Billigflieger gegen "Betteln“ um staatliche Hilfen
Easyjet-Chef: Einige große Airlines werden vom Himmel verschwinden

Von den großen europäischen Airlines werden nach Einschätzung der britischen Billiggfluggesellschaft Easyjet schon bald einige bekannte Namen am Himmel verschwinden. "Wenn wir in den kommenden sechs Monaten nicht drei bis sechs der alten Staatslinien verlieren, dann funktioniert der Markt nicht", sagte Easyjet-Chef Stelios Haji-Ioannou dem Handelsblatt in London.

HB LONDON. Dies habe aber nichts mit den Auswirkungen des Terroranschlags gegen die USA zu tun; er bezeichnete es vielmehr als überfällige "Marktentscheidung". Als Pleitekandidaten sieht der Chef der börsennotierten Easyjet Plc die Konkurrenten Sabena, Swissair, TAP Portugal, Olympic, Aer Lingus "und vielleicht auch KLM".

Dass Deutschland und Großbritannien befristet das Risiko "Krieg und Terrorismus" abdecken wollen, da Versicherer dies nach der Katastrophe in den USA nicht mehr übernehmen, hält Haji-Ioannou für unumgänglich. "Wir dürfen schließlich nicht ohne Versicherungen fliegen", so der Easyjet-Chef. Den Ruf nach weiteren staatlichen Hilfen einiger Fluggesellschaften in Europa lehnt der Easyjet-Gründer grundlegend ab. Statt zu klagen sollten die Firmen "sich lieber verkleinern und ihre Preise senken". Auch der irische Chef der größten europäischen Billig-Airline Ryanair, Michael O'Leary, hat erklärt, der Anschlag in New York werde von Airlines als Vorwand zum "Betteln" benutzt.

British Airways (BA) und Virgin Atlantic hatten zudem nach dem Anschlag einen radikalen Stellenabbau angekündigt. BA überlegt angeblich auch, sich ganz vom Flughafen London-Gatwick zurückzuziehen und nur noch von Heathrow zu starten. Haji-Ioannou entgegnet: "An Start- und Landerechten in Gatwick sind wir sehr interssiert." Bislang startet Easyjet von London-Luton, der Wettbewerber Ryanair fliegt ab Stansted.

"Wir haben kein Desaster"

Seine Fluggesellschaft trimmt er weiter auf Expansion, zumal er die Auswirkungen der Attacken auf den europäischen Luftverkehr - anders als in den USA - gering einschätzt. "Wir haben in Europa kein Desaster", so Haji-Ioannou, "unsere Flugzeuge fliegen nicht leer." Morgen werde sein Unternehmen "sehr gute" Passagierzahlen vorlegen.

Die Billiganbieter wie Ryanair, EasyJet und Go Airline haben vergangene Woche allerdings auch massive Sonderpreise gestartet. Für Haji-Ioannou ist dies normal. Nach jedem Schockereignis gebe es einen Rückgang bei den Buchungen. "In der Woche nach dem Tod von Diana hatten wir fünf Prozent weniger - da war kein Flugzeug im Spiel."

Höhere Ticketpreise sieht der Online-Anbieter nicht. Die Kostenbelastungen für mehr Sicherheit seien ebenfalls nur ein vorgeschobenes Argument beim Ruf nach Hilfe. "Das macht weniger als ein Pfund (ca. 3 DM) pro Passagier aus."

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