Bin Laden ist am Leben
Zweite Angriffswelle gegen Afghanistan gestartet

Die USA und ihre britischen Alliierten haben eine zweite Angriffswelle gegen die afghanische Stadt Kandahar gestartet. Kandahar ist die Hochburg der radikal-islamischen Taliban und Sitz des obersten Taliban-Führers Mohammad Omar. Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN war dieser Angriff stärker als die erste Welle wenige Stunden zuvor.

HB KABUL/WASHINGTON. Auch ein Haus des Taliban-Anführers Mullah Mohammad Omar sei beschossen worden, hieß es. Der afghanische Taliban-Führer und der islamische Extremist Osama bin Laden haben die ersten Angriffe der USA und Großbritanniens nach Angaben des Taliban-Botschafters in Pakistan aber überlebt. "Dank der Gnade Gottes sind Mullah Omar und bin Laden am Leben", sagte Botschafter Abdul Salam Saif vor Journalisten in Islamabad.

Neben Kabul und Kandahar wurden nach amerikanischen Medienberichten auch Taliban-Hochburgen im Norden Afghanistans angegriffen.

Präsident George W. Bush sagte zuvor in einer live im Fernsehen übertragenen Rede: "Wir haben militärische Attacken gegen Terroristenausbildungslager und das Militär in Afghanistan gestartet. Großbritannien als befreundete Nation steht an unserer Seite." Außerdem hätten Deutschland, Frankreich, Australien und Kanada ihre Unterstützung für die Militäraktion zugesagt, sagte der US-Präsident. Es würden gezielt Einrichtungen des Taliban-Regimes attackiert. Ziel sei es, die militärischen Fähigkeiten der Taliban und deren Kommunikationsnetz zu zerstören.

Das Außenministerium der Taliban bestätigte die Angriffe auf Kabul am Abend. Flugabwehrfeuer habe die feindlichen Maschinen zur Rückkehr gezwungen.

Die Rede von US-Präsident George Bush im Wortlaut

Bush sagte weiter, er habe der Taliban-Führung vor Wochen mehrere Forderungen gestellt. Keine sei erfüllt worden. Nun müssten die Taliban die Konsequenzen tragen. "Heute konzentrieren wir uns auf Afghanistan, aber der Kampf ist umfassender. Wir werden nicht scheitern", sagte Bush. Rund 40 Staaten kooperierten in mannigfaltiger Weise, sagte der US-Präsident. "Wir erhalten Unterstützung vom kollektiven Willen der Welt." Bush hatte die Taliban am Samstag gewarnt, dass die Zeit ablaufe.

Erste Angriffe mit Marschflugkörpern

Nach Augenzeugenberichten gab es Explosionen in Kabul und Kandahar. Die ersten Explosionen waren gegen 18.27 Uhr MESZ zu hören. Ein Korrespondent des arabischen TV-Senders "Al-Dschasira" berichtete, die Angriffe konzentrierten sich in Kabul auf den Flughafen der Hauptstadt. Über der Stadt hing eine riesige Rauchwolke. Zunächst seien Flugzeuge zu hören gewesen. Dann habe es eine große Explosion im Nordosten der Hauptstadt Kabul gegeben, sagte der Journalist. Anschließend sei in der ganzen Stadt der Strom ausgefallen. Es waren Artilleriefeuer und Luftabwehrgeschosse zu hören, wie Augenzeugen berichteten. Der Sender zeige Live-Bilder von Flugzeugen, die im Dunkeln über die Stadt flogen sowie die Blitze des Abwehrfeuers.

Der Fernsehsender CNN berichtete aus dem Pentagon, die Militärschläge hätten mit Marschflugkörpern begonnen. Erste Ziele seien Flughäfen und terroristische Lager gewesen. Es habe sich um "harte Schläge" gehandelt. Nach Angaben von CNN erklärte ein Talibanführer, ihr Kommandoposten und die Radaranlagen am Flughafen Kabul seien zerstört worden.

Bush erklärte, die Streitkräfte unternähmen "gezielte Aktionen" gegen das Netzwerk der Terroristen und die militärischen Fähigkeiten der Taliban, sagte Bush in seiner Rede an die Nation. Bush sagte, Flugzeuge würden auch Nahrungsmittel und Medikamente für das afghanische Volk abwerfen. "Die USA sind Freunde des afghanischen Volkes und der islamischen Welt", sagte der US-Präsident. "Die USA sind aber Feinde der Terroristen und derjenigen, die sie beschützen."

Nordallianz kündigt Offensive gegen Kabul an

Nach Beginn der amerikanisch-britischen Angriffe hat die gegen die Taliban kämpfende Nordallianz eine eigene Offensive angekündigt. "Die Nordallianz steht nördlich von Kabul und wird sich an den Kämpfen beteiligen", erklärte am Sonntag der Erste Sekretär der afghanischen Botschaft in Tadschikistan, Rahimullah. Die Botschaft vertritt die von den Taliban gestürzte Regierung. Die Führung der Nordallianz war nach Angaben des Diplomaten von den bevorstehenden Angriffen informiert worden. Die Opposition habe gewusst, dass die USA militärische Ziele in Kabul und Kandahar angreifen wollten, erklärte Rahimullah. "Wir haben eine gemeinsame Front", fügte er hinzu. Auf die Frage nach dem möglichen Beginn eines Vorstoßes auf Kabul sagte er: "Vielleicht in zwei Tagen, vielleicht in einer Woche."

Bundeskanzler Schröder war vorab informiert

Bundeskanzler Gerhard Schröder ist von US-Präsident George W. Bush vorab über die Militärschläge gegen Afghanistan informiert worden. Das gab das Bundespresseamt am Sonntag in Berlin bekannt. Den Angaben eines Sprechers zufolge unterstützte Schröder in einem Telefonat die Angriffe gegen terroristische Einrichtungen ohne Vorbehalte. Der Bundeskanzler habe dem US-Präsidenten erneut volle Unterstützung Deutschlands zugesagt und die Solidarität mit den USA erklärt. Bush habe dem Kanzler dafür nachdrücklich gedankt. Beide hätten vereinbart, weiter engen Kontakt zu halten.

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