Bis auf wenige Ausnahmen
Analysten: Berichtssaison am Neuen Markt enttäuschte

Die am Freitag endende Berichtssaison der im Auswahlindex Nemax 50 gelisteten Unternehmen zum Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2001 bewerten Experten als eher enttäuschend und rechnen auch im zweiten Halbjahr nicht mit einer Besserung. Auch vereinzelt positive Zahlen hätten dem Markt nicht nach oben geholfen.

Reuters FRANKFURT. In allen zehn Branchen des Neuen Marktes gebe es eine große Anzahl schwacher Unternehmen, insbesondere im Internet-Bereich hätten sich enttäuschende Geschäftszahlen gehäuft, sagten Experten am Freitag in einer Reuters-Umfrage. Ein Ende der Gewinnrevisionen seitens der Analysten sei nicht abzusehen. Auf Grund des anhaltenden Käuferstreiks in allen Börsensegmenten und der weiter schwierigen Konjunkturlage sei erst im nächsten Jahr mit einem Anziehen des Neuen Marktes zu rechnen.

"Letztendlich war die Saison mit wenigen Ausnahmen von Enttäuschungen geprägt", sagte Alf Niezold, Leiter des Aktienemissionsgeschäftes bei der HypoVereinsbank. "Sehr wenige Unternehmen haben erreicht, was sie angekündigt haben", fügte er hinzu. Mit Blick auf das dritte Quartal äußerte sich Niezold verhalten optimistisch. "Ich gehe davon aus, dass die Unternehmen dem Markt kommuniziert haben, was sie erwarten", sagte er. Enttäuschungen seien jedoch nicht auszuschließen.

Nach Meinung von Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkhaus & Burkhardt, waren die Ergebnisse zumeist dürftig und lagen unter den Erwartungen. "Die teilweise recht ordentlichen Ergebnisse zeigen aber, dass der Markt nicht in sämtlicher Breite schlechte Zahlen geliefert hat", sagte Borghoff. Das niederländische Biotechnologieunternehmen Qiagen AG, der Anlagenhersteller Aixtron oder der Logistikdienstleister Thiel Logistik etwa hätten zufriedenstellende Ergebnisse geliefert, folglich hätten sich auch die Kurse stabilisiert. Überwiegend schlechte Zahlen hätten die unter der Börsenflaute leidenden Direktbanken und Internet-Unternehmen vorgelegt. "Industrial Services mit den Logistik-Werten waren eher gut", ergänzte Borghoff.

Borghoff rechnet am Neuen Markt im dritten Quartal noch nicht mit einer Besserung, erwartet aber im vierten Quartal erste Stabilisierungstendenzen. "Wir rechnen mit sehr schlechten Zahlen für das dritte Quartal", sagte er. "Beim Nemax 50 halten wir eine 20 bis 25 prozentige Erholung von einem sehr niedrigen Niveau aus im Laufe des vierten Quartals für möglich."

Nach Einschätzung von Rainer Gerdau, Aktienstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, überwogen in der Berichtssaison die Enttäuschungen. Die Erwartungen der Analysten seien folglich auch gefallen. Die revidierten Analystenprognosen für 2001 zeigten, dass in den Schätzungen viel Spielraum gewesen sei. Gerdau bezifferte die Gewinnrevisionen auf Grundlage der sogenannten IBES-Konsensus-Schätzungen von Analysten zahlreicher Bankhäuser für 2001 mit 2,975 Milliarden Euro. Gerdau betonte, dass die IBES-Konsensus-Schätzungen auf Basis des Ergebnisses pro Aktie für das Gesamtjahr 2001 zum 30. August auf minus 2,17 Milliarden Euro nach unten korrigiert wurden. Ende vergangenen Jahres hätten Analysten noch 800 Millionen Euro Gesamtgewinne pro Aktie für 2001 erwartet. Die IBES-Konsensus-Schätzungen beziehen sich auf nahezu alle Neuer-Markt-Unternehmen.

"Wir sehen noch kein Ende der Gewinnrevisionen seitens der Analysten", fügte Gerdau hinzu. Ein Anziehen des Marktes halte er erst nach Vorlage der Geschäftszahlen für 2001 im Februar nächsten Jahres für wahrscheinlich. "Die Fundamentaldaten sind derzeit noch nicht gut", sagte er. Nicht zuletzt hinge aber auch die Entwicklung der Nemax 50-Unternehmen von der gesamtwirtschaftlichen Lage ab.

Niezold sagte, der Markt warte auf vernünftige Emissionen. "Wir brauchen ein bis zwei Erfolgserlebnisse, damit das Vertrauen wieder zurückkommt", sagte er. Derzeit hielten sich Investoren komplett zurück. "Wir haben einen klaren Käuferstreik. Es sieht auch nicht so aus, als ob sich die Emissionstätigkeit im vierten Quartal beleben wird", ergänzte er.

Dass der Nemax 50 am Donnerstag mit 994,60 Zählern auf ein historisches Tief seit seiner Einführung am 1. Juli 1999 gefallen war, überraschte die Finanzexperten nicht. "Es gab viele, die den Nemax 50 dreistellig sehen wollten", sagte Gerdau. Borghoff zufolge ist der Boden noch nicht erreicht. "Wir rechnen damit, dass wir im September deutlich unter die 1000er-Marke kommen", sagte er und begründete dies mit den für September erwarteten Gewinnwarnungen von US-Unternehmen für das dritte Quartal.

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