Billigmodeanbieter profitieren von Konsumflaute
H&M und Inditex setzten auf Expansion

Man mag es zwar kaum glauben, aber es gibt sie noch, die Unternehmen bei denen die Geschäfte blendend laufen. Die Billigmodeanbieter Hennes & Mauritz (H&M) aus Schweden und Inditex aus Spanien sind Vertreter dieser selten gewordenen Spezies.

FRANKFURT/M. Sie juckt die Konsumflaute wenig, denn 20 Euro für ein T-Shirt sind bei vielen Kunden derzeit schon eher drin als einige hundert Euro für ein Paar Schuhe von Gucci oder Prada. Das Konzept ist bei H&M und Inditex - besser bekannt durch Marken wie Zara und Massimo Dutti - ähnlich: Trendige Mode zu günstigen Preisen.

Sowohl die Designer von H&M als auch ihre spanischen Kollegen von Inditex gucken sich die neuen Trends bei den großen Designern ab und ruck zuck hängen dann die modischen Teile um vieles günstiger als die Originale in den Läden. Diese Strategie bekommt dem Gewinn und Umsatz der beiden Ketten gut. Sowohl H&M als auch Inditex konnten ihre Ergebnisse in diesem Jahr deutlich steigern. Inditex legte von Februar bis August beim Umsatz ein Viertel zu, H&M setzte 15 Prozent mehr in seinen Läden um. Beim Ergebnis liegt H&M vorne:55 Prozent Plus verbuchten die Schweden seit Dezember 2001. Inditex machte von Februar bis August 32 Prozent mehr Gewinn.

Vergleicht man die Kursentwicklung der beiden Billigmodeanbieter liegen die Spanier eindeutig vorne: Während die H&M-Aktie fast dreißig Prozent ihres Wertes seit Januar dieses Jahres eingebüßt hat, verbuchte das Inditex-Papier seitdem einen Kursverlust von lediglich acht Prozent. Günstig ist die H&M-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 24 trotz des Kursverfalls aber immer noch nicht. Auch das Papier der Spanier - im Madrider Leitindex Ibex35 gelistet - ist mit einem KGV von rund 29 kein wirkliches Schnäppchen. In der Textilbranche sind da weitaus günstigere Werte zu haben.

Gute Aussichten

Die Aktien sind zwar recht teuer, dafür sind aber auch die Aussichten für beide Unternehmen recht gut. Sowohl die Schweden als auch die Spanier wollen weiter wachsen. H&M betreibt mittlerweile über 800 Läden in Europa und denUSA, Inditex ist mit über 1400 Geschäften der Marken Zara, Massimo Dutti, Oysho, Bershka, Stradivarius und Pull&Bear in Nord- und Südamerika, Europa, Japan, im Nahen Osten und auf der Arabischen Halbinsel präsent. Dennoch gibt es für beide Unternehmen immer noch genug weiße Flecken auf der Landkarte.

Mit den Wachstumsraten von Inditex kann H&M allerdings nicht mithalten. Während Inditex in Spanien unangefochten die Nummer eins ist und dort allein schon 238 Läden der Marke Zara betreibt, bietet beispielsweise Deutschland noch genügend Raum für Expansion. Die Spanier übereilen dennoch nichts, vor drei Jahren erst eröffneten sie das erste Geschäft hier zu Lande. Mittlerweile sind es zwanzig. Vor allem am Anfang ließ sich der Textilkonzern aus dem nordspanischen La Coruna Zeit mit der Expansion und sondierte erst einmal die Lage hier zu Lande. Die restlichen Inditex-Marken sind außerhalb Spaniens noch so gut wie gar nicht vertreten. Auch mit ihnen kann Inditex also noch wachsen.

Ein weiterer Pluspunkt von Inditex ist das flexible Produktionssystem. Die Ware produziert Inditex zum größten Teil selbst. So können die Spanier schnell auf Trends reagieren und Artikel dann liefern, wenn sie gebraucht werden (Just-in-time). Lagerkosten und die Abhängigkeit von Produzenten entfallen. Hennes & Mauritz hingegen lässt produzieren, vor allem in Asien, aber auch in Europa. Inditex verzichtet zudem fast völlig auf Werbung. Die hellen, schick gestylten Läden in den Innenstädten reichten als Aushängeschild, so die Firmenphilosophie. Die Artikel verkaufen sich auch ohne Werbung, wie die Umsatzzahlen beweisen.

Vor allem Inditex überzeugt also durch die Wachstumsaussichten und die ausgeklügelte Produktion und Logistik. Billig sind Papiere der Billigmodeanbieter zwar nicht. Dafür ist bei H&M und Inditex aber auch das Rückschlagpotenzial begrenzt - angesichts von Börsentiefständen und Gewinnwarnungen auch ein starkes Argument.

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