa noch stärker attackieren. Ab Sommer 2003 werde Ryanair auch innerdeutsche Strecken anbieten, sagte er.

O?Leary betonte, die Finanzierung der Großbestellung sei gesichert. Das Unternehmen verfüge über Barreserven von 700 Mill. $. Ryanair bezahle 15 % der Auftragssumme sofort, den Rest leiht sich das Unternehmen von der staatlichen US-Bank Exim, die für 85 % der Summe eine Bürgschaft übernommen hat.

Vor allem die Finanzierung des Großauftrags hatte bei Analysten für Bedenken gesorgt. Die Londoner Investmentbank Credit Suisse First Boston stufte die Ryanair-Aktie aus Sorge vor einer möglichen Kapitalerhöhung auf "halten" zurück. Diese Möglichkeit wollte ein Ryanair - Sprecher am Donnerstag nicht ausschließen. Der Kurs sank in London zunächst um mehr als ein Prozent auf 391 Pence.

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