Billigflieger stehen nach dem Gründungsboom vor Jahr der Wahrheit
Luft am Linienflughimmel wird dünn

Die Rivalen auf dem deutschen Markt der Billigflieger stehen vor einem Jahr der Wahrheit. Nach dem rasanten Gründungsboom 2002 wollen sich sieben Konkurrenten im harten Preis- Kampf behaupten. Dabei müssen sie nicht nur gegen Branchenprimus Lufthansa antreten, sondern auf manchen Strecken auch gegeneinander. Forsch kündigen die ersten weitere Routen an.

HB/dpa FRANKFURT. Zur Entscheidung steht 2003 auch, ob mit Europas Marktführer EasyJet ein Schwergewicht noch stärker in Deutschland mitmischt - die Briten können ihre Kaufoption auf die Deutsche BA einlösen. Die Luft am Linienflughimmel wird dünn.

Einen Vorgeschmack auf das immer härtere Ringen lieferten zwei Konkurrenten mit adventlichen Preisattacken. Einen Werbegag der Eurowings-Tochter Germanwings mit 50 000 Tickets zum Preis von 1 Euro konterte Rivale Ryanair mit 100 000 Tickets für 50 Cent. "Nicht jetzt, nicht in Zukunft, überhaupt niemals" wollten sich die Iren bei den Tarifen toppen lassen, tönte Vorstandschef Michael O'Leary. Möglichst spektakulär bringen sich die Wettbewerber als "einzig wirkliche Preiswert-Airline" und "Deutschlands Günstig-Airline" in Position oder versprechen "Fliegen zum Taxi-Preis".

Germanwings kassierte bereits eine Rüge

Beim Buhlen um jeden Kunden beäugen sich die Konkurrenten genau. "Wer irreführend wirbt, bleibt nicht unbemerkt", heißt es auch bei der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg. Germanwings kassierte bereits eine Rüge und zeichnet seitdem in der Werbung säuberlich aus, dass Niedrigstpreise nur für ein begrenztes Platzkontingent gelten. Auch groß gedruckte Lockpreise sollten schon inklusive Steuern und Gebühren sein, mahnt die Wettbewerbszentrale.

Ob Reisende wie in den vergangenen Monaten auch 2003 auf immer neue Preissenkungen jenseits einmaliger Werbegags hoffen können, ist fraglich. "Die Untergrenze bei den Preisen dürfte erreicht sein", sagt Andreas Knorr, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bremen. Nach dem euphorischen Start müssten sich die neuen Airlines erst einmal etablieren. "Ihr Marktanteil wird zunehmen, aber es werden nicht alle überleben können", erwartet der Professor. In ein oder zwei Jahren werde sich zeigen, wer am Boden bleibe. Dabei komme es auch darauf an, nicht zu ungestüm zu wachsen.

Unterschiedliche Geschäftsmodelle

Im Gedrängel am Himmel setzen die Billiggesellschaften auf unterschiedliche Geschäftsmodelle. So startet Ryanair an kleineren Regionalairports mit niedrigen Gebühren wie Lübeck oder Hahn im Hunsrück und lockt vor allem Touristen als Neu-Flieger. Auf größere Flughäfen wie Köln/Bonn im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen haben es dagegen Germanwings, Hapag Express-Lloyd oder die Deutsche BA abgesehen - und können dort auch Geschäftsreisende von etablierten Gesellschaften abwerben. Zunächst dürfte ein Ziel der Billigflieger sein, sich auf wenig Strecken untereinander Konkurrenz zu machen und regionale Teilnetze abzustecken.

Als Erfolgsfaktor gilt auch, rasch einen Kundenstamm aufzubauen. Dabei muss sich erweisen, ob Reisende massenhaft zum Ticketkauf im Internet bereit sind, was Billigflieger aus Kostengründen am liebsten ist. Nach der neuen TUI-Tochter Hapag Express-Lloyd setzt inzwischen aber auch Germanwings parallel auf die Reisebüros - bei 7,50 Euro Aufschlag je Strecke.

Wie stark der Auftrieb sein wird, hängt schließlich vom Kurs der etablierten Konkurrenz ab. Zwar setzen Billigflieger und Reise- Veranstalter wie der Last-Minute-Spezialist L'Tur darauf, Tausende als ganz neue Flugzeugkunden zu gewinnen. Doch vor allem an den zentralen Flughäfen sollen auch reiseerfahrene Passagiere angezogen werden. Die Lufthansa hat schon im Herbst mit eigenen Kampfpreisen ab 98 Euro Gegenwehr signalisiert. Und auch die Deutsche Bahn will mit ihrem neuen Preissystem Kunden vom Himmel in die Züge holen.

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