Archiv
Biotech als Chance

18.05.2001 Es gibt derzeit kaum eine Branche, die von Analysten und Fondsmanagern optimistischer beurteilt wird als die Biotechnologie. Diese geballte Zuversicht könnten Pessimisten natürlich schon wieder als Gegenindikator interpretieren - ganz in dem Sinn, dass die Kurse jetzt nicht noch weiter steigen werden. Tatsächlich aber sind sowohl der Nasdaq-Biotech-Index als auch sein kleiner Bruder, der Nemax-Biotech-Index, von ihren Höchstständen im Januar vergangenen Jahres noch weit entfernt. Die beiden Börsenbarometer haben sich zwar seit Anfang April tendenziell erholt, die Kurse sind aber noch lange nicht davongelaufen - es ist also derzeit keineswegs zu spät, um Biotech-Titel zu kaufen. Hoffnung erzeugt vor allem, dass es nach langer Pause bald wieder Börsengänge geben wird. Die Degussa-Ausgründung Zentaris will am 18. Juni am Neuen Markt debütieren. Einige weitere europäische Unternehmen treffen Vorbereitungen für Kapitalerhöhungen.

Noch aber zeigen sich viele Anleger am Aktienmarkt zurückhaltend: Zwar haben sie im ersten Quartal dieses Jahres für 8,7 Milliarden Euro neue Fonds gekauft. Doch während Technologiefonds auf den Kauflisten standen, wurde Geld aus den Biotech- und Telekommunikationsfonds abgezogen. Zu den Gewinnern zählten Geldmarktfonds, in die 4,1 Milliarden Euro flossen. Es scheint, als strebe die Risikobereitschaft vieler Anleger seit den schlechten Erfahrungen vom vergangenen Jahr gegen Null. Damit verhalten sie sich wieder einmal zyklisch - und das ist unklug. Denn letztlich laufen sie damit dem Trend hinterher und verpassen damit günstige Einstiegskurse, wie sie beispielsweise viele Biotech-Aktien mittlerweile wieder bieten.

Wer seinem Depot eine chancenreichere Komponente hinzufügen will, kommt letztlich an einer Spezialisierung nicht vorbei. Die Biotech-Branche ist dabei sicher eine Überlegung wert, da sie fundamental gesund ist: Die Unternehmen haben durch Börsengänge und Zahlungen von Venture-Capital-Firmen viel Kapital eingesammelt. Die Branche ist nicht von der Konjunktur abhängig, sondern wird von eigenen Innovationszyklen bestimmt. Im Vergleich zu anderen Zukunftstechnologie-Sektoren wie Internet oder Software haben die Biotech-Unternehmen ihre Gewinnerwartung nur geringfügig korrigiert.

Allerdings sollten Anleger einige Grundsätze beachten: Biotech-Aktien werden sich erst langfristig auszahlen - nicht wenige nennen zehn Jahre als Mindestanlagedauer. Bis dahin sind hohe Kursverluste nicht ausgeschlossen. Außerdem dürften Anleger mit einem Biotech- oder Healthcare-Fonds besser beraten sein als mit einzelnen Aktien, denn die Auswahl aussichtsreicher Biotech-Werte ist schwierig. Das liegt vor allem daran, dass die lukrative Forschung nach Medikamenten sehr risikoreich ist. Nur eines von zehn Medikamenten schafft den steinigen Weg bis zur Marktreife. Durststrecken müssen aber auch Käufer von Biotechfonds in Kauf nehmen: Wenn das gesamte Börsensegment einbricht, wie seit Oktober vergangenen Jahres gesehen, verzeichnen auch professionell gemanagte Portfolios Verluste. Die Fonds sind zu sehr spezialisiert, als dass sie diese vermeiden könnten. Anlass der vergangenen Korrektur waren allerdings überzogene Bewertungen. Davon kann jetzt bei vielen Aktien nicht mehr die Rede sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%