Bin Laden soll geplanten Anschlag auf Europaparlament finanziert haben
Sicherheitsexperten fürchten Angriffe mit Biowaffen

So grauenhaft die Anschläge vom 11. September auch waren - weltweit wächst die Furcht, dass es noch schlimmer kommen könnte. In dem "Krieg" gegen den Terrorismus, in den US-Präsident George W. Bush sein Land verwickelt sieht, könnten neue Anschläge folgen - dieses Mal vielleicht sogar mit Biowaffen, wie Sicherheitsexperten befürchten.

afp WASHINGTON. Diese Waffen könnten ein regelrechtes Massensterben auslösen. Besonders gefährlich werden sie dadurch, dass sie ihre schreckliche Wirkung im Verborgenen entfalten: Geräuschlos, geruchlos und unsichtbar breiten sich die Bakterien oder Viren aus. Tausende könnten bereits infiziert sein, bevor die Ärzte merken, was los ist.

Ein neuer Terroranschlag könne "jeden Moment" kommen, warnte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Dabei könnten nach seinen Worten Massenvernichtungswaffen zum Einsatz kommen. Rumsfeld hob hervor, dass mehrere Staaten, die Terroristen beherbergten, über biologische und chemische Waffen verfügten. Bereits Mitte der 90er Jahre hatten UN-Inspektoren im Irak Sprengköpfe entdeckt, die mit der berüchtigten Biowaffe Anthrax sowie mit Botulinumtoxin, einem Lähmungen verursachenden Gift, gefüllt waren.

Anhänger Bin Ladens sollen Milzbranderreger und giftige Bakterien gekauft haben

Das Terroristennetz von Osama Bin Laden, der von den USA als Hintermann der Anschläge vom 11. September verdächtigt wird, soll sich nach britischen Presseberichten bereits biologische und chemische Waffen besorgt haben. So sollen sich Anhänger Bin Ladens in einem tschechischen Labor Keime des Milzbranderregers Anthrax und giftige Bakterien gekauft haben. Auch soll der aus Saudi-Arabien stammende Multimillionär Vorbereitungen für einen Giftgasanschlag auf das Europaparlament finanziert haben, der von der deutschen Polizei verhindert worden sei.

Das Vernichtungspotenzial des Bioterrorismus sei noch weitaus größer als bei den Anschlägen der vergangenen Woche, sagte der Biowaffenexperte an der Universität von Minnesota, Michael Osterholm, der "Washington Post". Ein Anschlag mit solchen Waffen wäre nach seinen Worten "weniger plastisch - keine Flammen und keine Explosionen -, aber viel heimtückischer". "Jeder mit einem Husten" würde dadurch in eine lebende Waffe verwandelt.

Milzbrand macht sich erst nach einigen Tagen bemerkbar

Biowaffen sind relativ leicht einzusetzen. Es werden keine großen Flugzeuge gebraucht. Ein unauffällig in einer U-Bahn oder von einem Kleinflugzezug abgeworfener Beutel mit den Bakterien oder Viren würde reichen. Die kleine todbringende Wolke könnte sich dann in den nächsten Tagen oder Wochen unbemerkt ausbreiten, bis der Milzbrand oder die Windpocken Tausende von Menschen infiziert haben.

Anthrax gilt unter Sicherheitsexperten als die Biowaffe, die am ehesten zum Einsatz kommen könnte. Diese Waffe sei einfach und "auf dem schwarzen Markt verfügbar", sagte General Randall West aus dem Pentagon bereits wenige Tage vor den Anschlägen der vergangenen Woche. Anthrax gilt zugleich als besonders heimtückisch. Der Milzbrand macht sich erst nach einigen Tagen beim Kranken bemerkbar, 80 % sterben ein bis zwei Tage nach den ersten Symptomen.

Serum mit starken Nebenwirkungen entwickelt

Bereits unter Präsident Bill Clinton hatten die USA Programme zum Schutz gegen den Bioterrorismus gestartet. Das Pentagon betreibt seit vier Jahren Forschungen zu Anthrax - nach eigenen Angaben zur Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes. Zwar gibt es bereits ein Serum, das 1970 von der Firma BioPort im US-Bundesstaat Michigan entwickelt wurde. Der Stoff kann allerdings starke allergische Nebenwirkungen auslösen. BioPort hat die Produktion des Serums seit drei Jahren eingestellt, nachdem die Firma einer Generalrevision unterzogen wurde. Wann die Produktion wieder begonnen werden kann, ist derzeit ungewiss.

Auf einen Angriff mit Biowaffen sind die USA derzeit völlig unzureichend vorbereitet. Die Oberste Rechnungsprüfungsbehörde stellte 1999 fest, dass es an ausreichenden Vorräten an Seren und Medikamenten fehle und die Sicherheitsvorkehrungen zu lasch seien. Seither hat sich nicht sehr viel gebessert. Erst im Januar kam das Zentrum für Krankheitskontrolle- und-prävention in Atlanta zu dem Schluss, dass das Gesundheitssystem des Landes nicht ausreichend gerüstet sei, um auf einen Bioterror-Anschlag zu reagieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%