Bin Ladens Beteiligung an Anschlägen bewiesen
Nato erklärt Bündnisfall

Auf der Basis von US-Informationen hat die Nato am Dienstag die Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden als Urheber der Anschläge am 11. September bezeichnet und damit die Taten als Angriff auf die gesamte Allianz gewertet.

rtr BRüSSEL. Nach dem Nato-Vertrag haben die USA dadurch bei ihrem angekündigten Kampf gegen den internationalen Terrorismus Anspruch auf Unterstützung ihrer Nato-Partner. Aus britischen Regierungskreisen verlautete, bei einem Militärschlag gegen Afghanistan wollten die Verbündeten neben Bin Laden auch die Truppen der Taliban-Regierung des Landes ins Visier nehmen. Bin Laden hält sich vermutlich in Afghanistan auf.

"Wir wissen, dass die Attentäter Teil der El Kaida waren", sagte Nato-Generalsekretär George Robertson in Brüssel. "Die Fakten sind klar." Zuvor hatte der US-Sonderkoordinator im Kampf gegen den Terrorismus die Nato-Botschafter über die aktuelle Situation nach den Anschlägen unterrichtet. Die Nato-Länder können nun Maßnahmen ergreifen - darunter auch den Einsatz von Waffengewalt - die ihnen angemessen erscheinen, um auf den Angriff zu reagieren.

Die Regierung Pakistans erklärte, die USA hätten ihr noch keine Beweise über eine Verwicklung Bin Ladens in die Anschläge vorgelegt. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte in Islamabad, dieser Punkt sei von Präsident Pervez Musharraf bei einem Treffen mit der US-Botschafterin Wendy Chamberlin angesprochen worden. Afghanistans Nachbarland Pakistan hat den USA Unterstützung im Kampf gegen die Hintermänner der Anschläge zugesagt. In der moslemischen Bevölkerung des Landes gibt es jedoch erheblichen Widerstand gegen den Regierungskurs.

Der britische Premierminister Tony Blair wollte nach Angaben aus Regierungskreisen bei seiner Rede auf dem Labour-Parteitag in Brighton klar machen, dass "die Taliban ihre Chance verpasst" hätten, Bin Laden auszuliefern und nun die Konsequenzen tragen müssten. Die USA und Großbritannien wollten die Waffen der Taliban unschädlich machen, "ihren Nachschub unterbrechen und ihre Truppen ins Visier nehmen". Die USA haben die Taliban wiederholt zur Auslieferung Bin Ladens aufgefordert. Die Taliban erklären, sie hielten ihn zu seinem eigenen Schutz versteckt. US-Präsident George W. Bush hat Blair nach den Anschlägen als engsten Verbündeten des Landes bezeichnet.

Wie verlautete, wollte Blair nichts über einen Termin für die Angriffe sagen, die die Gegner der Taliban in Afghanistan für die nächsten Tage erwarten. Außenminister Jack Straw sagte vor der Blair-Rede, die Taliban hätten alle Ultimaten ignoriert. Ein militärisches Vorgehen sei nun unausweichlich.

In Japan liefen unterdessen fünf US-Kriegsschiffe aus. Der Hubschrauberträger "Essex" sowie vier weitere Kriegsschiffe verließen ihren Heimathafen Sasebo auf der japanischen Südinsel Kyushu, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Auf dem Weg in den Indischen Ozean wollten die Schiffe den US-Stützpunkt auf der japanischen Insel Okinawa anlaufen, um amerikanische Marineinfanteristen an Bord zu nehmen. Die USA und Großbritannien haben die größte Streitmacht seit der Vertreibung der irakischen Besatzungstruppen aus Kuwait vor zehn Jahren in der Golf-Region und dem Indischen Ozean zusammengezogen. Nach Angaben des Iran sind es insgesamt 41 Kriegsschiffe. Weitere Stützpunkte stehen den USA in Usbekistan zur Verfügung, das über die bestausgerüsteten Militärflugplätze in Zentralasien verfügt.

In Erwartung eines Militärschlags startete die Taliban-Regierung in Afghanistan eine Mobilisierungskampagne. Verteidigungsminister Obaidullah Achund reiste in den Osten des Landes, während andere Minister im Süden und Westen des Landes bei der Stammesbevölkerung um Unterstützung für einen Abwehrkampf warben.

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