Bis 2004 soll der City-Floh in 40 Ländern zu haben sein
Smart zieht es in die weite Welt

Die wachsende Smart-Familie geht auf Entdeckungstour. So sollen mit neuen Modellen die einheimischen Landstraßen ebenso erkundet werden wie ferne Märkte. Nur die USA bleibt vorerst tabu.

PARIS. Neue Modelle, neue Länder: Mit dieser Strategie will Smart-Chef Andreas Renschler die Verkaufszahlen des Auto-Flohs aus dem Hause Daimler-Chrysler weiter steigern. "Wenn wir nächstes Jahr insgesamt 130 000 Wagen verkaufen könnten, mache ich eine Flasche Champagner auf", sagte Renschler dem Handelsblatt.

Neue Impulse erhofft sich der Zwei-Meter-Mann vor allem vom neuen Roadster, der im Frühjahr 2003 in zwei Varianten auf dem Markt kommt und Smart zur Mehrproduktmarke macht. Der bei seiner Vorstellung auf der IAA 1997 im Schatten des Elchtest-Flops belächelte Kleinwagen hat sich inzwischen allen Widrigkeiten zum Trotz etabliert. Im Jahr 2000 überschritt Smart erstmals die Verkaufszahl von 100 000 Fahrzeugen, im laufenden Jahr sollen es schon 20%mehr sein. Bis Ende August wurden bereits 80 800 Autos abgesetzt - ein Plus von 6 %, gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch große Sprünge sind vom Basismodell nach Ansicht von Experten nicht mehr zu erwarten. Renschler setzt darum im kommenden Jahr auf neue Märkte und seine neuen Nischenmodelle.

Bei den Verkaufsprognosen für das neue Roadster-Duo gibt sich Renschler jedoch wesentlich zugeknöpfter als seinerzeit die Smart-Strategen, die vor fünf Jahren einen Absatz von 200 000 Smarts pro Jahr prophezeihten. Der Roadster sei so kalkuliert, dass er bereits ab bei 10 000 verkauften Autos jährlich rentabel ist, betonte Renschler. Der Geschäftsführer der nunmehr als Smart GmbH firmierenden Daimler-Tochter macht allerdings klar, dass die beiden Modellvarianten neben der Imageauffrischung auch vom ersten Jahr an zum Ergebnis beitragen sollen. Zuvor hatte Smart bereits das Spaß- und Freizeitmodell Crossblade vorgestellt, das aber nur in geringer Stückzahl gefertigt werden soll.

Mit dem neuen Roadster erschließt sich Smart neue Käuferschichten und erobert nach "den urbanen Zonen nun auch die Landstraße", wie Renschler hofft. Für das Unternehmen, das sich beim Start revolutionäre Mobilitätskonzepte auf die Fahnen geschrieben hatte, sind die neuen Modelle auch ein Marketingwandel: "Wir werden so normal, wie Smart Normalität verträgt", sagte Renschler. Wie bei anderen normalen Herstellern auch, wird darum die Modelloffensive auch von einer deutlichen Erweiterung des Händlernetzes getragen. Allein in Deutschland, dem wichtigsten Markt für den Kleinwagen, soll die Zahl der Smart-Center bis 2004 rund verdoppelt werden, sagte Renschler. Auch in den europäischen Auslandsmärkten soll das Händlernetz deutlich dichter als bisher geknüpft werden. Weltweit wird der Smart inzwischen in 20 Ländern vertrieben. Bis 2004 sollen es bereits 40 sein.

Ein möglicher Verkauf des City-Flohs in den USA ist dagegen nicht näher gerückt. Noch immer erfüllt die kleine Kiste die dortigen Emissions-Auflagen nicht. In Amerika ist im Gegensatz zu Europa der Einbau eines Aktivkohlefilters zur Aufnahme der Schadstoffe beim Tanken vorgeschrieben - und dafür fehlt in dem 2,50-Meter-Zwerg der Platz. "Wir haben noch keine Lösung, um diese Vorschriften zu erfüllen", räumt Renschler ein. Er hofft aber auf eine Sondergenehmigung. "Es gibt ein starkes Interesse in den USA nach dem Wagen", sagte er unter Verweis auf eine Online-Befragung in den Vereinigten Staaten. Fest eingeplant hat er die USA für die kommenden zwei Jahren aber nicht. Ganz sicher ist der hünenhafte Chef dagegen über die große Bedeutung des Jahres 2004 für Smart, wenn das Unternehmen endgültig mit einem großen Viersitzer-Modell zu einem vollwertigen Autohersteller aufrückt. Das Auto wird gemeinsam mit der japanischen Daimler-Beteiligung Mitsubishi entwickelt und soll im niederländischen Mitsubishi-Werk Born gefertigt werden. Nur mit dem Viersitzer kann die Marke auf eine Stückzahl kommen, die gute Renditen verspricht. Renschler glaubt jedenfalls fest daran, dass er dann trotz der Anlaufkosten unwiderruflich in die schwarzen Zahlen fährt.

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