Biometrische Systeme helfen bei Sicherheitskontrolle
Kamera erkennt Passagiere an den Augen

Nach den Attentaten in den USA stellt sich die Frage, wie Gebäude und Flughäfen sicherer gemacht werden können. Wie kann man verhindern, dass Terroristen mit gestohlenen Ausweisen auf das Rollfeld und in Flugzeuge gelangen? Eine verlässliche Methode bietet die Biometrie - durch Kontrolle von Iris und Fingerabdruck.

HB DÜSSELDORF. Die Ereignisse in New York und Washington haben das Bedürfnis nach Sicherheit verstärkt. Wie kann man garantieren, dass die Person auch die ist, für die sie sich ausgibt? Ausweise - selbst mit Lichtbild - und Passwörter sind keine ausreichende Gewähr. Schon längere Zeit gibt es biometrische Verfahren, bei denen eindeutige Merkmale eines Menschen wie die Iris oder der Fingerabdruck überprüft werden. "Diese Verfahren funktionieren mit einer hohen Sicherheit", sagt Henning Daum vom Fraunhofer für Graphische Datenverarbeitung-Institut (IGD) in Darmstadt. Doch auf Grund fehlender Studien sei das Vertrauen in diese noch recht neue Technik gering.

Das Prinzip ist recht einfach. Die Iris des Menschen oder sein Fingerabdruck werden über einen Sensor oder eine Kamera erfasst und in einer Datenbank zusammen mit den Daten zur Person gespeichert. Betritt diese Person dann später einen Raum oder will einen Rechner starten, können diese persönlichen Merkmale jederzeit überprüft werden.

"Es gibt inzwischen zahlreiche marktreife Lösungen", weiß der IDG-Forscher aus Erfahrung. Zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat Daum im vergangenen Jahr verschiedene Systeme getestet und eine Biometrie-Studie erstellt. Zu den Anbietern der Technik gehören unter anderem Siemens mit einem System zur Iriskontrolle und Halbleiterhersteller Infineon, die einen Chip für das Scannen von Fingerabdrücken entwickelt haben.

Die meisten dieser Lösungen wurden für die Einbindung in Rechnernetze entwickelt und überwachen den Zugang zu Rechenzentren oder Computern. Doch es gibt auch Anbieter, die den Einsatz von Biometrie bereits in der Passagier-Abwicklung auf Flughäfen testen. "Wir starten ab Oktober eine Studie, in der wir unser Iris-Erkennungssystem auf dem Londoner Flughafen Heathrow auf dessen Praxistauglichkeit testen", sagt Stewart Mann, Chef der Eye Corp. -Ticket Heathrow ist einer der größten europäischen Verkehrsknotenpunke. In den Terminals drei und vier werden für den sechsmonatigen Versuch mehrere Spezialkameras installiert, die den Passagier an seinen Augen erkennen sollen.

2 000 Fluggäste der beiden Linien British Airways und Virgin Atlantic, die häufig von diversen nordamerikanischen Flughäfen nach London fliegen, wurden für den Feldversuch ausgewählt. Einmal registriert, sollen die Vielflieger dann künftig ohne lästige Warteschlange die Kontrolle passieren. Ist der Versuch erfolgreich, setzt Eye-Ticket-Geschäftsführer Mann auf weitere Projekte im internationalen Flugverkehr: "Wir hoffen, dass spätestens im kommenden Jahr auch andere Airlines und Flughäfen die Iris-Identifizierung einsetzen werden."

Kamera erfasst die Iris

Die Iriskontrolle könne aber ohne große Mühe auch auf die Fluggäste ausgedehnt werden, die nicht regelmäßig fliegen, ist sich IDG-Forscher Daum sicher. Dazu wird beim Einchecken von einer Kamera die Iris des Passagiers erfasst. Ein Computer berechnet aus den erfassten Daten einen so genannten Iriscode, der als Barcode auf die Bordkarte gedruckt wird. "Dieser Code kann der Person eindeutig zugeordnet und mit einem Scanner an jedem Punkt des Flughafens eingelesen und mit der Iris des Passagiers überprüft werden", unterstreicht Daum. Die Identifizierung erfolge mit einer Genauigkeit von über 99 %. "Da helfen weder farbige Kontaktlinsen noch Sonnenbrillen. Selbst eineiige Zwillinge kann ein solches System ohne Zögern unterscheiden", so der Biometrie-Experte.

Die Flughafen-Gesellschaften könnten mit den biometrischen Systemen auch den Zugang zum Rollfeld überwachen. Die Mitarbeiter, die dort die Maschinen betanken oder Gepäckstücke einladen, werden mit ihrem Iriscode in einer Datenbank gespeichert und können jederzeit zusammen mit ihrem Ausweis identifiziert werden.

Aber längst nicht nur im Reiseverkehr sollen biometrische Erkennungssysteme für eine eindeutige Identifizierung sorgen. Theoretisch ist die Technik auch in vielen anderen Bereichen einsetzbar. So zum Beispiel bei einem Auto, das sich per Fingerabdruck öffnen lässt. Daran forschen zurzeit Prof. Michael Behrens und seine Gruppe an der Fachhochschule im hessischen Friedberg. Ein sanftes Tippen auf die Fahrertür und schon ist der Wagen startklar. Und nicht nur das: Sitzeinstellung und Radioprogramm - alles stellt sich automatisch ein.

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