Bin Ladens Botschaft ist neuer Unsicherheitsfaktor
Wahlkampf von Videobotschaft überschattet

Nach der Ausstrahlung eines neuen Videos von Osama bin Laden haben sich die beiden US-Präsidentschaftskandidaten gegenseitig attackiert. Die Botschaft des Moslemextremisten könnte den Ausschlag dafür geben, für wen die Wähler sich am Dienstag mehrheitlich entscheiden.

HB WASHINGTON. Auch zwei Tage vor dem Urnengang zeichnete sich am Sonntag kein Favorit für den Einzug ins Weiße Haus ab. Der republikanische Amtsinhaber George W. Bush und sein demokratischer Herausforderer John Kerry lagen einer fortlaufenden Drei-Tages-Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Zogby zufolge gleichauf bei 48 %. Gleichzeitig schrumpfte der Anteil der noch unentschlossenen Wähler auf zwei Prozent.

Bin Laden hat sich so klar wie nie zuvor zu den Anschlägen auf New York und Washington am 11. September 2001 bekannt und gleichzeitig neue Anschläge angedroht. Seine Video-Botschaft birgt für den Wahlausgang eine neue Unwägbarkeit. Ob das Band eher zu Gunsten Bushs oder Kerrys den Ausschlag geben könnte, ist noch unklar. Für den amtierenden Präsidenten könnte sprechen, dass ihm in Umfragen eindeutig die größere Kompetenz bei der Bekämpfung des Terrorismus zugetraut wird. Allerdings könnte das Pendel auch für Kerry ausschlagen, weil das Band den Wählern in Erinnerung ruft, dass es Bush nicht gelungen ist, Bin Laden zu fassen und unschädlich zu machen.

Der Wahlkampf findet in den beiden letzten Tagen vor der Wahl fast ausschließlich in den zehn Bundesstaaten statt, in denen sich noch keine klare Mehrheit für einen der Kandidaten herauskristallisiert hat - in den so genannten Swing States. Jeder Bundesstaat stellt je nach Bevölkerung eine bestimmte Zahl von Wahlmännern, die schließlich den Präsidenten wählen. Um ins Weiße Haus einzuziehen muss ein Kandidat mindestens 270 Wahlmänner hinter sich wissen. Derzeit kommen weder Bush noch Kerry auf diese Zahl. In ihrem Schlussspurt widmen sich beide vor allem Florida und Ohio, die mit 27 beziehungsweise 20 Wahlmännern allein die Wahl entscheiden könnten.

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