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Bin Laden führt Kämpfer angeblich persönlich an

Nach Angaben der Nordallianz hat bin Laden das Kommando über 1 000 Kämpfer übernommen. Angeblich befindet er sich nicht mehr in der Bergfestung Tora Bora.

rtr KABUL. Der moslemische Extremist Osama bin Laden führt der Nordallianz zufolge persönlich Truppen bei den Kämpfen nahe seiner Bergfestung Tora Bora an. "Osama hat selbst das Kommando im Kampf übernommen", sagte der Nordallianz- Sprecher Mohammad Amin am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Zusammen mit etwa 1 000 seiner El-Kaida-Kämpfer und Taliban-Soldaten habe er sich in den Wäldern von Spin Ghar verschanzt, nachdem die Nordallianz ihn aus Tora Bora im Osten des Landes vertrieben habe. Bei Tagesanbruch hätten B-52-Bomber und Kampfflugzeuge der USA Ziele in der Region angegriffen, berichtete CNN. Beim Absturz eines Hubschraubers der Nordallianz kamen nach deren Angaben 20 Menschen ums Leben.

"Er (Bin Laden) ist mit Sicherheit hier", sagte Amin über Satellitentelefon. "Die amerikanischen Flugzeuge haben regelmäßige und schwere Bombardements ausgeführt, um ihn zu töten." Die Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Bin Laden soll sich in einem unterirdischen Höhlensystem in Tora Bora aufgehalten haben, etwa 55 Kilometer von der Stadt Dschalalabad entfernt. Dem US-Sender CNN zufolge versperrten Mitglieder der El Kaida mit Granatwerfer-Feuer den Zugang zu den Bergen.

Die USA machen Bin Laden und El Kaida für die Anschläge vom 11. September verantwortlich. Die damals in Afghanistan regierenden Taliban hatten ihm Gastrecht gewährt und seine Auslieferung an die USA verweigert. Am 7. Oktober begannen die USA mit Luftangriffen auf Stellungen der Taliban und El Kaida. Am Freitag kapitulierten die Taliban im südafghanischen Kandahar, ihrer letzten Bastion. Die Stadt wurde von Kämpfern verschiedener afghanischer Taliban-Gegner übernommen. Der Aufenthaltsort des Taliban-Oberhaupts Mullah Mohammad Omar und Bin Ladens ist unklar.

Ein Sprecher des Außenministeriums der Nordallianz sagte Reuters, unter den Toten des Hubschrauberabsturzes im Norden des Landes seien zwei Anti-Taliban-Kommandeure. Der Hubschrauber des Typs MI-8 sei in der Stadt Talokan mit dem Ziel Kabul gestartet. Angaben zu der Ursache des Absturzes in der Nacht zum Sonntag machte er nicht. AIP meldete, der Hubschrauber sei etwa 35 Kilometer südöstlich von Talokan abgestürzt.

Nach der Kapitulation der Taliban in Kandahar gab es widersprüchliche Berichte über die Situation in der Stadt. Kommandeure in Kandahar berichteten, es sei es zu Feuergefechten zwischen rivalisierenden Gruppen der Taliban-Gegner gekommen. Die Kämpfer des ehemaligen Gouverneurs der Stadt, Gul Agha, bekämpften sich zudem am Flughafen mit denen von Mullah Nakibullah, der die Kapitulations-Erklärung der Taliban angenommen hatte. Die Taliban hätten ihre Panzer und schwere Waffen an Nakibullah übergeben. Ein Sprecher Gul Aghas bezeichnete die Lage in Kandahar jedoch als ruhig. "Es finden keine Kämpfe statt. Der Flughafen ist unter der Kontrolle der Leute Gul Aghas", sagte Chalid Paschtoon. Unabhängige Berichte aus Kandahar lagen nicht vor.

US-Marine-Infanteristen setzten ihre Suche nach Mitgliedern der El Kaida auch bei Kandahar fort. Die Offiziere der Marines trügen Fotos der führenden El-Kaida-Mitglieder bei sich, sagte ein Armeesprecher. In den vergangenen Tagen hätten die US-Soldaten Fluchtmöglichkeiten der El-Kaida-Mitglieder aus Kandahar ausgelotet. Pakistan verschärfte die Grenzkontrollen.

In der Hauptstadt Kabul bereiteten UNO-Experten am Sonntag die Entsendung einer multinationalen Friedenstruppe vor, für die sich die afghanischen Delegationen bei der Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn ausgesprochen hatten. Die britische Regierung erklärte, sie sei zur Führung der Truppe bereit. Nach derzeitigen Planungen soll die Friedenstruppe überwiegend von europäischen NATO-Staaten gestellt werden, darunter Deutschland.

In Kabul lief nach Angaben des Welternährungsprogramms WFP am Samstag die bisher größte Hilfsaktion für die hungernden Menschen dort an. Etwa 1,3 Mill. Menschen dort seien auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Usbekistan öffnete nach offiziellen Angaben am Sonntag eine seit fast fünf Jahren gesperrte Brücke, über die Hilfslieferungen nach Afghanistan transportiert werden sollen.

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