Biometrische Erkennungssysteme könnten der Digitalen Signatur zum Durchbruch verhelfen
Blick in die Augen ersetzt Passwort

Passwörter schützen Computer vor fremdem Zugriff. Doch das Sicherheitssystem hat Schwächen. Fingerabdruck oder elektronische Unterschrift sind sicherer, konnten sich aber bislang nicht durchsetzen.

HARALD KESBERG HANDELSBLATT, 22.1.2001 BONN. Wenn die Rede ist von moderner Sicherheitsarchitektur in der Datentechnik, fällt immer wieder ein Begriff: Biometrie. Gesichts-, Handschriften-, Iris- oder Fingerabdruckerkennung sollen die mit Restrisiken behafteten Passwort- und PIN-Lösungen (persönliche Zahlenkombination) mittelfristig ersetzen. Bislang allerdings ist diesen Erkennungstechniken der Durchbruch verwehrt. Politik, Industrie und Datenschutz wollen dem Hoffnungsträger nun in einer konzertierten Aktion zum Markterfolg verhelfen. Während die elektronische Unterschrift (digitale Signatur) allmählich an Fahrt gewinnt, tüfteln Sicherheits-Spezialisten bereits an der nächsten Generation von Authentifizierungsverfahren. Zwar gilt die elektronische Signatur nach wie vor als Voraussetzung für Rechtssicherheit im elektronischen Geschäftsverkehr. Doch diese Lösung hat trotz ihrer technischen Vollkommenheit einen nicht unbedeutenden Makel: Der Gebrauch der Chipkarte zur Authentifizierung ist wiederum an einen PIN-Code gekoppelt. Astrid Albrecht, Juristin bei der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV), bewertet die Technik zwar als "grundsätzlich positiv". Aber: "Das Problem bleibt: Jeder, der Kenntnis von der Geheimnummer bekommt, kann sich der zugehörigen Signatur bedienen." Die vom Gesetzgeber anvisierte juristische Gleichstellung der elektronischen Unterschrift mit dem eigenhändigen Namenszug könnte sich somit in Einzelfällen als Problem entpuppen, liegt doch die Beweislast für einen Missbrauch ausdrücklich beim Karteninhaber. Das Manko, erläutert Helmut Reimer von Teletrust Deutschland, liege in der Verknüpfung von "Besitz" und "Wissen", das heißt von Karte und Code. Bei sicherheitskritischen Anwendungen seien biometrische Verfahren eine echte Alternative, sagt Reimer, da sie dem Prinzip von "Besitz" und "Sein" folgen. Das Prinzip der Biometrie ist im Grunde so einfach wie bestechend: Zugang zu Geldautomaten oder Computernetzen erhält nur, wer vom Kontrollsystem anhand fälschungssicherer, weil unveränderlicher biologischer Eigenschaften als legitimer Nutzer identifiziert wird. Dies können sowohl akustische Merkmale wie die Stimme als auch physiognomische Merkmale wie Gesichtszüge, Iris und Fingerabdruck oder habituelle Merkmale wie die Handschrift sein. Was in der Theorie trivial erscheint, erweist sich in der Praxis indes als kniffliges Unterfangen. Brigitte Wirtz, Biometrie-Spezialistin von Infineon Technologies: "Messergebnisse ein und derselben Person sind niemals völlig identisch, da sich die zu prüfenden Merkmale auf Grund von Heiserkeit, wegen Schnittwunden oder einem veränderten Haarschnitt geringfügig verändern." Die Festlegung entsprechender Toleranzschwellen aber will gut durchdacht sein. "Steckt man die Grenzen zu weit, werden Unbefugten Tür und Tor geöffnet. Sind sie hingegen zu eng, weist das System unter Umständen auch berechtigte Nutzer ab." Vorreiter bei der Entwicklung biometrischer Verfahren sind einmal mehr die Vereinigten Staaten, wo bereits Außendienstler von Versicherungen und sogar Dienstwaffen von Polizeibeamten mit entsprechenden biometrischen Erkennungssystemen ausgestattet und gesichert werden. In Deutschland steht der Paradigmenwechsel noch bevor. Fachleute aus Wissenschaft, Industrie und Datenschutz untersuchen in dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Verbundvorhaben "BioTrust" gegenwärtig die Eignung verschiedener Techniken für die verschiedensten Anwendungsszenarien. Eines ist für Projektleiter Henning Arendt aber schon jetzt klar: "Die Biometrie wird einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit im Geldverkehr und E-Commerce leisten." Zurzeit hat der Hoffnungsträger noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. So bemängelt die Bio-Trust-Arbeitsgruppe den mitunter zu langsamen Identifikationsvorgang. "Ungeklärt sind bislang auch noch Fragen zur behindertengerechten Gestaltung, zur Auslösung eines Notalarms und zu Alternativlösungen im Falle von Verletzungen", fasst Arendt die bisherigen Untersuchungsergebnisse zusammen. Ein grundsätzliches Akzeptanzproblem auf Verbraucherseite haben die Experten nicht ausmachen können.

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