Biokraftstoff
Altautos im Tank

Der Liter Sprit für nur 25 Cent? Ein Startup aus Chicago will klimafreundliche Biokraftstoffe besonders preisgünstig produzieren. Das Wunderbenzin würde Spritfresser in Ökomobile verwandeln. Sogar aus alten Autos wollen die Amerikaner ihren Treibstoff gewinnen.
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Breite Sandstrände, ein strahlend weißer Leuchtturm, dahinter windschiefe Kiefern und endlose Dünenlandschaften. Coskata heißt dieses amerikanische Sylt in Neuengland, knapp 400 Kilometer nordwestlich von New York gelegen. Auf die Gründer eines Startups aus Chicago hat das kleine Paradies offenbar Eindruck gemacht: Als sie im Sommer 2006 ihr Biokraftstoff-Unternehmen gründeten, tauften sie es kurzerhand Coskata. Die harmonischen Stoffkreisläufe in dem Naturschutzgebiet seien ein schönes Symbol für das Geschäftsmodell ihrer Firma, befanden die grünen Jungunternehmer.

Was sich wie naive Öko-Romantik liest, ist ein hochprofessionelles Projekt, das der indische IT-Milliardär und Sun-Mitbegründer Vinod Khosla betreibt. Für die boomende Umwelttechnik in den USA ist Coskata nur ein Beispiel - aber eines, das möglicherweise einen Durchbruch bei der Suche nach alternativen Kraftstoffen bringt. Immerhin verspricht Coskata, klimafreundlichen Biokraftstoff für nur rund 25 US-Cent pro Liter zu produzieren.

Mit General Motors (GM) hat das Start-up bereits einen der größten Automobilhersteller der Welt überzeugt: GM-Chef Rick Wagoner gab Mitte Januar bekannt, dass sein Unternehmen Anteile an Coskata erworben habe und dass die beiden Unternehmen eine strategische Partnerschaft vereinbart hätten. Wagoner: "Wir halten das Verfahren von Coskata für einen großen Durchbruch und sind sehr gespannt, wie das Unternehmen die Versorgung mit Biokraftstoffen und die Abhängigkeit der Autoindustrie vom Erdöl verändern wird."

Nicht nur die Hoffnungen von General Motors ruhen auf dem innovativen Herstellungsverfahren, das knapp 40 Coskata-Mitarbeiter in den vergangenen eineinhalb Jahren entwickelt haben. Das Prinzip: Kohlenwasserstoffhaltige Materialien, zum Beispiel Biomasse, werden zunächst in Wasserstoff und Kohlenmonoxid zerlegt (siehe Grafik). Darin ähnelt die US-Technik anderen Verfahren, die vor allem in Deutschland entwickelt werden. Im sächsischen Freiberg beispielsweise geht im April die erste Großanlage von Choren in Betrieb, in der synthetischer Diesel hergestellt wird. In Karlsruhe wird die weltweit erste Bioliq-Anlage gebaut, in der ebenfalls synthetischer Diesel hergestellt wird (WirtschaftsWoche 4/2008). Und im US-Bundesstaat Georgia hat Rage Fuels aus Colorado mit dem Bau einer Anlage begonnen, in der Biomasse via Synthesegas in Ethanol umgewandelt wird.

Doch anders als die Konkurrenten, die auf das relativ energieaufwendige Fischer-Tropsch-Verfahren setzen, lässt Coskata Bakterien die Hauptarbeit tun. Diese nutzen Wasserstoff und das für Menschen hochgiftige Kohlenmonoxid als Nahrung. Endprodukt bei dieser Art Stoffwechsel ist ein Gemisch aus verschiedenen Alkoholen, vor allem Ethanol, das Benzin beigemischt oder in modifizierten Motoren in reiner Form zum Antrieb genutzt werden kann.

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