Bio-Kampfstoffe angeblich vernichtet
Irak übergibt Uno neue Hinweise auf Waffen

Das Land hat den Fund einer verdächtigen Bombe gemeldet. Uno-Chef-Waffeninspekteur Hans Blix lobte den Irak für die Kooperation.

dpa NEW YORK/BAGDAD. Der Irak hat den Uno-Inspekteuren Dutzende weitere Hinweise zur angeblichen Zerstörung von Massenvernichtungswaffen übergeben und zudem den Fund einer verdächtigen Bombe gemeldet. Das erklärte UN-Chefinspekteur Hans Blix am Dienstag vor Reportern in New York. Bagdad habe in den vergangenen Tagen substanziell mit der Uno kooperiert. Allerdings gebe es bislang noch keine klare Antwort auf seine Aufforderung an den Irak, bis zum 1. März mit der Vernichtung aller Raketen zu beginnen, deren Reichweite über dem erlaubten Limit von 150 Kilometern liegt.

Die neuen Hinweise enthielten "positive Elemente", die genauer untersucht werden müssten, sagte Blix am Rande eines Treffens mit dem Beraterstab der Irak-Inspektionskommission Unmovic. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sowie der Eindruck, dass Bagdad inzwischen eine stärkere Kooperation auch in Sachfragen und nicht nur in organisatorischer Hinsicht zeige, könnten nach Ansicht von Uno-Diplomaten im nächsten Bericht der Waffeninspekteure an den Sicherheitsrat eine Rolle spielen. Der neue Bericht soll Anfang März erstattet werden.

Am Sonntag wird ein weiteres Team von Uno-Waffenexperten in Bagdad erwartet. Die Fachleute sollen irakische Angaben zur angeblichen Zerstörung seiner Bestände des Milzbranderregers Anthrax und des Nervengases VX überprüfen, sagte Unmovic-Sprecher Hiro Ueki in Bagdad. Die Regierung von Präsident Saddam Hussein behauptet, die chemischen und biologischen Kampfstoffe im Sommer 1991 in einer Grube vernichtet zu haben. Sie hat die UN-Inspekteure aufgefordert, an der Stelle Bodenproben zu nehmen, um ihre Aussagen zu überprüfen.

Die irakische Führung will die von ihr behauptete Vernichtung von Bomben, die mit biologischen Kampfstoffen gefüllt waren, durch Grabungen beweisen. Ueki sagte, Unmovic habe eine Einladung erhalten, an einer Ausgrabung auf dem Schießplatz El Asisiya 100 Kilometer südwestlich von Bagdad teilzunehmen. Dort sollen im Sommer 1991 die Bomben zerstört worden sein. Unmovic-Experten konnten dort am Montag und Dienstag bei den Grabungsarbeiten Bombenfragmente untersuchen.

Nach Angaben von Blix hat der Irak die Waffenkontrolleure in mehreren Briefen über die Auffindung von etwa 100 Dokumenten in Kenntnis gesetzt, die zum großen Teil mit der Entsorgung verbotener Waffen seit 1991 in Zusammenhang stehen. Einige dieser Papiere seien handschriftliche Aufzeichnungen über Vernichtungsaktionen. Die Inspekteure seien bereits dabei, allen diesen Hinweisen nachzugehen.

In einem der neuen irakischen Schreiben werde Unmovic über den Fund einer so genannten R-400-Bombe informiert, die eine noch nicht untersuchte Flüssigkeit enthalte, sagte Blix. Die Bombe sei nach den irakischen Angaben in einer Anlage zur Entsorgung von biologischen Kampfstoffen entdeckt worden, die den Uno-Inspekteuren von früheren Kontrollen her bekannt sei. Bei Inspektionen vor 1998 hatten Uno-Experten bereits Erkenntnisse gewonnen, wonach der Irak R-400-Bomben mit Aflotoxin gefüllt haben könnte. Dabei handelt es sich um hoch giftige Schimmelpilzkulturen.

Blix hatte Bagdad in den vergangenen Monaten immer wieder aufgefordert, die behauptete Vernichtung von biologischen und chemischen Waffen und Kampfstoffen durch Dokumente zu beweisen oder zumindest Personen für Befragungen zu benennen, die an solchen Entsorgungsaktionen beteiligt gewesen sein sollen.

Im Irak sind nach Uekis Angaben derzeit 97 Inspekteure tätig, davon 84 für Unmovic und 13 für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO). Weitere 13 IAEO-Inspekteure sowie eine kleinere Zahl von Unmovic-Inspekteuren sollen am Donnerstag eintreffen. Darüber hinaus verfügt die Mission über 118 internationale Unterstützungskräfte, darunter 52 Mitglieder von Flugzeug- und Helikopterbesatzungen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%