Bin Laden ruft zum Kampf gegen USA und UNO auf
US-Luftwaffe fliegt heftige Angriffswelle

Die USA haben am Sonntag schwere Angriffe auf Ziele im Nordosten Afghanistans geflogen. Nach Angaben des US-Senders CNN waren die Angriffe auf Positionen der Taliban entlang der Frontlinie zur Nordallianz zeitweise so heftig, dass es nicht mehr möglich war, die Explosionen zu zählen.

afp CHWALA BAHAUDIN. Mindestens hundert Bomben fielen allein an der Grenze nach Tadschikistan, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP aus Dascht-i-Kalah berichtete. Innerhalb von fünf Stunden seien mehr Bomben abgeworfen worden als in allen Angriffen der vergangenen Wochen zusammengenommen. Das Pentagon bestätigte am Samstag den Verlust eines US-Kampfhubschraubers in Afghanistan. Alle Insassen seien aber in Sicherheit. Die Taliban sprachen dagegen von bis zu 50 Toten. Der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden rief in einer neuen Fernsehrede alle Moslems zum Kampf gegen die USA und gegen die Uno auf. Die Vereinten Nationen seien ein "Werkzeug des Verbrechens" und schuld am Leiden der Moslems in aller Welt.

Auf einer 50 Kilometer langen Strecke überzogen B-52-Bomber der USA am Sonntag die Taliban-Stellungen im Norden des Landes mit Flächenbombardements, wie der AFP-Reporter weiter berichtete. Die Kampfjets hätten auch Stellungen hinter der Front angegriffen. Ein Pentagon-Sprecher in Washington sagte, es seien 65 Kampfflugzeuge im Einsatz gewesen. Bis zu acht Langstreckenbomber griffen sechs Zielgebiete und mehrere "Kampfzonen" an. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte bei seinem Besuch in Usbekistan, bei den Angriffen in Afghanistan gebe es "messbare Fortschritte". Einzelheiten wollte er nicht nennen. Rumsfeld flog am Sonntag zu Gesprächen über die Militäraktion nach Pakistan und Indien weiter.

Trotz der massiven Hilfestellung durch die USA meldete die verbündete Nordallianz Gebietsverluste nahe der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif. Nach zwölf Stunden Kampf mussten sich die Oppositionstruppen nach eigenen Angaben aus dem Ostteil von Ak Kupruk rund 70 Kilometer südlich der strategisch wichtigen Stadt zurückziehen.

Das US-Verteidigungsministerium bestätigte den Verlust eines Hubschraubers in Afghanistan. Die Maschine habe am Freitag bei schlechtem Wetter notlanden müssen. Dabei seien vier Insassen verletzt worden. Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN sollte die Helikopter-Crew einen erkrankten Soldaten aus Afghanistan herausbringen. Das Pentagon teilte mit, alle Soldaten seien von einem zweiten Hubschrauber gerettet worden. Der notgelandete Helikopter wurde demnach von einem US-Kampfjet zerstört. Der Taliban-"Erziehungsminister" Amir Chan Muttaki hatte zuvor in Kabul gesagt, die USA hätten zwei Hubschrauber und bis zu 50 Soldaten verloren. Eine Maschine sei abgestürzt, die zweite von den Taliban abgeschossen worden.

In seiner zweiten Fernsehansprache seit Beginn der US-Angriffe griff Bin Laden die Vereinten Nationen und alle arabischen Regierungschefs an, die mit der Uno zusammenarbeiten. Die Uno sei ein "Werkzeug des Verbrechens" und UN-Generalsekretär Kofi Annan ein "Verbrecher", sagte der islamistische Fundamentalistenführer in einer Videoaufzeichnung, die der katarische Sender El Dschasira am Samstag ausstrahlte. Arabische Regierungschefs, die die internationale Gesetzgebung dem Koran vorzögen, seien "Ungläubige" und "Heuchler", sagte Bin Laden. Die US-Angriffe auf Afghanistan seien der "brutalste und grausamste Kreuzzug seit Mohammeds Zeiten", gegen den gläubige Moslems kämpfen müssten. Das Weiße Haus nannte die Rede "reine Propaganda". Sie zeige, wie sehr Bin Laden "vom Rest der Welt isoliert" sei.

Am Wochenende schlossen sich weitere 2 200 bewaffnete Pakistaner der Taliban-Miliz an, um gegen die USA zu kämpfen. Damit überquerten seit Donnerstag insgesamt 4 400 Pakistaner den Grenzübergang Bajaur in der Provinz North West Frontier nach Afghanistan.

Die afghanische Opposition eröffnete am Sonntag bei Scherkat im Norden des Landes ein neues Flugfeld, das sie mit Hilfe des US-Militärs eingerichtet hatte. Damit verfügen die Oppositionstruppen jetzt erstmals über einen eigenen Flugplatz südlich des Hindukusch. Truppen und Waffen können so leichter über das Gebirge gebracht werden.

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