Bis Ende September 14 Millionen Euro
Lipro bekommt frisches Kapital

Das angeschlagene Berliner Softwareunternehmen Lipro AG rechnet bis Ende September mit Finanzhilfen von 14 Millionen Euro, mit denen die Firma Altverbindlichkeiten begleichen und in das Neugeschäft investieren will. "Die ersten Zuflüsse erwarten wir im August", sagte Unternehmenssprecher Roy Wenske am Montag.

Reuters FRANKFURT. Der langfristige Bestand des Unternehmens sei gesichert und es gebe keinen Grund, ein Insolvenzverfahren zu eröffnen, entgegnete der Sprecher auf einen Bericht des "Handelsblatt" (Montagausgabe), wonach Ex-Mitarbeiter von Lipro Insolvenzantrag gegen das Unternehmen gestellt haben sollen. Die Zeitung berief sich auf einen Antragsteller.

"Wir haben noch keine Informationen darüber", sagte Wenske. Das zuständige Amtsgericht Berlin-Charlottenburg sagte auf Anfrage, es dürfe keine Auskunft darüber geben, ob ein Insolvenzantrag von Ex-Mitarbeitern vorliege. Ein Antrag sei jedoch zulässig, wenn Gehälter zwei Monate lang nicht gezahlt worden seien.

Nach Angaben von Wenske sind im Mai und Juni keine Gehälter gezahlt worden. Seit Juli bezahle Lipro seine Mitarbeiter wieder normal. "Wir können derzeit mit unseren laufenden Einnahmen die laufenden Ausgaben im Wesentlichen decken", sagte Wenske. Die in Aussicht gestellten 14 Millionen Euro stammten aus Landesbürgschaften, aus einem Liquiditätsfonds und von Investoren. Für Altverbindlichkeiten müsse wesentlich weniger als die gesamte Finanzhilfe eingesetzt werden.

Seit längerem ist die finanzielle Situation des Unternehmens angespannt. Durch unerwartet hohe Akquisitionskosten im Jahr 2000 habe das Unternehmen einen Teil seiner Verbindlichkeiten nicht begleichen können, hatte es Ende April geheißen. Im März waren keine Gehälter gezahlt worden, im April mussten sich die Mitarbeiter mit Abschlagszahlungen zufrieden geben. Mitte Mai stelle Lipro erste Schritte zur Sanierung des Unternehmens vor, unter anderem kündigte Vorstandschef Dieter Küchler an, ein Drittel der Mitarbeiter entlassen und weiter Gespräche mit Banken, dem Land Berlin und strategischen Investoren führen zu wollen. Ende Juni teilte Lipro mit, die Länder Berlin und Nordrhein-Westfalen prüften wohlwollend die Erteilung von Bürgschaften sowie die Bereitstellung von Mitteln aus einem Liquiditätsfonds.

Rund 150 der ehemals 350 Mitarbeiter seien nicht mehr bei Lipro beschäftigt, etwa die Hälfte davon habe gekündigt, sagte Wenske. Ein weiterer Stellenabbau sei nicht geplant. Nach reduzierten Prognosen erwartet Lipro nach eigenen Angaben im Gesamtjahr einen Umsatz von 21,7 Millionen Euro und einen Verlust vor Steuern von 6,7 Millionen Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%