Billigflieger bringen Welt der etablierten Airlines durcheinander
Luftfahrt-Branche: Revolution der Preisbrecher

Die gute Nachricht vorweg: Die zivile Luftfahrt ist nach schweren Krisenjahren mit Krieg, Terror und anderen Schockwellen wieder zurück auf dem Wachstumspfad. Die Passagierzahlen sind 2004 weltweit gestiegen - am stärksten in der Boomregion Asien/Pazifik, aber auch in den großen Märkten Nordamerika und Europa.

HB DÜSSELDORF. Die schlechte Nachricht gleich hinterher: Die Airline-Industrie wird in diesem Jahr weltweit fünf Milliarden Dollar Verlust einfliegen - mal wieder. Damit summieren sich die Verluste der Branche seit dem 11. September 2001 auf mehr als 25 Milliarden Dollar.

Die Anführer unter den Geldvernichtern sitzen in den USA, deren große Airlines ("The Big Six") mit dem fundamentalen Umbruch über den Wolken nicht mehr zurecht kommen. Ihre Kostenpositionen sind zu hoch, um mit effizienter aufgestellten Gegnern wie Southwest Airlines oder Jetblue um die Wette fliegen zu können. Insbesondere im inneramerikanischen Verkehr verlieren sie Marktanteile - und damit Woche für Woche viele Millionen Dollar. Zwar konnten auch die großen US-Linien ihre Jets 2004 wieder besser füllen. Wegen der Rekordpreise beim Öl hat sich ihre finanzielle Lage aber nur unwesentlich entspannt. Die explosionsartig gestiegenen Treibstoffkosten machten viele Sparanstrengungen innerhalb der Konzerne zunichte.

Egal ob American Airlines, United, Delta oder US Airways: Fast alle US-Größen operieren am Rande der Zahlungsunfähigkeit oder haben sich bereits in den Gläubigerschutz des US-Konkursrechts geflüchtet ("Chapter 11"). Ohne diesen Schutz des Staats, der eine lange erwartete Marktbereinigung bisher verhindert hat, könnten wahrscheinlich "nur vier der so genannten Big Six überleben", glaubt Ulrich Horstmann, Luftfahrt-Analyst der Bayerischen Landesbank.

So aber türmen die Fluggesellschaften immer neue Überkapazitäten auf. Die Etablierten schrumpfen nicht entscheidend, weil sie auf eine Wende zum Besseren hoffen. Und die Billigflieger expandieren massiv, weil sie von der Überlegenheit ihres Geschäftsmodells überzeugt sind. Experten glauben, dass die aktuelle Überkapazität im Luftverkehrsmarkt weltweit bei 30 Prozent liegt.

Dementsprechend hart wird der Kampf um den günstigsten Ticketpreis ausgetragen: Flugscheine als Zugabe auf einen Kasten Bier? Derlei PR-Aktionen von Ryanair, anfangs von der gesamten Branche verspottet, machen inzwischen die Runde: Die britische Easyjet befeuert ihre massive Deutschland-Expansion seit November 2004 mit "Null Eurolein"-Werbung, auch andere unterschreiten immer öfter die Zehn-Euro-Schwelle pro Ticket.

Dass die Branche damit auch in Europa eine ungesunde Preisspirale in Gang gesetzt hat, liegt auf der Hand. Denn mit Ausnahme des irischen Billig-Marktführers Ryanair schafft es kein Anbieter, bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von 40 Euro Geld zu verdienen.

Erste Pleiten waren in diesem Jahr die absehbare Folge: Nach den finanziellen Abstürzen von Volare (Italien), V-Bird (Deutschland) und Air Polonia prophezeien Luftfahrtexperten weitere Firmenzusammenbrüche noch in diesem Winter.

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