Bis Ende 2004 sollen 4 Millionen Kunden mobil bezahlen
Bezahlen leicht gemacht

Spanische Unternehmen testen den Handy-Zahlungsstandard Mobipay. Mit dem Konkurrenten Paybox können Handybesitzer bereits seit zwei Jahren in Deutschland und in Spanien bezahlen.

HB MADRID. Sommerzeit, Ferienzeit. Das Restaurant Rock and Roll im Madrider Industriepark "La Moraleja" hält seine Türen nach zwölf Uhr mittags noch geschlossen. Auch die Bar nebenan macht erst in zwei Stunden auf. Damit sind 20 Kilometer fern der spanischen Hauptstadt die Möglichkeiten auch schon erschöpft, einen neuen Service zu testen, der landesweit in Spanien noch dieses Jahr Wirklichkeit werden soll. Bezahlen per Mobiltelefon.

Die Idee ist nicht neu, hat sich aber bislang in keinem Land Europas flächendeckend durchgesetzt. Händler, Banken und Mobilfunker konkurrieren mit den verschiedensten Systemen gegeneinander. Einen Standard gibt es nicht. "Das macht jedes System kaputt", seufzt José Luis Martínez Dalmau. "Es verunsichert die Kunden."

Der ergraute Mittvierziger ist Vorstandschef von Mobipay España S.A., einem spanischen Handy-Bezahlsystem, dem Experten wie die Berater von Diamond Cluster jetzt Chancen beimessen, von der Masse der spanischen Mobilfunktelefonierer akzeptiert zu werden. Denn Mobipay hat mit Telefónica Móviles, Vodafone und Amena als Aktionären alle Mobilfunkbetreiber des Landes hinter sich sowie 80 % der spanischen Banken und Sparkassen.

Doch der Weg ist noch immer lang und steinig. Nach einer wenig ergiebigen Testphase, in der auch in Spanien mehrere Konkurrenten miteinander rangelten, einigten sich die ehemaligen Wettbewerber im Mai vergangenen Jahres auf eine gemeinsame Zahlplattform. Seitdem wurden 20,5 Millionen Euro in den Aufbau der Technik investiert. Seit zwei Wochen wird nun ganz real in der Universitätsstadt Valladolid getestet, etwa 150 Kilometer nordwestlich von Madrid. "1 600 Unternehmen machen bislang mit", erzählt Martínez Dalmau. "Das ist schon ganz ordentlich."

In Madrid gelingt der Test nur im Büro, das aber schnell und sicher. Der Käufer teilt dem Zahlungsempfänger entweder seine Handynummer mit oder einen separaten Mobipay-Code. Sekunden später übermittelt Mobipay Angaben über Zahlungsempfänger und der Betrag erscheint auf dem Display des Handys. Per Geheimnummer wird die Zahlung dann bestätigt und vom Girokonto eingezogen.

Die Belastung kann über verschiedene Karten erfolgen, die von den entsprechenden Banken für die bargeldlose Mobipay-Zahlung autorisiert sein müssen. "Wir konkurrieren nicht mit den Kreditkartenunternehmen", sagt Martínez Dalmau. "Wir haben nur kein Plastik in der Hand - das ist der einzige Unterschied."

Das Ganze soll beim Einkauf über das Internet genauso funktionieren wie beim Bezahlen der bestellten Pizza an der Haustür. Stets wird mit einem doppelten Schutz aus persönlichem Mobilfunkgerät und Geheimnummer bezahlt - im Gegensatz zur Kreditkarte, wo in den meisten Ländern eine Unterschrift genügt oder die Kreditkartennummer einfach ins Netz gestellt wird. Der Mobipay-Manager: "Betrug ist eigentlich nicht möglich." Für den Kunden fallen pro Kauf acht Cent extra an.

Das sind alles gute Gründe um zu überzeugen, meint Martínez Dalmau: Seiner Schätzung nach werden vier Millionen Kunden bis Ende 2004 über Mobipay bezahlen. Gemessen an der heutigen Anzahl der Mobiltelefonierer in Spanien - derzeit 30 Millionen - sind das gut 13%.

Einer der größten Konkurrenten für die Spanier ist allerdings das System Paybox, mit dem Handybesitzer bereits seit zwei Jahren sowohl in Deutschland als auch in Spanien bezahlen können. Kein Wunder, dass auch Mobipay ins Ausland will: Ein erfolgreicher Bezahlstandard muss sich in möglichst vielen Ländern durchsetzen. "Mobipay hat die Chance, dem Rest Europas zu zeigen, dass sein Business-Modell erfolgreich sein kann", schreibt der britische Branchen-Informationsdienst Datamonitor in einer Studie. Neben Lateinamerika haben die Spanier auch Deutschland im Visier. Ob Mobipay sich aber hierzulande durchsetzen kann, ist ungewiss. Dafür müssten sich die deutschen Unternehmen nicht nur auf ein gemeinsames, sondern auch auf ein ausländisches System einigen. Und das erscheint dann selbst den optimistischsten Branchenexperten noch zweifelhaft.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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