Bis 2005 werden knapp eine Milliarde Menschen online sein
Zahl der Internetnutzer steigt weiter

Ungeachtet der Krise der New Economy wächst die Zahl der Internetnutzer. Marktforscher gehen davon aus, dass Asien und Europa den Spitzenreiter USA überholen werden - vor allem mit Hilfe des mobilen Internets.

tnt FRANKFURT/M. Die Zahl der Internetnutzer steigt weltweit rasant an. Im Jahr 2005 werden nach Schätzungen des Marktforschers IDC und der Investmentbank Merrill Lynch knapp eine Milliarde Menschen über das Internet verbunden sein. Ende des Jahres 2000 hatten laut IDC rund 400 Millionen Menschen regelmäßig Zugang zum weltweiten Datennetz.

Für die bevorstehende Verdoppelung der Internetnutzer werden nach Einschätzung der Experten vor allen Dingen der Nachholbedarf in Asien sowie die weitere Verbreitung in Europa sorgen. Verfügt in den USA laut Statistik bereits heute jeder zweite Einwohner über einen Zugang zum Internet, liegt die Marktdurchdringung in Westeuropa derzeit erst bei etwa 30 %, in Osteuropa noch deutlich darunter. In Asien (ohne Japan) kommen auf 100 Menschen bislang nur zwei Internetanschlüsse. Diese Zahl wird sich nach Schätzung der Marktforscher in den nächsten vier Jahren auf acht Anschlüsse je 100 Einwohner erhöhen.

Die USA machen heute mit mehr als 130 Millionen Nutzern ein Drittel der Internet-Weltbevölkerung aus. Europa und Asien werden den derzeitigen Spitzenreiter jedoch - an absoluten Nutzerzahlen gemessen - überholen. Auch bei der Zahl der Internetanschlüsse im Vergleich zur Einwohnerzahl wird Japan mit einer prognostizierten Marktdurchdringung von 83 % im Jahr 2005 die USA als Nummer Eins ablösen. Dies liege vor allem an der rasanten Ausbreitung des mobilen Internetzugangs in Japan. Allein über den seit Februar 1999 angebotenen mobilen Internetzugang I-Mode des Marktführers NTT Docomo surfen mittlerweile mehr als 26 Millionen Japaner im Netz. Die beiden größten Konkurrenten EZWeb und J-Sky bringen es zusammen noch einmal auf über 10 Millionen Kunden.

Zahl der mobilen Endgeräte soll sich verdreifachen

Auch für den Rest der Welt gehen die Experten von einer allmählichen Ausbreitung mobiler Endgeräte für den Internetzugang aus. Merrill Lynch schätzt, dass bis 2005 sich die Zahl der internetfähigen Endgeräte sich von 370 Millionen Ende 2000 auf 1,28 Milliarden verdreifachen wird. Heute führen jedoch immer noch zwei von drei Internetzugängen über den PC. Dieser Anteil wird auf unter 50 % sinken.

"Auch wenn sich die Zunahme der Zahl neuer Internetnutzer in den nächsten Jahren verlangsamen wird, zeichnet sich noch keine Sättigungsgrenze ab", kommentiert Gerard van Hamel Platerink, Internetspezialist bei Schroder Salomon Smith Barney, die Prognosen. Wegen des anhaltenden Kursverfalls der Internetaktien sei in den letzten Monaten in Vergessenheit geraten, "dass das Internet immer noch eine Wachstumsindustrie ist". So hält der Analyst für den europäischen Markt der Internetzugangsanbieter ein Wachstum von 19 % pro Jahr für realistisch. Auch die Umsatzzunahme werde weit über den "durchschnittlichen Wachstumsraten der Wirtschaft liegen".

Zugleich lässt die Mehrzahl der Internetanalysten aber keinen Zweifel daran, dass sich trotz der starken Kursverluste der letzten Monate von bis zu 90 % die Aktien von Internetunternehmen erst allmählich wieder "realistischen Bewertungen" nähern. So sieht Simon Hawkins von Dresdner Kleinwort Wasserstein "bei Investoren langsam eine neue Rationalität gegenüber denjenigen Unternehmen, die über ein solides Geschäftsmodell verfügen".

Starker Konzentrationsprezess in der Internetbranche

Schroder-Analyst van Hamel Platerink sieht den europäischen Internetmarkt derzeit vor allem von einem starken Konzentrationsprozess geprägt, der durch das "Austrocknen der Finanzierungsmöglichkeiten über den Kapitalmarkt" noch beschleunigt wird. "Wir erwarten in Europa ein ähnliches Maß an Konzentration wie in den USA, wo der Marktführer AOL mit einem Anteil von über 50 % bei den Zugangsentgelten und gleichzeitig über der Hälfte der gesamten Online-Werbeumsätze der Konkurrenz weit enteilt ist", sagt Platerink. "Wir gehen davon aus, dass die Verbraucher diese Entwicklung eines Tages bereuen werden, da der schwächer werdende Wettbewerb zu höheren Preisen führen wird", resümiert Schroder Salomon Smith Barney in einer Studie.

Doch genau das könnte für die verbleibenen Firmen den Weg zu nachhaltigen Gewinnen ebnen. So kann sich beispielsweise der nach Amazon.com inzwischen weltweit zweitgrößte Internet Otto-Versand-Versandhändler in Hamburg über stark steigende Marktanteile freuen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verdoppelte der Konzern seine E-Commerce-Umsätze auf 1,1 Mrd. Euro. Auch der Online-Versteigerer Ebay konnte trotz Internetkrise im zweiten Quartal 2001 beim Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 84 % auf 180 Mill. $ zulegen.

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