Bin Laden sucht sich "andere Ziele"
Rätsel um die Drahtzieher der Anschläge auf Bali

In der Kneipenmeile Jalan Legian in Kuta auf Bali loderten nach den verheerenden Anschlägen noch die Flammen, da hatte die australische Regierung schon einen Verdacht: Die radikale Moslemorganisation Jemaah Islamiyah könnte hinter den schlimmsten Terroranschlägen seit dem 11. September 2001 stecken, sagte Außenminister Alexander Downer.

HB/dpa SINGAPUR/JAKARTA. Eine Gruppe, die "gewiss" Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida unterhalte. Doch bewiesen ist nichts. Kenner Indonesiens stellen sich darauf ein, dass es Wochen dauern werde, bis Schuldige gefunden werden. Über die wirklichen Hintermänner tappen alle derzeit noch im Dunklen, allerdings ist der Druck auf die Regierung in Jakarta enorm.

Nicht wenige bezweifeln, dass tatsächlich das Terrornetzwerk Osama bin Landens hinter dem Inferno im Urlauberparadies steckt; Anschläge auf Nachtclubs machten keinen Sinn, meint etwa der sicherheitspolitische Korrespondent der britischen BBC, Frank Gardner. "Sie haben keinen strategischen Wert, es trifft keine westliche Regierung, und es war kein Treffpunkt der vornehmlichen Zielgruppe von El Kaida: Amerikaner und Juden."

Radikale Moslemorganisationen bereiten Sorgen

In der Tat tummeln sich aber in der gemessen an der Bevökerungszahl größten Moslemnation der Erde einige radikale Gruppen. So habe die Jemaah Islamiyah der australischen Regierung schon seit einiger Zeit Unbehagen bereitet, sagte Downer. "Es ist nicht die einzige Organisation in Indonesien, über die wir besorgt sind, aber es ist diejenige, die uns am meisten Sorgen bereitet." Einen Beweis für die Urheberschaft der Anschläge gibt es bislang nicht.

Auch hatten immer wieder anti-amerikanische und anti-westliche Proteste in der Hauptstadt Jakarta für Schlagzeilen gesorgt. Aber nie hatten Beobachter die Demonstrationen allzu ernst genommen, immer handelte es sich nur um eine Handvoll Teilnehmer. Denn der größte Teil der Bevölkerung praktiziert eine äußerst gemäßigte Form des Islam, Lichtjahre entfernt von radikalen Auswüchsen der Taliban. "Den Bauern auf (der indonesischen Insel) Sulawesi interessiert es mehr, ob die Reisernte gut wird, nicht der Kampf gegen die angebliche westliche Dekandenz", sagt ein europäischer Kenner.

USA wollen Indonesien finanziell unterstützen

Moderate islamische Vertreter wehren sich gegen den Verdacht, Glaubensbrüder könnten aus religiösen Motiven die Bluttat von Bali begangen haben. "Diese Anschläge berauben Familien und stehen im Gegensatz zur Einheit des Landes und seinen guten Beziehungen zu anderen Staaten in der Welt", sagt der islamische Gelehrte Hasjim Muzadi, Chef der größten Moslemorganisation, Nahdlatul Ulama.

Doch hatten die USA schon vor Monaten in ihrem Kampf gegen den Terror auch Indonesien ins Visier genommen. Man gehe dort nicht entschlossen genug gegen mögliche Terroristen vor, lautete die Kritik. Grund genug für die USA, die Wiederaufnahme der militärischen Zusammenarbeit mit Jakarta zu erwägen. Die USA wollen 50 Millionen US-Dollar ausgeben, um Indonesien im Feldzug gegen Terror zu unterstützen. Doch ist fraglich, ob damit ein Anschlag wie auf Bali hätte verhindert werden können, meinen Beobachter in der Region.

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