Binnennachfrage wird anziehen
Issing sieht gute Wachstumsaussichten in Eurozone

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, sieht gute Chancen für ein verstärktes Wachstum in der Euro-Zone im Jahr 2003.

Reuters NEW YORK. Issing sagte am Montag bei einem Diner mit Börsen-Händlern in New York, sein Optimismus werde durch das erwartete starke Anziehen der Binnen-Nachfrage genährt. Deshalb gehe er davon aus, dass die Wachstumsrate von derzeit 0,5 Prozent nächstes Jahr übertroffen werde. EZB-Vizepräsident Lucas Papademos sagte bei einem Abendessen im European Institute in New York, die EZB rechne damit, dass das Wachstum sein Langzeit-Potenzial von 2,5 Prozent nächstes Jahr erreichen werde. Eine entgegenkommende Geld- und Fiskalpolitik werde diese Entwicklung unterstützen.

Issing sagte, trotz der positiven Wachstumsaussichten bleibe eine Unsicherheit über die Aussichten, da der Kursverfall an den Aktienmärkten das Vertrauen der Anleger beeinträchtige. Zudem bereite die Kriegsgefahr in Irak eine "Menge Sorgen".

Issing und Papademos unisono: Geldpolitik der EZB angemessen

Zugleich betonten Issing wie auch Papademos, die derzeitige Geldpolitik der EZB sei angemessen. Sollten Risiken für die Preisstabilität festgestellt werden, werde die EZB rechtzeitig reagieren, sagte Issing. Er sehe jedoch kein Deflationsrisiko. Er verwies dabei auf Studien, wonach nicht mit einem Sinken der Inflationsrate in der Euro-Zone in eine "Gefahrenzone" von 1,0 oder darunter zu rechnen sei.

Papademos sagte, der Bericht des Europäischen Statistikamtes über die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Euro-Zone im September zeige, dass die Einschätzung stimmig sei, dass die Inflationsrate zum Jahresende um eine Marke von 2,0 Prozent schwanken werde. Die Verbraucherpreise waren dem am Montag veröffentlichten Bericht zufolge im September mit 2,2 Prozent etwas stärker als im August mit 2,1 Prozent gestiegen.

Der Schlüsselzins in der Euro-Zone liegt seit November 2001 bei 3,25 Prozent. Immer mehr Volkswirte gehen allerdings davon aus, dass die Notenbank noch vor Ende des Jahres oder im Frühjahr 2003 die Zinsen senken wird, um damit das schwächelnde Wachstum in der Euro-Zone zu stützen.

Issing betonte, dass der Stabilitätspakt durch die Verlängerung der EU-Frist für den Etatausgleich keinesfalls ausgesetzt worden sei. Unter Hinweis auf die schlechte Konjunktur hatte die EU-Kommission im September angekündigt, den Staaten der Euro-Zone bis 2006 und damit zwei Jahre mehr als ursprünglich vorgesehen zum Ausgleichen ihrer Haushalte zu geben. Deutschland, Frankreich und Italien könnten neben Portugal von dem Vorstoß der Kommission profitieren.

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