Bin Laden profitiert von vielen Sympathisanten
Hintergrund: Fahndungserfolge brauchen Zeit

Nach dem Top-Terroristen Carlos wurde zwei Jahrzehnte lang auf vier Kontinenten gefahndet, bevor er schließlich 1994 in Sudan festgenommen und an Frankreich überstellt wurde. Heute gilt der Islamistenführer Osama bin Laden als meist gesuchter Terrorist der Welt. Experten halten es für schwer vorstellbar, dass es ihm gelingen sollte, sich seinen Verfolgern tatsächlich bis ans Ende seiner Tage zu entziehen. Bis zu einem Erfolg der Fahnder könnte es aber lange dauern.

ap WASHINGTON. "Die Verfolger können tausende Fehler machen, der Gesuchte braucht nur einen zu machen: Das ist das Schöne an der Fahndung", sagt Howard Safir, früher Polizeichef von New York und inzwischen stellvertretender Direktor der US-Marshals. Langjährige Ermittler sagen, eine Fahndung auf internationaler Ebene bringe spezielle Herausforderungen mit sich. Bin Laden nehme dabei aber eine Sonderstellung ein.

"Häufig scheinen die Fahndungsbehörden Gesuchte irgendwann einfach zu vergessen", erklärt Larry Barcella, ein Washingtoner Anwalt und früherer Zielfahnder. "Das ist bei bin Laden aber eindeutig kein Thema." Denn kein anderer mutmaßlicher Terrorist ist weltweit so bekannt, kein anderer wird so intensiv gesucht. "Sein Vorteil ist, dass er sich in einer Art geschlossenen Gesellschaft bewegt, in die Außenstehende kaum eindringen können", sagt Marshals-Direktor Safir. "Und jetzt hat er sich so weit zurückgezogen, dass er sich nur noch mit Leuten umgibt, zu denen er seit langem enge Verbindungen hat."

Bin Laden kann sich darüber hinaus auf erheblich mehr Sympathisanten als der "gewöhnliche" Terrorist stützen, die bereit wären, ihm Unterschlupf zu gewähren. Andererseits sind auf seinen Kopf 25 Millionen Dollar (54,3 Millionen Mark/27,7 Millionen Euro) ausgeschrieben. Streitkräfte verschiedener Länder suchen nach ihm, und selbst die Führer zahlreicher islamischer Staaten wären ihn gerne los.

Bereits in der Vergangenheit kam es bei der Fahndung nach Gesuchten zur Zusammenarbeit von Staaten, die eigentlich nicht viel gemeinsam haben. Bei der Festnahme von Illich Ramirez Sanchez alias Carlos kooperierten französische Spezialagenten mit dem US-Geheimdienst CIA, den syrischen Behörden und dem islamischen Regime in Sudan.

Der Venezolaner, der unter anderem den Überfall auf die OPEC-Konferenz in Wien 1975 anführte, hat nach eigenen Angaben 83 Menschen getötet. Er wurde nach seiner Überstellung nach Frankreich wegen dreifachen Mordes verurteilt. Nach der US-Invasion in Panama 1989 dauerte es nur wenige Tage, den damaligen Machthaber General Manuel Noriega dingfest zu machen. Er sitzt inzwischen wegen Drogenhandels und Geldwäsche eine 40-jährige Haftstrafe in einem amerikanischen Gefängnis ab.

Diplomatische Hindernisse können Auslieferung verzögern

Knapp zwei Monate nach der Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther King 1968 spürten Fahnder den später wegen der Tat verurteilten James Earl Ray auf dem Londoner Flughafen Heathrow auf. Mit seiner Festnahme endete die bis dahin umfangreichste Fahndung in der internationalen Justizgeschichte. Und Ramzi Yousef, der Drahtzieher des Anschlags auf das New Yorker World Trade Center 1993, wurde knapp ein Jahr nach dem Attentat ohne größere Formalitäten von Pakistan an die USA ausgeliefert. Eine Belohnung in Höhe von zwei Millionen Dollar wurde einem Informanten ausbezahlt.

Häufig liegt das Problem nicht darin, den Aufenthaltsort eines Gesuchten zu finden, sondern darin, seiner tatsächlich habhaft zu werden. Dies ist dann der Fall, wenn rechtliche oder diplomatische Hindernisse auftauchen. Zwei libysche Verdächtige, die im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Pan-Am-Jumbo über Lockerbie 1988 gesucht wurden, wurden von Libyen erst 1999 nach langem diplomatischen Tauziehen an ein schottisches Sondergericht überstellt.

Und manchmal erringen die Fahnder nur Teilerfolge. Zwar gelang es den damaligen US-Zielfahndern Safir und Barcella 1982, dem wegen Waffenhandels mit Libyen gesuchten ehemaligen CIA-Agenten Edwin Wilson eine Falle zu stellen. Wilson führte als Berater von Staatschef Muammar el Gaddafi ein Leben im Luxus in Libyen. Safir und Barcella lockten ihn nach New York, wo er schließlich zu 52 Jahren Haft verurteilt wurde. Weniger Glück hatten sie aber mit dem wegen desselben Delikts gesuchten Frank Terpil: Zwar machten sie ihn 1983 in Beirut aus, doch war er bereits nach Kuba geflohen, wo er seither lebt. Ein wenig Trost findet Barcella nach eigener Aussage darin, dass Terpil auf der verarmten Karibikinsel wohl kaum in Saus und Braus leben dürfte.

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