Bis Jahresende maximal vier Millionen Abschlüsse erwartet
Riester-Rente kann hohe Erwartungen noch nicht erfüllen

Der Staat lockt mit großzügigen Zulagen, die Anlagebranche mit teuren Kampagnen. Doch die umworbenen Kunden machen einen Bogen um das angepriesene Produkt: die kapitalgedeckte Zusatzvorsorge. Selbst die großzügig geförderte betriebliche Entgeltumwandlung - der letzte Hoffnungsträger von Politikern und der Anlagebranche - bleibt ein Ladenhüter.

HB BERLIN. Nun verlangt das Branchenversorgungswerk der Metaller Konsequenzen: "Arbeitnehmer, die in diesem Jahr nicht abschließen, sollten im kommenden Jahr die doppelte Förderung in Anspruch nehmen können," forderte Heribert Karch, Geschäftsführer von MetallRente gegenüber dem Handelsblatt. Er berichtet zwar ebenso wie Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) gern von Zusatzvorsorgetarifverträgen für zig Millionen Arbeitnehmer und von Tausenden von Arbeitgebern, die ihren Mitarbeitern neue Vorsorgeprodukte anböten. Was aber fehlt, sind die Unterschriften der Arbeitnehmer, die einen Teil ihres Entgelts für das Alter ansparen sollen. Auf 40 000 bis 50 000 Abschlüsse in diesem Jahr hat Karch seine Erwartungen für MetallRente revidiert. IG Metall-Chef Klaus Zwickel hatte im Sommer die Messlatte bei 40000 Verträgen angelegt.

Auch die Arbeitgeber sind ernüchtert. Zwar sei der Zustrom zu Informationsveranstaltungen groß, aber es gebe kaum Abschlüsse, sagten Unternehmer beim Arbeitgebertag in Berlin. Von 15 000 Mitarbeitern hätten neun eine neue Zusatzvorsorge abgeschlossen, berichtet ein Metallarbeitgeber, ein anderer von 25 Verträgen bei 10 000 Mitarbeitern.

Auch die private Zusatzvorsorge wurde bisher nicht der erhoffte Renner. Ende September hatten nach Angaben von Sozialministerin Schmidt (SPD) nur 2,7 Millionen Arbeitnehmer einen privaten Riester-Vertrag abgeschlossen. Bis zum Jahresende werden maximal vier Millionen Abschlüsse erwartet. Anfang 2002 waren die Versicherer noch von mindestens doppelt so vielen Neuverträgen ausgegangen.

Beim Arbeitgebertag suchten Politiker und Praktiker nach Gründen für die Zurückhaltung der umworbenen Arbeitnehmer: Viele glauben immer noch, dass die staatliche Rentenversicherung ihnen im Alter ein ausreichendes Einkommen gewährt. Bundesregierung und Rentenversicherungsträger unterstützen diese Illusion. Obwohl die Regierung den Anstieg der Renten drosselt, lässt sie die Versicherten durch einen Berechnungstrick in dem Glauben, das Rentenniveau werde auch künftig 67 % des Netto-Arbeitsentgelts erreichen. Und die Rentenversicherer verschicken an junge Arbeitnehmer Informationen, die ihnen im Alter Monatsrenten von mehreren 1000 Euro in Aussicht stellen. Dazu kalkulieren sie mit einem jährlichen Rentenanstieg um 3,5 %.

Viele Arbeitnehmer sind derzeit nicht in der Lage oder willens, sich zu zusätzlichen Aufwendungen für die Altersvorsorge zu verpflichten. Geringe oder gar keine Entgeltsteigerungen, Angst um den Arbeitsplatz sowie kräftige Abgabensteigerungen engen den Spielraum für die Zusatzvorsorge ein. Der Absturz der Börsen und die Steuerpläne der Bundesregierung belasten das Vertrauen in die kapitalgedeckte Zusatzvorsorge.

Schließlich sind die Förderkriterien so kompliziert und die Produktvielfalt so groß, dass der einzelne Arbeitnehmer kaum durchschauen kann, welches Angebot für ihn das Günstigste ist. Dennoch warnten Schmidts Parlamentarischer Staatssekretär Franz Thönnes (SPD) und Harald Huhn, Experte für betriebliche Altersversorgung beim Arbeitgeberverband, vor einer Diskussion über Änderungen des Fördersystems. Sie fürchten, dass eine solche Debatte die Bürger weiter verunsichert und plädieren stattdessen für intensive Informationen - und Geduld.

Wer aber bis zum 31. Dezember nicht einzahlt, dem entgeht für dieses Jahr die Förderung. Um Zeit zu gewinnen, fordert Metaller Karch doppelte Förderung im nächsten Jahr. Dies lehnt Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) ab. Er will zusätzliche Förderkosten vermeiden.

Quelle: Handelsblatt

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